Genmatching: Biologisch füreinander bestimmt


Von Stephan Ebmeyer und Julius Endert

Onlinepartnerbörsen gehören zu den beliebtesten Angeboten im Netz. Jeden Monat durchforsten rund sieben Millionen paarungswillige Deutsche die Vorschlagslisten der Singlebörsen nach ihrer fehlenden, besseren Hälfte. Ob einem der Suchalgorithmus den richtigen Er oder die richtige Sie vorgeschlagen hat, erkennt man jedoch erst nach einem Treffen. Ein Schweizer Startup bringt nun die Gene ins Spiel, sie sollen uns den Weg zum bestpassensten Partner weisen: Schicksal vs. Speichelprobe.

Die Firma GenePartner behauptet, „Liebe ist kein Zufall“ und bietet „Partner-Matching mit Hilfe modernster DNA-Analyse“ auf der ihre Homepage an. Im Grunde funktioniert das Angebot wie jede andere Partnerbörse auch. Doch ergänzend zu den üblichen Profildaten und Angaben zu Vorlieben und Wunschpartnern machen die Liebesaspiranten hier zusätzlich einen Gentest.

„Mit GenePartner testen wir Ihre Immungene, und dann schauen wir, ob sie zusammenpassen mit ihren genetischen Voraussetzungen. Wenn Sie dann genetisch zusammenpassen, dann müssen sie noch schauen, ob sie auch sozial harmonieren und wenn das auch passt, dann haben sie gute Chancen, dass sie sich auch ineinander verlieben“, erklärt GenePartner-Chefin Joëlle Apter.

Wie gut können wir uns riechen?

Wissenschaftlich basiert die Gen-Partnersuche auf einem Experiment von Prof. Claus Wedekind, Biologe an der Universität Lausanne. Er hat Frauen an getragenen Männer-T-Shirts schnuppern lassen. Dabei fand er heraus, dass unsere Immungene entscheiden, ob wir unseren Partner mögen also wortwörtlich riechen können oder nicht. „Wir haben versucht, die Geruchsvorlieben von Frauen anhand von Eigenschaften des Immunsystems voraussagen zu können. Und das hat geklappt, Was wir brauchten war eine kleine Blutprobe, an der wir dann einen Teil der Genetik analysiert haben und mit dieser Information konnten wir im Mittel voraussagen, welche Frau welches T-Shirt im Mittel lieber riecht und welches nicht“, sagt Professor Wedekind.

Je unterschiedliche die Immungene von zwei Partnern sind, umso kompatibler sind sie. Genetisch ähnliche Partner stoßen sich ab. Die Natur hat diesen Mechanismus vermutlich geprägt, um Inzucht zu vermeiden. Denn je verschiedener die Immungene der Eltern sind, umso robuster werde das Immunsystem ihrer Kinder, wirbt auch die GenePartner. Außerdem haben die so genannten „MHC-Gene“ möglicherweise Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit von Paaren. „Je ähnlicher Mann und Frau sind, desto länger dauert es, bis sie wieder ein Baby kriegen“, erklärt Claus Wedekind.

Gene fürs Facebook-Profil

Strategie von GenePartner ist es, mit bestehenden Partnerbörsen zu kooperien und dort den Gentest als zusätzlichen Filter einzubauen. Sogar auf Facebook gibt es eine entsprechende Applikation, mit der man sein genetisches Profil mit dem seiner Freunde “matchen” kann.

Allerdings – und darauf legt die GenePartner-Chefin Wert – niemand erhält auf Facebook oder anderswo Zugang zu den analysierten Gensequenzen. „Sie können keine DNA einsehen, nicht mal ihre eigene.“ Als Ergebnis erhalten die Testteilnehmer auf einer Skala von 1 bis 100 nur den Grad der genetischen Passgenauigkeit.

Andere Wissenschaftler sind jedoch der Meinung, dass das Genmatching dennoch keine gute Idee ist. Professor Hans Dieter Volk, Direktor des Institutes für medizinische Immunologie an der Berliner Charité kannte die Versuche seines Kollegen Wedekind und hat das Verfahren mit seinen Studenten getestet: Heraus kam, dass zwei Drittel der Paare, die teilweise schon länger zusammen waren, nicht dem Gen-Ideal entsprachen. Anschließend brachen heftige Diskussionen unter den getesteten Pärchen aus. Der Selbstversuch wurde danach schnell abgebrochen, weil die Ergebnisse höchst fragwürdig sind. „Das zeigt eigentlich, dass das Verfahren übersimplifiziert ist“, sagt Professor Volk. „Ich würde das Geld lieber nehmen und einen Blumenstrauß kaufen.“

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

 

4 Kommentare | 26. Mai 2011 | 16:03 Uhr | Twittern | Facebook

4 Kommentare

  1. Achtung, Video ein bisschen kaputt (Nicht so klassische Bild/Text-Schere :-)

    Michael | 26. Mai 2011 | 18:15
  2. Julius Endert

    @ Michael: wird repariert,
    vielen Dank,
    Julius

    Julius Endert | 26. Mai 2011 | 18:37
  3. Das Problem mit den klassischen Heiratsvermittlungen ist, dass sie zu teuer sind. Und bei deren Online-Pendants ist das Problem nicht nur aggressives Money-Mining, sondern auch 99% Karteileichen. Daher haben diese Dienste kaum eine Chance gegen freie Dienste wie WKW, Facebook usw.

    flnca | 30. Mai 2011 | 06:46
  4. Gefährlicher ist das Angebot der Erbgutanalyse von einer US-Firma, die für knapp € 400.- eine pauschalisierte Gentest-Analyse im Internet anbietet. Je nach Ergebnis kann der Kunde in Angst und Schrecken versetzt werden, oder sich in trügerischer Sicheheit wiegen.

    Dr. House | 3. Juni 2011 | 15:00