“Wikipedia muss Weltkulturerbe werden!”
Verzweiflungstat, PR-Aktion oder beides zusammen? Mit einem neuen Projekt will der Verein Wikimedia Deutschland auf sich aufmerksam machen und eine öffentliche Diskussion über die Wikipedia provozieren, denn dort steht nicht alles zum Besten: Der Umgangston wird rauer.
Außerdem beteiligen sich immer weniger Autoren an der Arbeit der gemeinsamen Onlinelexikon-Redaktion. Die Wikipedia-Aktivisten fordern deshalb: “Wikipedia muss Weltkulturerbe werden!”

Wikimedia-Projektleiter Sebastian Sooth (li) und -Pressesprecherin Catrin Schoneville präsentierten auf der re:publica die Welterbe-Kampagne. Quelle: re:publica CC-BY
Mit über 18 Millionen Artikeln in mehr als 200 Sprachen ist die Wikipedia die größte Enzyklopädie aller Zeiten. “Wir wollen diskutieren und zeigen, was es bedeutet, dass weltweit zehntausende von Freiwilligen das Wissen der Menschheit sammeln und frei zur Verfügung stellen und wie dies die Gesellschaft, die Bildung, das Denken von Menschen verändert”, heißt es auf der Kampagnenseite bei Wikimedia.
Die Liste des Weltkulturerbes ist ein Verzeichnis der größten Errungenschaften der Menschheit: Die Pyramiden von Gizeh werden darin ebenso aufgelistet wie die Lagune von Venedig oder der Kölner Dom. Auch kulturelle Errungenschaften wie der Flamenco, die französische Küche oder die Falkenjagd werden von der Weltkulturorganisation der Vereinten Nationen als besonders schützenswert anerkannt. Doch eine entwicklungsgeschichtliche Großtat der Menschheit hat hier noch keine Spuren hinterlassen: das Internet.
Öffentlichkeitskampagne zum Geburtstag
Das soll sich nun ändern. “Wikipedia muss das erste digitale und weltweite Weltkulturerbe werden”, sagt Sebastian Sooth gegenüber Hyperland. Der Projektmanager beim Verein Wikimedia Deutschland erklärt: “Wir haben das einzige Weltkulturerbe, an dem jeder mitarbeiten kann”. Mit der Kulturerbe-Kampagne will der deutsche Verein die Unesco überzeugen, Wikipedia quasi einen amtlichen “Kulturell wertvoll”-Stempel zu verpassen.
Mit dem ambitionierten Projekt will der deutsche Verein zugleich den zehnjährigen Geburtstag der Online-Enzyklopädie feiern. In der vergleichsweise kurzen Zeit ist Wikipedia vom kleinen Außenseiter-Projekt zu einer der am meisten aufgesuchten Seiten im Internet überhaupt geworden. Für mehr als 400 Millionen Nutzer ist das Angebot Wissensquelle – aber auch häufig Steinbruch für eigene Werke. Und viele Schüler erfahren mittlerweile nicht mehr aus dem Schulbuch, sondern aus der Wikipedia, was es mit den Pyramiden von Gizeh auf sich hat.
Keine Angst vor dem Waldschlösschen-Effekt
Allerdings könnte es zu Konflikten kommen, sollte Wikipedia tatsächlich Weltkulturerbe werden. Denn die Unesco-Kulturwächter achten darauf, dass ein Weltkulturerbe auch schützenswert bleibt und ahnden Regelverstöße mit einer Art Platzverweis. Die freie Online-Enzyklopädie definiert sich selbst aber als überstaatlich und ist gegen jede Form behördlicher Einmischung. Außerdem ist sie ein unfertiges Werk, das heißt: Ständig kommen neue Artikel hinzu, einige verschwinden, andere werden bearbeitet.
Dass es deshalb wie bei der Dresdner Waldschlösschenbrücke zum Streit kommen könnte, glaubt Sooth aber nicht: “Es wird nicht so sein, dass die Änderung eines Artikels zur Aberkennung des Welterbe-Status führt.” Neben der Enzyklopädie an sich, will Wikimedia auch die Prinzipien hinter der Wissensplattform garantieren lassen: der freie Zugang zum gesammelten Wissen, die Werbefreiheit, die gemeinsame Arbeit an den Artikeln.
