Check Out: Warum der Hype um Foursquare & Co. zu Ende geht

Foursquare: Mit Badges sollen die Nutzer zum Einchecken animiert werden; Foto: nan palmero, Quelle: Flicker

Foursquare: Mit Badges sollen die Nutzer zum Einchecken animiert werden; Foto: nan palmero, Quelle: Flickr

Von Jens Schröder

Foursquare, Gowalla & Co. waren der Netz-Hype des Jahres 2010. Und als Facebook mitteilte, mit Facebook Places ebenfalls in das Geschäft mit orts- und Check-In-basierten Dienste einzusteigen, schien das Phänomen im Internet-Mainstream angekommen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Nutzerzahlen stagnieren bestenfalls. Wegen mangelnder Innovationen stehen die Anbieter vor einer ungewissen Zukunft.

Während das Netz über „Locationgate“ diskutiert und sich darüber aufregt, dass das iPhone ungefragt ständig abspeichert, wo sich sein Besitzer gerade aufhält, teilen viele dieser Leute der ganzen Welt freiwillig genau diese Informationen mit. Sie nutzen Foursquare und andere ortsbasierte Check-In-Dienste.

Mit Hilfe von Foursquare, Gowalla & Co. kann sich der Nutzer an Orten einchecken, d.h. er meldet sich an und gibt damit gleichzeitig seinen Freunden den eigenen Aufenthaltsort bekannt. Man selbst erfährt, wo sich die eigenen Freunde gerade aufhalten, wer noch den eigenen Lieblingsort besucht oder welche Orte in der Nähe spannend sein könnten. Durch ein Belohnungssystem werden die Foursquare-Nutzer zum einchecken animiert. So erhält man für das Aufsuchen bestimmter Orte oder das Erreichen einer Punktezahl für häufiges einchecken verschiedene Abzeichen. Und der Nutzer mit den meisten Check-Ins an einem Ort wird mit der „Mayor“-Würde belohnt. Er darf sich Foursquare-Bürgermeister nennen, so lange bis ihm ein anderer Nutzer den Titel wieder abjagt.

Check-In-Dienste schon am Ende?

Seit einigen Wochen diskutiert das Netz nun über die Zukunft von Foursquare & Co. Angestoßen hat sie Mark Watkins im US-Blog ReadWriteWeb. In „2011: The Year the Check-in Died“ legte er dar, warum Dienste wie Foursquare im Jahr 2011 den Weg der 8-Spur-Kassette gehen werden und sterben. Er schreibt, dass sich die Foursquare-Nutzer immer seltener an einem Ort einchecken, dass Facebook Places noch seltener genutzt wird und dass selbst an Orten wie dem Ace Hotel in New York – laut Foursquare der populärste Ort seiner Nutzer – kaum noch Check-Ins stattfinden.

Auch in Deutschland zeigen die Daten, dass der Trend gestoppt hat. Während der Traffic auf Foursquare.com laut Google bis etwa zum Herbst 2010 anstieg, zeigt der Pfeil seitdem nach unten. Laut Googles Research-Tool Ad Planner gehört Foursquare.com mit 180.000 Besuchern nicht mal zu den 3.000 populärsten Websites Deutschlands. Nun ist der Web-Traffic sicher nicht das allerbeste Kriterium für den Erfolg eines solchen Dienstes. Doch wenn die Besucherzahlen der Website zurückgehen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auch der Dienst selbst immer seltener genutzt wird.

Dabei ist Foursquare unter den Check-in-Diensten noch die Nummer 1. Gowalla.com verzeichnete im März laut Ad Planner nur 58.000 Besucher aus Deutschland, der deutsche Konkurrent Friendticker nur 17.000. Auch aktive Twitter-Nutzer werden gemerkt haben, dass Tweets mit Foursquare-Inhalten („I just ousted xxx as the Mayor of xxx“) seltener geworden sind.

Nutzer verlieren den Spaß

Doch warum kommen die Check-In-Dienste nicht im Internet-Mainstream an, stagnieren und verschwinden nach Meinung einiger Experten wie Mark Watkins bald wieder? Die Probleme dürften hausgemacht sein. Den Anbietern ist es bis heute nicht gelungen, den echten Nutzen ihrer Services zu erklären. Warum sollte man der Menschheit mitteilen, wo man sich gerade aufhält? Nur, um bei Foursquare „Bürgermeister“ des Ortes zu werden oder Punkte und Abzeichen für Check-Ins zu sammeln? Das mag eine Zeit lang Spaß machen, doch wie bei allen Spielen geht der Spaß ohne neue echte Anreize bald verloren. Mit Rabatten, kostenlosen Gimmicks oder Produkten für Check-Ins an bestimmten Orten versuchen die Anbieter, genau diese Anreize zu schaffen. Doch kooperierende Unternehmen sind noch viel zu rar.

