Tumblr: Erfolgreich mit Bloggen per Knopfdruck
Von Marcel Weiß
Facebook mit fast 700 Millionen aktiven Usern weltweit und Twitter mit ungefähr 200 Millionen angemeldeten Nutzern sind die populärsten Dienste des Social Web und jedermann bekannt. In deren Windschatten macht sich aktuell in den USA ein dritter Dienst auf den Weg in den Mainstream: Tumblr.
Was tun, wenn einem Twitter zu spartanisch, Blogs zu kompliziert und Facebook zu sehr Facebook ist, man sich aber dennoch im Web mitteilen möchte? Vielleicht ist Tumblr hier das richtige Mittel der Wahl. Tumblr ist eine Plattform, die das Bloggen per Knopfdruck ermöglicht und zwar per Browser, Handy oder E-Mail. Videos, Bilder, Fotos, Grafiken: Fast alles, was es im Netz an Inhalten gibt, lässt sich mit einem Klick im eigenen Tumblr-Blog veröffentlichen. Wer keine Lust dazu hat, muss noch nicht einmal eine Überschrift für seinen Eintrag verfassen (wie der Reporter Philip Banse bei seiner Recherche für den Elektrischen Reporter in Tallin). Tumblr kann ein Tagebuch oder eine persönliche Zitatesammlung sein oder irgendwas dazwischen. Wer es nutzt, sollte sich nur nicht in den Fängen des Urheberrechts verheddern – eine Gefahr, auf die die Betreiber der Plattform selbst hinweisen.
Bloggen auf Knopfdruck
Tumblr ist bereits vor gut vier Jahren gestartet und hat diese Zeit zur Reife und zur Schärfung des eigenen Profils genutzt. Alle Funktionen sind darauf ausgelegt, Inhalte der verschiedensten Art schnellstmöglich – teilweise automatisch – zu veröffentlichen oder weiterzuleiten und die Nutzer untereinander zu vernetzen. So können die einzelnen Einträge im besten Fall innerhalb kurzer Zeit eine große Anzahl von Menschen erreichen und als wichtiger Nebeneffekt: Auch den Dienst selbst weiter bekannt machen.
Mit Erfolg: Gerade diese „Schnellblog-Eigenschaften“ kommen bei den Nutzern besonders gut an, wie beispielsweise die „Reblog”-Funktion. Eine Möglichkeit, mit der man ohne Aufwand Beiträge aus anderen Tumblr-Bogs in das eigene Tumblr-Blog posten kann. In diese Systematik der schnellen Verbreitung und Vernetzung passt auch die Integration von Funktionen, die aus anderen Diensten bekannt sind: Mit einem Klick kann man anderen Tumblr-Blogs folgen und im Dashboard findet man dann alle Tumblr-Blogs, denen man folgt.
Vernetzungsstrategie bringt Erfolg
Offenbar geht diese Strategie nun auf, Millionen Menschen füllen ihre kleine Ecke im Web mit Inhalten. Tumblr konnte im letzten Jahr ein enormes Wachstum verzeichnen. Juli 2009 kam die Plattform auf 250 Millionen Seitenabrufe, im Mai diesen Jahres wurde diese Zahl bereits erstmals an nur einem Tag erreicht, wie Tumblr-Gründer David Karp vor kurzem im Firmenblog mitteilte.
Tumblr-Blogs erzeugen heute rund sieben Milliarden Seitenaufrufe pro Monat. Und die Tumblr-Blogger posten weiter unaufhörlich neue Beiträge: In den mehr als 20 Millionen Tumblr-Blogs wurden bisher insgesamt über 6,5 Milliarden Einträge veröffentlicht. Dieses nahezu exponentielle Wachstum hat, wie seinerzeit auch bei Twitter, seinen Preis: In den letzten Monaten ist Tumblr öfter ausgefallen und hat enttäuschte Nutzer zurückgelassen. Diese User nutzen Tumblr oft täglich als eine Art Lifestream.
Weil es so einfach ist, mit Tumblr kurze Gedanken zu posten und ohne viel Aufwand Fotos oder Videos einzubinden, fühlt sich Tumblr in der täglichen Nutzung leichter an als ein ausgewachsenes Blogsystem wie WordPress, obwohl hier mittlerweile auch der schnelle Blogeintrag per Mail möglich ist. Andere Nutzer sind froh, dass sie sich nicht um Vorgaben kümmern müssen, beispielsweise eine Begrenzung auf 140 Zeichen wie bei Twitter oder ein festgelegtes Layout wie bei Facebook. Tumblr-Blogs lassen sich einfach personalisieren.
Die einfache Nutzung hat Tumblr auch zum bevorzugten Ort für das Posten von so genannten Internet-Memen gemacht. Das Tumblr-Blog „Garfield minus Garfield” etwa zeigt Garfield-Cartoons ohne den namensgebenden Kater. Dieses Tumblr war so erfolgreich, dass der Macher mittlerweile gemeinsam mit dem Garfield-Macher ein Buch herausgebracht hat.
In den USA haben bereits viele traditionelle Medienmarken angefangen, ihre eigenen Tumblr-Blogs zu betreiben. Neben dem New York Times Magazin findet man beispielsweise auch die Huffington Post, Newsweek, und The Economist auf Tumblr. Aus Deutschland stammen bislang nur rund zwei Prozent der Nutzer.
So ist Tumblr derzeit ein stark wachsender Spieler auf dem Feld des Social Web, der bekannte Funktionen geschickt neu kombiniert und damit bei den Nutzer auf steigendes Interesse stößt. Vergleichbare Dienste, mit denen man ebenfalls mit geringstem Aufwand bloggen kann, sind Posterous und das österreichische Soup.io.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
8 Kommentare | 14. Juni 2011 | 08:33 Uhr |
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Interessant. Ist die Schreibweise von “Lifestream” absichtlich so (falsch) gewählt?
Lama: was ist daran denn falsch? wer einen livestream meint und lifestream schreibt, der verschreibt sich. wer lifestream meint und lifestream schreibt macht hingegen keinen fehler.
Es ist tatsächlich Lifestream gemeint. Kein Verschreiber. Es geht um das digitale Festhalten des Alltags.
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