Google+ wird zum Minus für Facebook

Google+/Facebook-

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Viele wünschen sich schon wieder weniger Google+. Seit zwei Wochen ist die Euphorie der Sozialnetzwerks-Bewohner kaum zu stoppen. Und gefühlt ein Drittel aller Twitter-Posts befassen sich mittlerweile mit dem neuen sozialen Netzwerk des Suchmaschinenkonzerns. Bereits jetzt sollen sich zehn Millionen Nutzer angemeldet haben. Und der Hype scheint begründet: Tatsächlich könnte Google+ die Blase rund um Social-Web-Dienste wie Facebook und Twitter zum Platzen bringen.

„Kaum ein Angebot hat in der Social-Media-Welt zuletzt so viel Aufmerksamkeit erzeugt wie der Start von Google+“, meint Helge Lach, Vorstandsmitglied der Deutschen Vermögensberatung. Die Begeisterung schlägt sich auch auf Googles Aktienkurs nieder. In der ersten Woche nach Einführung des Dienstes stieg der Marktwert von Google um 20 Milliarden in der Spitze auf 171 Milliarden Dollar.

Daneben verzwergen selbst die höchsten spekulativen Bewertungen von Facebook, die das soziale Netzwerk bei bis zu 100 Milliarden Dollar sehen. Was Facebook tatsächlich Wert ist, wird sich erst zeigen, wenn das Unternehmen den lange erwarteten Börsengang antritt, der für 2012 geplant ist. „Viel zu spät“, findet Christian Nagel, Managing Partner der Venture Capital Firma Earlybird, denn  „mittlerweile hat das Interesse der Investoren an Börsengängen von Unternehmen in den USA wieder nachgelassen.“

Der Erfolg von Google+ könnte sich dabei für Facebook besonders fatal
auswirken, glaubt Nagel: „Rational gesehen, gelten die bisherigen Wachstumsannahmen für Facebook nicht mehr. Nur wenn Anleger sich hier nicht rational verhalten, lassen sich die bisherigen Bewertungsvorstellungen aufrecht erhalten.“

Risiko Börsengang

Der Gang an die Börse könnte Facebooks Abschied sogar noch beschleunigen. Als börsennotiertes Unternehmen wäre Facebook nämlich verpflichtet, seine Geschäftszahlen zu veröffentlichen. Dazu würden auch genaue Auskünfte über die Mitgliederzahlen gehören. „Wenn sich dann ablesen lässt, dass mit dem Start von Google+ eine Wanderbewegung einsetzte und Facebook tatsächlich weniger als 700 Millionen Mitglieder hat, kann das den Tod von Facebook bedeuten“, sagt Marcus Silbe, Analyst bei Close Brothers Seydler Research.

Der Mythos Facebook lebt zum guten Stück von Geheimniskrämerei. Bislang steht das Versprechen an Werbekunden, Zugang zu über 700 Millionen Nutzern ermöglichen zu können, im Vordergrund. Andere Geschäftsfelder sind erst noch in der Entwicklung. Und da Nutzer Herdentiere sind, können sie genau so schnell verschwinden wie sie kamen. MySpace hat’s vorgemacht: Laut dem Monitoring-Unternehmen Comscore sind dem ehemaligen Marktführer alleine im Februar 10 Millionen Nutzer abgesprungen. Die kümmerlichen Reste des Netzwerks wurden vor zwei Wochen für gerade einmal 35 Millionen Dollar verhökert.

Angst vor Google++

„Technisch sind soziale Netzwerke vergleichsweise simpel gestrickt und auch die Geschäftsmodelle sind einfach zu kopieren“, meint Analyst Silbe. Entscheidend für den Erfolg sind allein die Bindung großer Nutzerzahlen und deren Monetarisierung, meistens in Form vom Verkauf der Nutzer an Werbekunden.

Während Facebook darin leidlich erfolgreich ist – 2010 verdiente das Unternehmen laut Spiegel rund drei Dollar pro Nutzer – bastelt Twitter immer noch an Erlösmodellen herum und verdiente pro Nutzer gerade einmal einen Dollar. Google hingegen schaffte es, satte 23 Dollar pro Nutzer zu verdienen und schwimmt in Geld, wie die neusten Quartalszahlen belegen: Die sprudelnden Anzeigenerlöse ließen den Umsatz im zweiten Quartal um 32 Prozent auf gut 9 Milliarden Dollar hochschnellen (6,4 Mrd. Euro). Unterm Strich blieben davon als Gewinn 2,5 Milliarden Dollar hängen – das waren 36 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Konzern verfügt über mehr als 39 Mrd. Dollar an liquiden Mitteln.

Ausgerechnet Googles Stärke könnte jedoch die größte Schwäche von Google+ werden. Denn auch wenn viele Nutzer darauf hoffen, dass Facebook seine Monopolstellung verliert – mit einem Wechsel zu Google würden sie ein noch viel mächtigeres Monopol schaffen – eine Art Google++. Die Gefahr eines „Client Lock-In“ nähme zu. Der Begriff beschreibt den Versuch, geschlossene Plattformen zu gestalten und somit einen Wechsel zu Konkurrenten erheblich zu erschweren oder ganz zu verhindern. Apple und Facebook haben vorgemacht wie das geht. Wenn es Google nun gelingt, mit Google+ die riesige, aber verstreute Mitgliederbasis von seinen Diensten wie Gmail oder YouTube mit Überläufern von Facebook zu bündeln, wäre an eine Flucht aus Googleland in gar nicht allzu ferner Zukunft nur noch schwer zu denken. Die momentane Feierstimmung wird dann schon lange einem fiesen Kater gewichen sein.

