Alles in Chrome, bitte!

Google Manager Sundar Pichai bei der Präsentation des Chromebooks; (Foto: sam_churchill; Quelle: Flickr, CC BY 2.0)
Von Marcel Weiß
Bislang war die auf einem Computer installierte Software ausschlaggebend dafür, was ein Gerät kann oder nicht. Google hat nun eine neue Geräteklasse vorgestellt, bei der die Intelligenz im Netz sitzt und der Rechner selbst nur noch eine Art Anzeigeterminal ist. Chromebook, Chrome OS und Chrome-Browser lautet Googles Neuer Dreiklang. Was ist davon zu halten?
Ein Jahr ist es her, da kündigte der damalige Google-CEO Eric Schmidt Netbooks mit dem Betriebssystem Chrome OS an. Er versprach, die Geräte sollten innerhalb von zwei Sekunden starten und so günstig sein, dass man sie nach einer Zeit sogar wegwerfen könne.
Letzte Woche wurden die Chromebooks nun “als eine neue Art von Computern” vorgestellt. Notebooks, die sich alles was sie an Intelligenz brauchen, aus dem Netz holen. Auf dem Computer selbst ist im wesentlichen nur das Betriebssystem Chrome OS installiert. Auch eine große Festplatte ist nicht mehr erforderlich, denn gespeichert wird ebenfalls im Netz. Die Chromebooks sind optimal auf Googles Webbrowser Chrome abgestimmt. Über ihn erhalten sie Zugang zum Internet und allen weiteren erforderlichen Programmen und Diensten. Das Leben in der “Cloud” kann beginnen.
Unternehmen, die die neuen Geräte nutzen möchten, verspricht Google weitere Vorteile: Sie können die Geräte kaufen oder für 28 Dollar pro Monat pro Nutzer leasen. Bildungseinrichtungen zahlen nur 20 Dollar pro Monat und Nutzer. Am Ende des Lebenszyklus bekommen die Chrome-Mieter die Hardware sogar automatisch und ohne zusätzliche Kosten gegen neue Modelle ausgetauscht.
Die Kosten bleiben so überschaubar bzw. berechenbar. Hardware und Software sind immer auf dem neusten Stand. Die Zeiten, in denen ganze Betriebe mit veraltetem Betriebssystem und verbrauchten Rechnern arbeiten, sind damit vorbei, verspricht Google.
Breitband ist Pflicht
Die Chromebooks setzen auf die Verbreitung von Breitbandanschlüssen. Über einen schnellen Netzzugang soll jeder Anwender das Programm oder den Dienst nutzen können, den er gerade braucht. Angefangen von im Web mietbaren Speicherplatz für die eigenen Daten, über Googles eigene Office-Anwendungen bis hin zu Spezialprogrammen. “Im Web gibt es Millionen von Anwendungen und Milliarden von Nutzern. Etwas Neues auszuprobieren und es mit den Freunden zu teilen, wird so einfach wie das Klicken auf einen Link”, heißt es dazu im Google-Blog.
Googles Strategie zielt darauf ab, dass immer mehr Cloud-Computing-Anbieter wie etwa der Onlinespeicherdienst Box.net, die Programmierschnittstellen des Betriebssystems nutzen, um ihre Angebote auf die neuen Computer anzupassen. Am Ende würde ein neues Ecosystem von attraktiven Webdiensten entstehen, die das Gesamtpaket – dünne Hardware mit dicker Leitung – attraktiv machen.
Ab dem 15. Juni sind die Geräte zu haben. Acer und Samsung liefern als Partner von Google die ersten Modelle zu Preisen ab 349 Dollar. Weitere Chrome-Partner sind Amazon und die Mobilfunkanbieter Telefonica und E-Plus.
Top oder Flop?