Kompliziertes Aufnahmeverfahren
Die Wikipedia-Aktivisten können allerdings selbst dort nachlesen, dass ihre Chancen, Wikipedia im Jubiläumsjahr tatsächlich auf die Welterbe-Liste zu befördern, äußerst gering sind. Die Unesco-Richtlinien sehen einen komplexen Prozess vor, bei dem die Kandidaten erst von einem Mitgliedsstaat aufgenommen werden müssen, bevor sie von der Weltkulturorganisation überhaupt geprüft werden. “Diesen formellen Weg wollen wir auch gehen”, sagt Sooth im Gespräch mit Hyperland. Doch gleichzeitig will der Verein eine Öffentlichkeitskampagne starten, um möglichst viele Mitstreiter für das Ziel zu begeistern. So will der Verein in den nächsten Wochen eine Internet-Petition starten, im Laufe des Jahres sollen weitere Aktionen folgen.
Till Kreutzer, Mitglied der Deutschen Unesco-Kommission findet die Idee gut und möchte das Anliegen unterstützen: “Die Frage ist jedoch, ob man den Sprung vom materiellen zum virtuellen Kulturgut hinbekommt.” Ob der Antrag realistische Chancen hat, kann Kreutzer jedoch nicht beurteilen: “Die Unesco ist ein sehr komplexes Gebilde.” So sehen die Unseco-Richtlinien auch vor, dass die zu schützenden Kulturgüter bedroht sein müssen.
Bedrohung von innen
Bedroht ist Wikipedia derzeit allenfalls von innen: So hat eine aktuelle Studie festgestellt, dass das Projekt weiterhin sehr viele Leser, aber immer weniger Autoren anzieht. Zwar bleibt die Gesamtzahl der aktiven Autoren relativ stabil, doch wird es für Neulinge immer schwerer, sich an dem Projekt zu beteiligen und viele Neulinge geben nach kurzer Zeit ihre Mitarbeit auf. Ein Grund ist der raue Umgangston unter den Wikipedia-Autoren.
Ob eine Würdigung durch den Status Kulturerbe an diesen Problemen etwas ändern wird, ist nicht zu erwarten. Obwohl sich auf einer Konferenz im März in Berlin viele internationale Wikipedia-Aktivisten von der Idee angetan zeigten, reagiert die Wikipedia-Community zurückhaltend bis skeptisch. In einem ersten Meinungsbild auf einer Diskussionsseite haben sich nur 33 Wikipedia-Nutzer für die Idee ausgesprochen – 28 sind jedoch dagegen. Ein Nutzer hält die Zeit schlichtweg noch nicht für reif: “Bitte diesen Vorschlag möglichst schnell archivieren und frühestens in 50 Jahren wieder rauskramen!”
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internet-Seiten nicht verantwortlich.)
13 Kommentare | 16. April 2011 | 14:22 Uhr |
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liebe zdfler, warum kommt man von hier nicht mehr zur heutede zurück? oder ist der link versteckt?
Wir haben vor wenigen Minuten das Blog-System getauscht und sind jetzt auf WordPress umgestiegen. Bitte um Geduld, wenn noch nicht alles sofort funktioniert.
Viele Grüße,
Holger Meier, ZDFonline
“Außerdem beteiligen sich immer weniger Autoren an der Arbeit der gemeinsamen Onlinelexikon-Redaktion.”
Könnte das vielleicht eine Folge der absurden “Relevanzkriterien” sein, die zumindest in der deutschen Wikipedia gelten? Wenn ein Autor ein- oder zweimal seine Zeit investiert hat, um einen Artikel zu schreiben, und der dann – z. T. auch noch garniert mit saloppen Kommentaren der “Admins” – als “irrelevant” gelöscht wird, dann wird er in Zukunft in den meisten Fällen von der Erstellung weiterer Artikel absehen.
Während bei einem Printlexikon aus Usability-Gründen enge Relevanzkriterien gelten müssen, ist es doch gerade eine Stärke Wiki-basierter Enzyklopädien, auch randständige Themen aufnehmen zu können, ohne die Anwendbarkeit zu gefährden.
Wikipedia als Weltkulturerbe? Vielleicht. Aber vor Allem müssen die Relevanzkriterien liberalisiert oder besser weitestgehend abgeschafft werden.
