Social TV: Fernsehen mit anderen teilen

Social TV funktioniert nur mit Twitter, Facebook und Co. Foto: paz.ca

Social TV funktioniert nur mit Twitter, Facebook und Co. Foto: paz.ca

Von Markus Hündgen

Ein Trend geht um im Bewegtbildland: Social TV soll das lineare Anschauerlebnis mit den sozialen Spielereien des Internets verbandeln. Ein Zukunftsmarkt, der aufpassen muss, nicht wie eine Blase zu zerplatzen.

Möchte ein Start-Up Mitglied im Social-TV-Club werden, dann gehören Floskeln wie “Fernsehen der Zukunft” oder “Web-TV-Revolution” auf die Visitenkarte. Worin sich die einzelnen Anbieter unterschieden, liegt oft nur im Auge des Betrachters. Fast wöchentlich geht ein neuer Revolutionär an den Start, die Branche gleicht einem arabischen Wochenmarkt.

Schon der Begriff “Social TV” ist schwammig. Generell geht es um Fernsehen, dass plötzlich interaktiv wird. Und weil Fernsehen eben Fernsehen ist, muss der Dialog zwischen den Nutzern und mit den Fernsehmachern auf Nebenkanälen stattfinden. Dies passiert schon seit geraumer Zeit mit wachsendem Erfolg: Gerüchten zufolge soll der Sonntags-”Tatort” in der ARD erst seit Twitter wieder Spaß machen. Ähnliches gilt für große Live-Events im deutschen TV. Die bissigen Kommentare zum RTL-Straßenfeger “Bauer sucht Frau” geben der Sendung die dringend benötigte satirische Note. Darin sind sich zumindest die meisten Twitter-Nutzer einig.

Fremdgesteuerte Abendgestaltung

Portale wie VHX.tv gehen einen anderen Weg. Sie setzen auf von ausgewählten Nutzern gepflegte Favoritenlisten. Der Grundgedanke: Andere VHX.tv-Nutzer stellen mir mein samstagabendliches Bewegtbildprogramm zusammen. Anfänglich eher eine Art Partyspaß, werden nach ein paar Sitzungen die eigenen Bewegtbildsensoren mit bis dato vollkommen unbekannten Reizen torpediert. VHX.tv liefert ein durch Freunde gefiltertes Überraschungsfernsehen.

Einen anderen Weg geht Miso. Statt Inhalte aus dem Netz in ein personalisiertes Programmheft zu packen, lässt das Portal seine Nutzer freimütig mitteilen, welche Doku-Soap sie gerade von wichtigeren Dingen wie Spülen, Schlafen oder Gassi gehen abhält. Zur Belohnung wird mit Abzeichen (“Badges”) und Punkten gearbeitet, ähnlich Geolokations-Diensten wie foursquare.

Rund um diese Social-TV-Trabanten kreisen die üblichen digitalen Satelliten wie Twitter und Facebook, um möglichst viele Freunde im digitalen Universum von der gerade akuten Bewegtbildpräferenz zu informieren.

(K)ein Ende in Sicht

Das Ende der Fahnenstange ist bei allen Vertretern der Social-TV-Garde längst unerreicht. Ganz im Gegenteil: Miso selbst hält Check-ins und Abzeichen nur für Taschenspielertricks und kündigt permanente Neuentwicklungen an. Die Experimentierfreude zeigt aber gleichzeitig die Hilflosigkeit, mit der der Markt überschwemmt wird. Das starre Medium Fernsehen den Zuschauern näher zu bringen, haben in der Vergangenheit schon etliche Unternehmen versucht. Die Versuche scheiterten vornehmlich an sich selbst: Nur wenn ich die gleiche Set-Top-Box oder intelligente Fernbedienung wie meine Freunde habe, wird Fernsehen auch sozial. Ein Schicksal, was geschlossene Netzwerke wie Microsofts Xbox Live ebenfalls betrifft.

Hausgemachte Probleme

Auch die Betreiber der unzähligen Social-TV-Plattformen stehen vor diesem Problem: Solange die Netzwerke nicht eine gemeinsame Sprache sprechen, bleibt der Nebenbei-Dialog bei etablierten Kanälen wie Twitter und Konsorten. Für die Mitglieder des Social-TV-Clubs kann der lang gehegte Traum von der “Web-TV-Revolution” deswegen schneller platzen, als gedacht.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Markus Hündgen

Markus Hündgen - Videopunk

6 Kommentare | 16. Juni 2011 | 10:43 Uhr | Twittern | Facebook

6 Kommentare

  1. Markus du sprichst mir aus der Seele. Die von dir genannten Plattformen werden sang und klanglos voun der Bildflaeche verschwinden und der Hype rund um Twitter (ich bin selber ueberzeugter Twitter-User und glaube einfach, diese Plattform ein wenig zu verstehen)als kollektiver Kommunikationskanal fuer “Social”-TV, also ich weiss nicht…

    Twitter funktioniert sicherlich bei Live-Events. Der ESC ist so ein Beispiel oder aber die Live-Uebertragung von Sportereignissen. Aber Tatort… ich weiss nicht.. muss das wirklich sein?

    Wenn ich bewusst Content ueber die Mattscheibe konsumiere, dann moechte ich genau das tun: Konsumieren und nicht produzieren!

    Sascha Pallenberg | 16. Juni 2011 | 13:33 | Antworten
  2. Hatte dieses Video vor Tagen mal entdeckt und bei Twitter / Facebook gepostet: http://vimeo.com/21386019

    Wäre das etwas? Ich glaube auch nicht, dass Check-Ins und Badges alleine Social TV ausmachen. Zu hinterfragen wäre auch, ob das Medium an sich nicht inhärent ein wenig Social ist: Viele gucken auch Serien, Filme etc. zu Zweit oder in Gruppen am Empfangsgerät oder im Kino, man tauscht sich direkt aus – braucht man da noch das Web (mal ketzerisch gefragt)?

    Jan Piatkowski | 16. Juni 2011 | 14:02 | Antworten
  3. Sascha, Fernsehen ist mehr als Konsum. Es spricht die Zuschauer sehr emotional an und diese Emotionalität möchte man gerne mit anderen Teilen. Dazu kommen Twitter und Facebook wie gerufen.

    Außerdem sind die Zuschauer lange nicht so konzentriert bei der Sache wie das TV-Macher gerne hätten. => Es sind eher Wegschauer als Zuschauer. wenigsten Inhalte im Fernsehen möchte man ungestört konsumieren (Filme und dann lange nichts). Diese Tatsache macht die Dienste ja so interessant, weil sie die Nutzer wieder einfangen.

    Bertram | 16. Juni 2011 | 14:02 | Antworten
  4. People deserve very good life and loan or consolidation loan can make it better. Just because freedom is grounded on money.

    Evangeline19DUNN | 17. September 2011 | 15:53 | Antworten
  5. Schöner und interessanter Beitrag. Danke für die Info

    Andreas | 18. Oktober 2011 | 09:48 | Antworten
  6. That’s perfect that people can receive the mortgage loans and that opens up new possibilities.

    loans | 10. November 2011 | 08:28 | Antworten

Was sagen Sie dazu?