Nutzer-Tracking: Auch Android speichert Bewegungsdaten

Auch Android-Handys schicken Standort-Daten ans "Mutterhaus".

von Daniel Bröckerhoff

Die Sammlung von Bewegungsprofilen auf mobilen Geräten mit der iOS-Software aus dem Hause Apple schlägt gerade hohe Wellen: Datenschützer und Politiker sind entrüstet und fordern umgehend Aufklärung und Unterlassung. Nun wurde bekannt: Auch die Konkurrenz-Produkte mit Android-Betriebssystem interessieren sich für die Standortdaten ihrer Nutzer. Theoretisch könnten damit Bewegungsprofile in Echtzeit aufgezeichnet werden. Google widerspricht.

Überraschung? Nicht wirklich. Nachdem vorgestern bekannt wurde, dass iPhone und iPad die Bewegungsdaten der vergangenen Monaten in einer nicht-verschlüsselten Datei lokal speichern, berichtete gestern das „Wall Street Journal“: Auch Smartphones mit Googles Android-Betriebssystem merken sich, wo sie mit ihrem Besitzer gewesen sind und schicken diese Informationen an ihr Mutterunternehmen.

Wirklich verwunderlich ist das nicht, lebt Google doch von der Datensammelei – auch mit Hilfe von (Android-)Handys. Wer zum Beispiel Google Maps auf seinem Handy benutzt und der Applikation erlaubt, das eingebaute GPS zu verwenden, gibt seine Einwilligung dazu, alle anfallende Daten an Googles Server zu übermitteln.

Aufgedeckt wurde die Datensammlung von Sicherheitsanalytiker Samy Kamkar. Dieser will mittels eines Android-Smartphones der Marke HTC herausgefunden haben, dass das Gerät alle paar Sekunden seinen Standort abfragte und diesen mehrmals stündlich an Google sendete. Neben diesen Daten übertrage das Gerät außerdem die Namen, Standorte und Signalstärken von allen drahtlosen Netzwerken in der Nähe, so Kamkar.

Doch damit nicht genug:  Das Handy sendete laut Kamkar zusammen mit den anderen Daten seine ID an Google. Diese eindeutige Zeichenfolge bekommen Android-Handys beim ersten Einrichten des Geräts zugeteilt, sie kann nur bei einem Zurücksetzen auf Werkseinstellungen gelöscht und neu eingerichtet werden.

Zwar umfasst die Google-Location-Datei sehr viel weniger Bewegungsdaten als die Datei, die auf iPhones gefunden wurde und ist auch nicht so leicht zugänglich wie diese. Denn um an die Datei zu kommen muss das Android-Telefon erst „gerootet“ werden – ein Prozess ähnlich dem Jailbreak bei iPhones, wodurch auch versteckte Systemdateien zugänglich und manipulierbar werden. Ein Missbrauch durch Dritte, die sich Zugang zu der lokal gespeicherten Datei verschaffen ist so relativ unwahrscheinlich.

Bewegungsmuster in Echtzeit

Doch die Gesamtmenge der Bewegungsdaten ist trotzdem auf Google-Servern abgelegt und es ist nicht ausgeschlossen, dass der Konzern sie an Google-Partner oder Strafermittlungsbehörden weitergibt.
Zusammen mit einem Google-Konto, das zur sinnvollen Nutzung eines Android-Geräts zwingend notwendig ist, wäre es so zumindest theoretisch möglich, personenbezogene Bewegungsmuster in Quasi-Echtzeit zu erstellen.

Der Konzern hat solchen Befürchtungen mittlerweile widersprochen. In einem Statement erklärte Google, die Android ID wäre nicht personenbezogen und weder an ein Google-Konto noch an die Geräte-ID (IMEI) oder andere Informationen gebunden.

Weiter erklärte Google, die Daten würden nur erhoben, wenn der Nutzer seine ausdrückliche Einwilligung dazu geben habe. Dies geschieht in der Regel bei Einrichtung des Geräts oder wenn die Standortbestimmung am Gerät eingeschaltet würde.

Bekanntes Datenschutz-Problem

Ganz neu ist die Gesamtproblematik indes nicht. Bereits vor einem Jahr hat Apple gegenüber zwei US-Kongressabgeordneten zu seiner Geodaten-Sammlung Stellung bezogen. Damals änderte der Konzern die iTunes-AGB und räumte sich weitgehende Rechte bei der Nutzung von locationbasierten Daten ein.

Bislang war jedoch nicht öffentlich bekannt, welche Daten genau erhoben werden und dass diese ungeschützt auf allen Rechnern gespeichert werden, mit denen iOS-Geräte synchronisiert werden.

Google musste Ende letzten Jahres öffentlich Schelte einstecken als bekannt wurde, dass die StreetView-Autos nicht nur Straßenzüge abfotografierten, sondern auch WLAN-Netze kartografierten und dabei den Datenverkehr in Auszügen mitschnitten – „versehentlich“, wie Google beteuerte. Das WLAN-Karten-Projekt wurde darauf eingestellt.

Ein empfindliches Opfer für das Unternehmen, bilden die Daten doch beispielsweise eine wichtige Grundlage, um den Standort eines mobilen Gerätes genauer zu bestimmen, wenn das GPS-Netz nicht oder nur schwer erreichbar ist.

Die Standort-Bestimmung ohne GPS könnte auch ein Grund sein, warum sowohl Google als auch Apple die Location-Daten sammeln. Andere Stimmen vermuten, dass die Daten in Zukunft für ortsbezogene Werbung benutzt werden könnten.

Wer sich aus Apples iAd-Dienst austragen lassen möchte, ruft dazu diesen Link: (http://oo.apple.com) auf einem iOS-Gerät auf . Für jailbroken iPhones gibt es außerdem die App „untrackerd“ im Cydia-Store, die die Bewegungsdaten-Datei regelmäßig löschen soll.

Android-Nutzer erhalten hier Anweisungen, wie sie sich aus dem Google-Dienst „MyLocation“ austragen lassen können. Dann, so verspricht Google, würden keine Informationen über den Standort mehr an die Server gesendet.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich.)

Daniel Bröckerhoff

Daniel Bröckerhoff - Freier Journalist, TV-Reporter, Autor und Regisseur für Fernsehen und Online.

2 Kommentare | 23. April 2011 | 18:22 Uhr | Twittern | Facebook

2 Kommentare

  1. Könnte, möglicherweise, vorstellbar…ich kann diese journalistischen Konjunktive, die vor Abmahnungen schützen nicht mehr hören und wünsche mir darüberhinaus eine Entpönalisierung des Boykottaufrufes. Fält denn niemandem auf das diese kranken Konstrukte nur korrupten Unternehmen, schreibfaulen Doktoranden, sprich den Giftmischern der Menschheit dienen?

    Ich warte auf den Tag an dem endlich Tacheles geredet wird. Natürlich sammeln Apple, Google und Co. die Daten um damit Geld zu verdienen. Marketing basiert heute auf IT, eben auf der Kombination von individueller Präferenz und Bewegungsdaten (Local Marketing). Das spart Arbeit. Unternehmens-Strategie und Werbung brauchen bald keine intuitiven, kreativen Köpfe mehr, sondern nur noch Daten-Prostituierte.

    bert bricht | 27. April 2011 | 15:51
  2. Sorry für Kommata und ausgelassene Buchstaben. Die Wut.

    bert bricht | 27. April 2011 | 15:52