Dem Kommentar zu den Relevanzkriterien kann ich nur zustimmen. Mein Beitrag zu Folgeschwangerschaften (Risiken, Verlauf, psychologische Aspekte) nach dem Verlust eines Kindes wurde als irrelevant eingestuft. Die Admins, die darüber diskutierten, stecken sicher alle nicht in der Haut von jährlich (!) 30.000 Eltern, die diesen Verlust erleben müssen und über jede Information dankbar sind.
wikipedia- kulturerbe ??? was soll das,- diese anonymen typen klauen sich des nachts fragwürdige informationen über (in meinem fall) öffentliche personen zusammen und stellen sie in das internet. hätten sie einen eintrag gefunden, wo ich laut text mitglied beim KKK wäre, stünde das jetzt wohl auch noch drin, oder was? der jargon’ der so genannten diskussionsrunde von administratoren und anderen usern erinnerte mich streckenweise als befände ich mich in einer männer umkleidekabine. es war nicht eine einzige frau dabei.
wenn dieser haufen kulturerbe wird, werde ich president ! ingo york /ulla meinecke band
ui, York alias Ingo Griese, der Aushilfsbassist von Pankow und Rockhaus und jetzt in der 1 Mann Band von Ulla ohne Auftritte… ist er paranoid oder neidisch auf den Erfolg der anderen ? Musikalisch ne Niete will er jetzt Präsident werden..lool.
Ich denke nicht Wikipedia direkt ist schuld an den engstirnigen Relevanzkriterien, es sind die Admins die sich immer wieder in Vetternwirtschaft gegenseitig neu wählen, die Blocken das Lexikon. Ihre Artikel, die auch nicht relevant sind, bringen sie ja durch nur die der anderen blocken sie und unterstützen sich gegenseitig bei den Diskussionen zum Löschantrag. Massig neue Artikelschreiber werden da vor den Kopf gestoßen und nach 3 oder 4 Versuchen geben sie auf und schreiben keine neuen Artikel mehr, so wächst Wikipedia nur in die Richtung die den Admins genehm ist. Schade drum. Weltkulturerbe ja aber erst nach einer Umstrukturierung und keine Stimmberechtigung von Admins für Admins bei der Neuwahl.
wikipedia, fuck off
mister jäpel, text-stil und wortwahl kommen mir bekannt vor.
sie sind zum beispiel e i n e r derjenigen die wikipedia diesen schlechten ruf geben.
die manieren & methoden wie anonym seitens einiger wikipedia-autoren u administratoren mit mir verfahren wurde, erinnerte mich sehr an stasi-methoden.
spenden für WP? von mir keinen einzigen cent!
@ Ingo
Der Ärger ist durchaus nachvollziehbar, es ändert aber nichts, wenn dieser bei einem zdf.blog hochkommt.
Man kann sich durchaus bei Wikipedia beschweren, auch über Administratoren.
Hier mal die entsprechende Seiten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Administratoren/Probleme
Liste der aktuellen Administratoren:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Liste_der_Administratoren
Liste der Super-Administratoren für Deutschland, die bei Wikipedia Bürokraten heißen und über den Administratoren stehen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:B%C3%BCrokraten
hallo stefan. bedanke mich !
o.g. Beitrag (Maxi) stammt nicht von mir. Ich verbitte mir die Unterstellung von York. Dieser Mensch verliert anscheinend den Kontakt zur Realität und wirft mit falschen und erlogenen Aussagen um sich. Bei Wikipedia beteiligt er sich mit laufenden Vandalismus, löscht texte und verunstaltet Artikel, meldet sich immer wieder mit neuen Namen an oder tätigt unter verschiedenen IP Nummern seinen Vandalismus und.Mit dem was er bei Wikipedia einbringt und seiner Aussage hier, widerspricht er sich ja auch schon wieder einmal. Alle Einträge in dem Artikel über ihn stammen aus diversen Presseartikeln und trotz mehrmaligen Bitten die angeblichen fragwürdigen und falschen Angaben mit seiner Hilfe zu korrigieren reagiert er nur mit Beleidigungen und Unterstellungen.
Auch ich hatte vor einem Jahr sehr schlechte Erfahrungen mit der Wikipedia.de gemacht. Vetternwirtschaft ist dort wirklich die Tagesordung. Ich kann ihre Empörung gut verstehen.
Ich bezweifle sowieso daß Wikipedia hinsichtlich lebender Personen noch eine lange Lebensdauer hat. Sie können gerne erklären woher der Begriff Stuhl oder Flügelmutter kommt, aber so wie Wikipedia mit lebenden Personen in der Öffentlichkeit umgeht, geht in keinster Weise und wird von den betroffenen Personen nicht mehr länger tolleriert.
Ich selbst bin professionelle Fotografin und habe mit Wikipedia schon einige negative Erfahrungen gemacht. Auf Anfragen meinerseits wurde ich anmaßend und übergriffig in einem Oberlehrerhaften Ton belehrt, daß mein Einwand “irrelevant” sei. Auch mir ist die Verfahrensweise Wikipedias betreff Ingo York’s zu Ohren gekommen. Herr York hat meine vollste Sympathie!