Top oder Flop? Was ist von der Idee zu halten. Die Meinungen gehen derzeit noch weit auseinander. Einige sprechen gar von einem möglichen Windows-Killer. Andere Experten sind sich nicht sicher, ob Google ausreichend interessierte Kunden finden wird, die für die Chromebooks mehr bezahlen als für vergleichbare Netbooks und ihre Daten komplett dem Internet überlassen. Beziehungsweise das Risiko eingehen, ohne Internetverbindung ein nutzloses Gerät mit sich herumzutragen.
Doch egal, wie das Chromebook einschlägt. Es ist nur ein Element in einer sich ändernden Computerlandschaft. Asus ging mit dem Eee PC, dem ersten Netbook, vor einigen Jahren als erster Hersteller in diese Richtung. Heute haben sich die Kleinstrechner auf breiter Basis durchgesetzt und bekommen selbst schon Konkurrenz aus einer anderen Richtung: Den Tablets.
Apple hat mit dem iPad ebenfalls ein Gerät eingeführt, dass nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert und auf eine ständige Verbindung zum Internet angewiesen ist. Hier sind es die Apps und nicht der Browser, die die Geräte so attraktiv machen. Das iPad und die sich abzeichnende Welle von weiteren Tablet-Geräten – von BlackBerry über HPs WebOS bis hin zu Android-Geräten (schon wieder Google) – bilden den zweiten Pol der Cloudcomputing-Entwicklung. An deren Ende die Hardware vielfältiger, günstiger aber auch dümmer wird. Denn sie ist nur noch das Terminal für die Cloud.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich.)
13 Kommentare | 16. Mai 2011 | 12:56 Uhr |
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Hust…. alles kommt wieder… und in der heutigen Zeit nur schneller.
Erinnert man sich noch:
Fatclient, ThinClient, NT Terminal, 3270, Host, Citrix, Cloudcomputing.
Ach Leute, wie oft lasst ihr euch eigendlich noch die gleiche Suppe neu verkaufen?
Naja, auch wenn es nicht neu ist, so ist es ein neuer Versuch – und Cloudcomputing ist in der allgemeinen Bevölkerung jetzt nicht so allgegenwärtig und “damals” sicherlich nur in einschlägigen Kreisen wirklich beachtet worden.
Das Konzept ist gut, nur hoffe ich, dass es nicht beim Client bleibt, sondern man auch die Möglichkeit hat die eigenen Programme und Dienste auf dem eigenen Rechner im Netz zu installieren. Sonst wäre man wieder nur auf Google oder den jeweiligen Cloud-Anbieter angewiesen. Das wäre schade.
Der Unterschied zwischen gestern und heute liegt in der weitaus besseren Internetabeckung. Das Konzept mag vorher schon mal probiert worden sein, ist heute aber vielversprechender.
Google kooperiert mit Citrix für die Rückwärtskompatibilität von Businessanwendungen.
Ich kann dieses Gerede von den Thin Clients in der hundertsten Neuvorstellung auch nicht mehr hören. Die Geschichte hat gezeigt, dass es nie ausgereicht hat. Die Rechner werden immer leistungsfähiger. Die Smartphones und Netbooks werden immer leistungsfähiger. Für moderne Webdienste braucht man hardwarebeschleunigte Browser und hochgerüstete Javascript-Engines.
Bestes Beispiel des Scheiterns von Web-Applikationen ist das iPhone: Erinnert sich jemand, das erste iPhone konnte nur Web-Applikationen ausführen. Es gab keine Apps. Steve Jobs behauptete, niemand brauche native Apps. Bis die ersten Hacker native Apps erstellt haben, die alle haben wollten. Heute redet niemand mehr von Web-Applikationen auf dem iPhone. Alles muss native App sein und sich optimal in die GUI integrieren.
Und jetzt schon wieder die Leier vom Chrome-Netbook! Das wird allenfalls ein Nischenprodukt.
Ich glaube eher, dass native Apps und Webapps immer parallel existieren werden. Es gibt immer Aufgaben, die nativ und manche die besser als Webapp erledigt werden. Besonders im Businessbereich, wo die Rechner so oder so zentral verwaltet werden, ist eine Konzentrierung auf Webapps und “thin clients” sinnvoll.