Zudem ist für Rabatte oder Gratis-Getränke ja kein Check-In-Dienst nötig. Längst haben andere ortsbasierte Services mehr Erfolg auf diesem Gebiet. Zahlreiche Websites und Smartphone-Apps bieten solche Dinge an, ohne dass sich der Nutzer irgendwo einchecken muss – Groupon oder Payback, um nur zwei große Mainstream-Angebote zu nennen. Auch um spannende Orte wie Restaurants, Cafés oder Läden in der Nähe zu finden, sind die Datenbanken von Anbietern wie Qype oder Yelp deutlich nützlicher.

Was können Foursquare & Co. aber nun tun, um dem Trend entgegen zu wirken, nicht den Weg der 8-Spur-Kassette zu gehen? In einem Interview mit Web-Tausendsassa Robert Scoble erzählte Foursquare-Gründer Dennis Crowley, dass die Zukunft eine große Rolle für Foursquare spielen soll. Sprich: Nicht der Ort, an dem man sich aufgehalten hat oder aufhält, sondern der Ort, an dem man sich aufhalten wird.

Foursquare soll beispielsweise denen, die in einem Monat eine Reise planen, spannende Orte an ihrem Reiseziel empfehlen. Doch auch für solche Dinge gibt es schon viel Konkurrenz. Andere neue Ideen präsentierte Crowley nicht wirklich, eher Details, die das Grundproblem aber nicht lösen: Der Internet-Mainstream wird weiterhin den Kopf schütteln über die weniger werdenden Leute, die der Welt mitteilen, wo sie sich gerade aufhalten, nur um dafür „Bürgermeister“ zu werden.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich.)

9 Kommentare | 10. Mai 2011 | 10:31 Uhr | Twittern | Facebook

9 Kommentare

  1. Das Thema “Check-In” ist noch lange nicht ausgereizt. Aber ich stimme in sofern zu, als das vor allem in Deutschland, der wirtschaftliche Erfolg noch auf sich warten lassen könnte. Das Problem liegt jedoch nicht im System Geolocation Services, sondern in den alten Strukturen der Werbeagenturen. Zu wenig kreative Ideen werden erfolgreich an den Kunden gebracht.

    “Pay-with-a-Check-In” wäre ein erster Schritt. Der ideale Kunde: McDonalds. Wäre ich McDonalds würde ich jedem meiner Kunden einen Kaffee ausgeben, der via Foursquare eincheckt und den Status veröffentlicht.
    McDonalds, da wo ja nie jemand hingeht. QED für den Preis einer Tasse Kaffee.

    Bjoern Habegger | 10. Mai 2011 | 12:29 | Antworten
  2. Derselbe Messfehler wie einst bei Twitter? Auch Twitter wurde aufgrund stagnierender Nutzerzahlen abgeschrieben. Heutzutage beginnt sich Twitter zu etablieren. Viele Journalisten nutzen das Medium, um schnell an Informationen zu kommen. Unternehmen nutzen das Medium, um ihr Serviceangebot zu erweitern. Digital Natives nutzen das Medium, um kurz und knapp zu kommunizieren. Der Ad-Planner von Google – ein Tool, um Werbetreibenden zu zeigen, welche Seiten viel Traffic anziehen, wie die Zielgruppe aussehen könnte (auch Cookies können lügen!)… vergisst die App-Nutzer. Diese werden nämlich nicht mitgerechnet. Und wer verwendet schon Foursquare oder Gowalle über die Mobile-Seite? Keiner – vermute ich mal. Ich habe mich seit Monaten nicht über die Seite eingecheckt sondern ausschließlich über die App. Wer ein wenig von Fach versteht, der sieht auch die Möglichkeiten, die Foursquare schon jetzt bietet. Und diese sind vielfältiger, als nur “Bürgermeister” zu werden. Diese Möglichleiten zu kommunizieren, sollte allerdings kein Problem für Crowley darstellen…Vielleicht sollte dieser Artikel ein Anlass für mich sein, einen Ausblick zu liefern, wie Foursquare in Zukunft genutzt werden könnte bzw. welche Möglichkeiten heutzutage schon existieren. Aber das mache ich nicht hier als Kommentar, sondern auf meinem eignen Blog ;-)

    Reinhardt | 10. Mai 2011 | 19:59 | Antworten
  3. @Bjoern:

    Ich glaube eher, dass sich die Menschen nicht so schnell entwickeln können/wollen/werden wie die Technik es tut.

    Videotext hat sich nie weiterentwickelt, keine Innovationen, nichts Neues, anderswo schnelleres, bunteres, besseres, dennoch nutzen die Menschen weiter das Alte, Gewohnte, können sich nicht so rapide umstellen wie es neue Angebote gibt.

    Der Mensch kann nicht ständig und überall den neuesten Technologien folgen, selbst wenn diese Sinn machen. Und für für die Anwendung in der Breite braucht es noch mehr Zeit.

    Apropos: würde jeder ausgiebig Twitter, Facebook, Foursquare und Co nutzen wollen, bräuchte der Tag 50 Stunden und niemand hätte mehr Zeit zum arbeiten. Die neuen Dienste werden halt nicht so schnell der Nabel der Welt.