Von Frederik Fischer

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

9 Kommentare | 15. Juli 2011 | 13:46 Uhr | Twittern | Facebook

9 Kommentare

  1. Laut Google+ seien es Stand gestern schon 13 Mio. Nutzer. Quelle: http://googleplusweb.wordpress.com/2011/07/15/die-ersten-zwei-wochen-mit-google/

    Blogger | 15. Juli 2011 | 14:55 | Antworten
  2. Der letzte Abschnitt ist völlig spekulativ. Gerade Google stellt seit jeher umfangreiches Werkzeug und Methoden zum Im- und Export der eignenen Daten zur Verfügung. Den Versuch ein “Client Lock-In” zu forcieren gab es nie. Im Gegenteil: “Die Menschen sollen sich für die Nutzung unserer Produkte aufgrund der innovativen Anlage entscheiden – nicht aber, weil sie Nutzer beschränken oder geradezu einsperren. Man kann es als langfristige Strategie betrachten, loyale Nutzer zu halten, und nicht als kurzfristige Strategie, Menschen das Weggehen zu erschweren”. Seit vier Jahren gibt es eine eigene Website, die detailliert erläutert, wie man die Daten der diversen Google-Produkte im- umd exportieren kann: http://www.dataliberation.org/

    Jos van Haag | 15. Juli 2011 | 16:04 | Antworten
  3. Dem kann ich auch nur zustimmen, denn sonst könnte Google einfach auch das Videoeinbetten von Youtubevideos in Facebook verbieten. Google ist mir wesentlich sympathischer als Facebook.

    *** | 15. Juli 2011 | 17:15 | Antworten
  4. Unterm Strich wird der Nutzer überall ausgenutzt bzw. bezahlt, denn kostenlos ist nichts.

    Erst letztens hatte in Freund eine App auf Facebook aktiviert, die aufeinmal Fotos zu einer Collage zusammenfügte – da wurde ich stutzig. Selber nutze ich keine Apps, weil ich meine Daten sicher wissen will, und war daher überrascht, dass die Apps nicht nur die Daten meines Freundes, sondern ebenso automatisiert in seiner Rolle als ‘Freund’ ebendenselben Zugriff auf meine Daten haben.

    Da finde ich den Ansatz der einfach zu konfigurierenden Listen bei Google+ wunderbar.

    Und extrem aufgewertet wird die ganze Plattform mit dem Wissen, dass Google+ die Daten für Suchmaschinenoptimierung und personalisierte Werbung nutzt. Es hört sich schlecht an, aber aus diesem Grund sind die Daten bei Google+ sicher, denn das ist das Kapital.

    Mir ist die Gefahr klar, dass objektive Berichterstattung bzw. Suchmaschinentreffer auf dem Spiel stehen, dass genau da der Haken von Google liegt, dass dieser Konzern mehr und mehr an Macht gewinnt.

    Wenn ich die ganze Sache aber egoistisch betrachte mit meinen Daten im Gedächtnis und dabei den gebotenen Service reflektiere, dann ist Google+ DIE Wahl für mich.

    Und als Deutscher bin ich derbe froh, dass wir unabhängige Medien haben, und ich freue mich auch auf die Mediensteuer… solange die Politiker die Finger von den Medien lassen können und es hoffentlich nie so kommt wie in England mit Murdoch.

    Baden | 15. Juli 2011 | 18:33 | Antworten
  5. Auf Google+ habe ich schon lange gewartet. Facebook wird seine Monopolstellung somit verlieren und die Idee mit den Circles ist eine geniale Sache.

    E. G. | 16. Juli 2011 | 09:55 | Antworten
  6. Falls die Zahl mit 500-700 Millionen Nutzern bei Facebook stimmt, wird Google+ den großen kleinen Facebook sowieso nur überholen können, wenn viele viele Nutzer zu Google+ wechseln. Ich bezweifle sehr das beide Netzwerke irgendwann zusammen auf 1-1,5 oder 2 Milliarden Benutzer kommen werden.

    Herbert | 19. Juli 2011 | 08:40 | Antworten
  7. Jetzt hat Google+ schon über 100 Millionen Benutzer. Mal sehen wie lange es noch dauert bis sie an die Benutzerzahlen von Facebook rankommen. Wenn das weiter in diesem Tempo geht, kann das allerdings noch eine Weile dauern. Irgendwie wird in letzter Zeit nicht mehr so viel darüber gesprochen…

    Danny | 26. Februar 2012 | 12:27 | Antworten
  8. Euphorie ohne background. Wie viele andere ist google+ nur ein hinterherlaeufer. Facebook ist bleibt nicht zu stoppen. Die user, die google+ hat sind keine dauerhaften und täglich wiederkommenden user. Google+ könnte eine Rolle in der Zukunft spielen doch ist die Zukunft in weiter Ferne. Ich habe noch nie jemanden in Manhattan sagen gehört “bist du auf google+?” und ich bin der festen Überzeugung, dass ich den Satz auch in den nächsten 24 Monaten nicht hören werde. Schöne Grüße aus NYC

    Manhattanscout | 13. März 2012 | 17:57 | Antworten
  9. Ich habe vorhin etwas von über 190 Millionen Google+ Nutzern gelesen: http://www.seo-united.de/blog/social-media/google-plus-nutzerzahlen.htm

    Matthias Mann | 26. März 2012 | 20:02 | Antworten

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