Daten ohne Grenzen: Wissenschaftler wollen Gutes tun

DataWithoutBorders möchte die Macht der Daten auch z.B. Hilfsorganisationen zu Gute kommen lassen.

DataWithoutBorders möchte die Macht der Daten auch z.B. Hilfsorganisationen zu Gute kommen lassen.

DataWithoutBorders möchte die Macht der Daten auch z.B. Hilfsorganisationen zu Gute kommen lassen.

Nicht nur für den Werbeklick: Die Organisation „Data Without Borders” will Datenwissenschaftler und -arbeiter mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zusammenbringen. Zum Nutzen der gesamten Menschheit.

 

Beim Wort „Datensammeln” denken die meisten Menschen wohl an Facebook, Google und die großen Player im Web. Wenn es darum geht, große Datenberge auszuwerten, sind sie ganz vorne – sie können ganze Abteilungen damit beschäftigen, Daten mit statistischen Verfahren zu durchgraben und aufzubereiten. Ob soziales Netzwerk oder Suchmaschine: In beiden Fällen handelt es sich um Mitspieler auf dem Werbemarkt – im Kern geht es ihnen darum, durch Targeting, also durch zielgerichtetes Ansprechen bestimmter Nutzersegmente, effektiver Werbung zu schalten.

 

Leben verbessern

Die Datenflut im Netz hat die Figur des Datenwissenschaftlers prominent gemacht. Doch Jeff Hammerbacher, ehemals Ingenieur bei Facebook, klagte in der Bloomberg Businessweek kürzlich: „Die besten Köpfe meiner Generation denken darüber nach, wie man Leute dazu bringt, auf Anzeigen zu klicken – das ist ätzend”. Das sieht auch Jake Porway so. Er ist Datenwissenschaftler bei der Entwicklungsabteilung der New York Times. Auf dem Feld der Datenanalyse, schrieb er im Guardian, „richten sich die Bemühungen vor allem darauf, das Leben von Menschen zu verbessern, denen es ohnehn schon gut geht.” Ins Hintertreffen gerieten dabei aber jene Initiativen, die sich für bessere Lebensbedingungen für alle einsetzten – Menschenrechts- oder Umweltgruppen etwa, generell Nichtregierungs- und Nonprofit-Organisationen.

 

Datenakrobatik für alle

Doch gerade sie könnten von der Datenarbeit profitieren, meint Porway. Viele Initiativen wüssten noch gar nicht, was sie alles nicht wissen. Jetzt hat er eine Organisation gegründet, die sich diesem Ziel widmen soll: Data Without Borders. Sie soll Datenwissenschaftler, Statistiker und Programmierer mit Organisationen und Initiativen zusammenbringen, die solche Arbeit brauchen können, die zum Beispiel von Programmierschnittstellen für Daten jedoch noch nichts gehört oder dafür schlichtweg keine Ressourcen haben.

 

Die Idee dazu entstand auf einem Hackday – einem Programmierer-Wettbewerb – in New York. Dort, sagt Porway gegenüber Hyperland, begeisterte ihn der Erfindungsgeist und Enthusiasmus der Hacker. „Doch als ich die Präsentationen sah, war ich enttäuscht, dass die Ergebnisse – verglichen mit dem ungeuren Einsatz an Technologie und Wissen – bescheiden waren. Es wird die komplexeste Datenakrobatik, Algorithmen zur Mustererkennung und mehr eingesetzt, um Leuten ein besseres Restaurant nahezulegen. Das war für mich nicht befriedigend”. Er beschreibt das Ziel der neuen Organisation so: „Wir wollen mit Daten im Dienst der Humanität arbeiten”.

 

Nicht nur Rohdaten sammeln

Zusammen mit zwei weiteren Datenarbeitern für die täglichen Aufgaben und vielen, die bereits freiwillig ihre Hilfe angeboten haben, soll Data Without Borders als Anlaufstelle für Daten-Expertise gelten. Als Nachbarn sieht er Projekte wie die Krisen-Kommunikationsplattform Ushahidi, den weltweiten Hackday „Random Hacks of Kindness” und die Open-Data-Bewegung, die Daten von Verwaltungen und anderen Einrichtungen öffentlich einsehbar und weiterverwendbar machen will.

 

Doch Rohdaten allein sind zunächst nur für Wissenschaftler, Experten oder Entwickler interessant, die darin nach Mustern suchen – kaum aber für die breite Öffentlichkeit. Porways Initiative soll deshalb darüber hinaus auch Daten aufbereiten oder bei Visualisierungen unterstützen. Ein solches „Information Design”, das Daten zum “Storytelling” nutzt ist für viele NGOs noch Neuland. Doch gerade für sie, die eine Geschichte erzählen müssen, ist es wichtig.

 

Hilfe in Entwicklungsländern

Porway kann sich auch vorstellen, mit NGOs direkt bei Datenerhebungen und -analysen über eigene Projekte zusammenzuarbeiten. Zum Beispiel bei medizinischen Programmen in Entwicklungsländern, mit deren gesammelten Daten auch die Wirksamkeit von Projekten analysiert werden könnte. Dafür müssten allerdings auch die NGOs mitziehen. Obwohl von ihnen viele offenen Daten nicht prinzipiell abgeneigt sind, bleiben auch sie gern auf ihnen sitzen.

 

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: David Pachali

Autorenbild

David Pachali ist freier Journalist zu digitaler Öffentlichkeit, Netzpolitik und Urheberrecht und Redakteur bei iRights.info.
Alle Beiträge von David Pachali anzeigen