    Sebastian Winkelmann | 10. Mai 2011 | 23:33 | Antworten
  4. Lieber Jens,

    vielleicht ein paar Punkte aus der Sicht der Check-in Dienste:

    1. Ein mobiler Dienst wird natürlich mobil genutzt und nicht auf der Website. Also hat Reinhard in den Kommentaren absolut recht: unsere Nutzer sind App Nutzer und nicht Webnutzer. Daher ist die Aussage über den Ad Planner nicht wirklich nützlich. Wir haben Gowalla schon lange überholt in der Nutzerzahl (App Downloads und aktive Nutzer).
    2. Wir haben die Zahl der aktiven Nutzer um 400% erhöht seit Anfang des Jahres. Die User bekommen Belohnungen durch Kampagnen von Sony Music (Britney Spears), Fleurop, und vielen anderen. Die Zahl der kooperierenden Unternehmen steigt schnell und steil. Die Aussage ist also auch nicht korrekt. Wir fokussieren mit der neuen App mehr auf Belohnungen und werden von den Usern gelobt dafür.
    3. Man darf den Check-in nicht als Selbstzweck sehen, sondern als Konzept. Sprich: in den “outside-of-the-digital-Boheme” Kreisen ist der Check-in noch unbekannt, aber das Konzept den Standort mitzuteilen durchaus nachgefragt. Daher ist der Punkt des “nicht im Mainstream” ankommen ebenso zu hinterfragen. Facebook gab es in Deutschland bereits 2006/07 und dennoch ist es erst die letzten beiden Jahre so richtig im Mainstream in Deutschland angekommen – also Jahre später.

    Wir stehen dir gerne für In-Detail Fragen zur Verfügung.

    Grüße
    Florian
    (Friendticker Mit-Gründer)

    Florian | 11. Mai 2011 | 11:52 | Antworten
  5. Also ich nutze foursquare nun schon eine Weile und es macht mir immer noch großen Spaß!
    Da einige meiner Freunde es auch nutzen, finde ich es spannend zu sehen, wo sie sich gerade rumtreiben.
    Auch facebook-Checkin’s häufen sich in meiner Timeline…und das bei Freunden, die sonst kaum etwas bei fb schreiben!

    Daher denke ich nicht, dass die Location-Based-Services “schon am Ende” sind. Im Gegenteil. Check-In’s mit Belohnung wie einer Tüte Popkorn vom Cinemaxx auf facebook haben denke ich gut funktioniert und gezeigt, dass da noch viel Honig in der Heide ist. Dies ist allerdings auch ein Ansatz den man in Deutschland unbedingt voran treiben sollte.

    Außerdem ist dieses Business mobile getrieben und die Verbreitung von Smart-Phones mit entsprechenden Tarifen steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen.

    Hier wird sich sicherlich noch einiges tun. Eine Totsagung halte ich für verfrüht und übertrieben.

    Jan | 11. Mai 2011 | 14:31 | Antworten
  6. Gerade bei FB Checkins merke ich eine stetige Zunahme. Immer mehr Leute checken ein. Die wissen zwar von Gowalla und Co. nichts aber FB, da sind sie fleißig!
    Ich hab mich für Gowalla entschieden, da ich das auf Twitter in die Timeline schiebe und der Checkin bei FB nativ erfolgt, sprich nicht ein Post wie bei 4sq sondern eben ein nativer FB Checkin.

    Christof | 12. Mai 2011 | 12:58 | Antworten
  7. Hier noch eine sehr schöne Infografik zum Thema “Nutzung von LBS”: http://www.bynd.com/wp-content/uploads/2011/05/social_loco_infographic_vSCREEN.png …die Quellen habe ich jetzt in der schnelle nicht überprüft, aber schön anzusehen ist sie trotzdem!

    Reinhardt | 13. Mai 2011 | 11:37 | Antworten
  8. Ich benutze foursquare auch sehr gerne, allerdings irgendwie nur aus Gewohnheit. Wenn mich jemand ousted (ich habe immerhin 112 Mayorships in Niedersachsen), dann gehe ich gerne ein Mal öfter dort hin. Allerdings wünsche auch ich mir, dass meine Mühe belohnt wird. Immerhin gehe ich dann dort ins Café und kaufe etwas, während ich mein Mayortitel zurückerobere. Blöd nur, dass es nur Geld kostet. Man bekommt ja nix von dem Café, gibt ja keine Specials, weil sie foursquare nicht kennen.

    ptrrrrrck | 25. Mai 2011 | 20:15 | Antworten
  9. Einen Untergang empfinde ich ebenfalls als verfrühte Diagnose. Diese Dienste können enormes Potenzial entfalten, wenn ein klarer (monetärer) Gegenwart erzielt werden kann, wie beispielsweise mit Gutscheinen (Coupies, Groupon, Bonusmagnet etc.).
    Ohne diesen Vorteil wird Spielspaß schnell abflauen.

    Medien papst | 30. Oktober 2011 | 22:06 | Antworten

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