Ich sehe das ähnlich. Ich halte nichts vom neuen ChromeOS. Wann könnte man das brauchen?
-An einem festen Arbeitsplatz ist es einfach nur lästig ständig alle(!) Daten aus dem Internet laden zu müssen. An die Performance eines heute handelsüblichen Computers können die Dinger doch schon aufgrund ihres Konzeptes nie herankommen.
-An einem mobilen Arbeitsplatz benötigt man immer ne fette (WLAN-)Leitung. Und mal ehrlich, wann hat man das denn schon? Wenn überhaupt doch meist nur an festen Arbeitspunkten. Ja, und da kann man ja auch nen (normalen) Laptop oder gar nen Desktop-PC nehmen
-Die Verbindung mit dem Internet muss ordentlich verschlüsselt werden, ansonsten ist das ganze Konzept eh fürn Allerwertesten
-Mit ner mobilen Festplatte und ner virtuellen Maschine hab ich ebenfalls alle meine Daten und meine Arbeitsumgebung bei Bedarf immer bei mir. Was bringt mir da das Ablegen der Daten bei dubiosen Anbietern im Internet? “Schnell” mal eben 5 oder 10GB aus dem Netz laden, ist doch auch utopisch. Da ist ne USB 3.0-externe Festplatte erheblich flotter.
Ich halte das Ding für eine typische Google-Totgeburt.
Von wegen Google Totgeburt! Ich bin zwar nicht wirklich begeistert über Googles Versuch der Alleinherrschaft im Netz, aber was zählt ist das was der Internet-Normal-User will. Nicht was der Kenner und Könner will, davon gibts nicht ganz so viele. Gebracht wird das was der Markt verlangt, das ist nicht mehr die ultrakrasse Hardwarebeschleunigung eines 2000€ Laptops. Es sind die kleinen Dinge die der Normaluser möchte!
Hier ein paar Documente, dort 30 Fotos, drüben 2 Videos, ein paar Kalendereinträge, regelmäßige Erinnerungen an Geburtstage Socialnetworking, Shopping. Und so sammelt sich nach einiger Zeit einiges in der Cloud und ist immer erreichbar.
Ich kenne kaum noch jemand der sich die Terabytefestplatten auf den Schreibtisch stell um 120 Filme und 30.000 Mp3′s zu lagern in Zeiten des “Streamings”.
Streckenweise sind wir schon jetzt tiefer in der Cloud als wir glauben. Ich habe ein Androidhandy und brauche mir nicht wirklich Sorgen machen ob es geklaut oder geschrottet wird! Google hat alles in meinem Benutzerkonto hinterlegt! Was ist nu mit dem Datenschutz? Alle meine Kontakte waren lange mit ausführlichen Profilen bei Facebook bevor ich mir ein Androidhandy kaufte. Jeder gibt doch eh vieles von sich Preis!
Wenn ich mir den Verlauf der letzten Zeit anschaue ist für die Menschen nur wichtig was ihr Endgerät kann und leistet also wie Intelligent es ist! Und die Intelligenz eines Gerätes wird nur durch seine Software bestimmt, nicht durch Gigaherzprozessoren und Arbeitsspeicher!
Grobe Schnitzer im Datenschutz, also Kundendaten werden geklaut oder ähnliches, würden die Sache nur verzögern.
Die Cloud kommt! Da bin ich mir Sicher!
P.s.: Ob ich alles hochladen würde? Nein! Sensibles bleibt schön daheim!
Ich kann mich für die Sache durchaus begeistern. Zwei aspekte sind für mich hier maßgebend:
1. Der Preis (welcher noch zu hoch ist) für einen PC dürfte billiger werden. Ausreichende Konkurenzprodukte werden den Preis drücken.
Es ist immerhin mein eigener Geldbeutel der geschont wird.
2. Energieverbrauch. Ein Low-end PC verbraucht weniger Energie. Ein Abgespeckter Low-end PC der außerdem in 8 Sec Bootet… das spart wirklich Energie.
Offensichtlich ist, das Google nicht einfach mal ein neues Linux-derivat entwickeln wollte. Ein neues Produkt war das Ziel. Das wurde erreicht.
Kinderkrankheiten hat Windows ja auch – gehabt und immernoch. Ich erinnere nur an genervte Blicke auf den Bluescreen-Absturz. Was haben wir geflucht! Heute ist normal das ein PC überhaupt nicht mehr abstürzt.
Daher bin ich gespannt ob es irgendwann mal normal wird, dass ein PC in 8 sec. bootet und unsere Daten in einer Cloud liegen… die übrigens nicht unsicher ist als unser eigener PC auch!
PS: und von wegen Google-Totgeburt: MAPS, Search, Android und viele Andere Produkte kann man bei weitem nicht grade als Totgeburt bezeichnen!!!
GreetsDAN
Hat sich jemand auch mal Gedanken darüber gemacht, was mit all den persönlichen Daten passiert und geschieht, die man einfach so ins Internet auslagert?
Das mag (bis jetzt) noch kostenfrei sein, aber irgentwann sicherlich nicht mehr und Google fordert irgentwann einmal Geld für das Zugreifen auf die eigenen Daten im “Cloud”.
Und dann noch der Datenschutz. Alle reden und jammern über besseren Datenschutz, aber im Internet gibt jeder Depp alles und jedes preis und verschwendet da keinen Gedanken, was mit den Daten geschieht.
Ich lagere mir wichtigere Dateien entweder auf USB-Stick, externe Festplatte oder auf CDs/DVDs – das ist meine ganz persönliche “Cloud” und nur ICH habe darauf Zugang.
Ich verstehe das nicht – einerseits sagen alle, dass das Internet hart an seiner Kapazitaet angekommen ist und es wird schon spekuliert, kostenpflichtige “Ueberholspuren” einzurichten.
Andererseits soll jetzt jeder Pups statt auf meiner Festplatte irgendwo im Netz gespeichert werden.
Das passt doch nicht – oder verstehe ich das alles falsch ? Was ist der sittliche Naehrwert davon, ein Textdokument anstatt auf meiner Platte im Netz zu speichern ?
Von groesseren Datenmengen mal ganz zu schweigen. Und immer abhaengig vom Netz – faellt das aus, kein Datenzugriff. Mir erschliesst sich der Sinn nicht.
Wenn ich ein Loch in ein Metallteil bohren will, spanne ich das ganze ja auch zuhause in meinen Bohrstaender, anstatt Bohrer und Werkstueck mit der Post an eine externe Werkstatt zu schicken …
“Ich verstehe das nicht – einerseits sagen alle, dass das Internet hart an seiner Kapazitaet angekommen ist und es wird schon spekuliert, kostenpflichtige “Ueberholspuren” einzurichten.”
Das sagen nicht alle sondern vor allem die, die gern mit Premiuminternetzugängen Premiumprofite einstreichen möchten.
Ich finde diese Diskussionen schon irgendwie seltsam! Auf der einen Seite wird immer von der Datenkrake Google und der Sammelwut bei Facebook geredet, auf der anderen Seite wird das Ganze durch Cloud-Computing gefördert. Irgendwie widerspricht sich das doch!
Ehrlich gesagt würde ich mir solch eine Kiste nie zulegen. Sollte ich mir irgendwann mal wieder einen Mobilen Computer zulegen, so kann man den auch zurecht so nennen. Er wird auf jeden Fall ein richtiger Computer sein.
Meine Daten gehören mir, also bleiben sie auch bei mir.
Wenn die Geraete immer Duemmer werden, und die Software immer mehr ins Netz gespeichert ist dann wird die Ladezeit sowieso viel geringer werden. Dafuer braucht man kein Chrome OS. Linux mit einem Browser wird auch reichen.