Locationgate: Apple wiegelt ab und gesteht
Von Daniel Bröckerhoff
“Dein iPhone weiß, wo Du letzten Sommer gewesen bist. Und Steve Jobs vielleicht auch!” Diese Erkenntnis erschreckte vergangene Woche auch hart gesottene Apple-Fanboys. Datenschutz-Apokalyptiker und Post-Privacy-Anhänger hatten das Ende der Privatsphäre schon länger eingeläutet. Doch sein persönliches Bewegungsprofil mit Hilfe des iPhone-Trackers in animierter Form sehen zu können, war für viele dann doch sehr viel realer als abstrakte Big-Brother-Szenarien in Heise-Foren.
Mit Verzögerung reagiert Apple nun auf die Vorwürfe, unberechtigt die Bewegungsdaten der iPhone- und iPad-Nutzer aufzuzeichnen. Das Ganze sei ein Missverständnis. Apple verfolge niemanden, es gehe dem Unternehmen nur um einen besseren Service. Dennoch seien Fehler passiert.
Das Unternehmen werde in den kommenden Wochen eine Aktualisierung des Handy-Betriebssystems herausbringen, das weniger Daten von WLan-Knoten und Funkzellen speichere, teilte das Apple am Mittwoch mit. Der für seine restriktive Kommunikationspraxis bekannte Konzern räumte angesichts drohender Sammelklagen in den USA ein, dass seine Mobiltelefone sehr wohl Daten über den Standort erfassen und auch unverschlüsselt auf das zugehörige Computersystem iTunes übertragen.
Apple möchte die Wogen glätten
Bei Apple übte man sich bis gestern in der großen Kunst des Aussitzens. Lediglich eine einsilbige Mail, angeblich von Steve Jobs selber verfasst, kursierte im Netz. In der wurde das Tracking-Drama heruntergespielt: Apple würde niemanden verfolgen, die Informationen seien falsch.
Heute dann endlich eine ausführliche Antwort, nicht in Form einer Pressemitteilung, sondern als Fragebogen. In diesem versuchte der Konzern, die Wogen zu glätten, gab aber auch schwerwiegende Fehler zu.
Zunächst die beruhigende Pille: „Apple verfolgt nicht den Aufenthaltsort Ihres iPhones. Apple hat das nie getan und es gibt keine Pläne, dies jemals zu tun.“
Die Aufregung, so die Antwort auf die Frage, warum alle so besorgt seien, sei vor allem deshalb entstanden, weil es sich bei dem Phänomen um einen komplexeren technischen Sachverhalt handele. Dieser sei nur sehr schwierig in einem kurzen Statement zu erklären.
Apple und andere Firmen hätten es in der Vergangenheit versäumt, die Nutzer über das Thema genügend aufzuklären. Die seien deshalb „verwirrt“. Eine versteckte Selbstanklage aus Cupertino, jedoch ohne ein Wort der Reue oder Entschuldigung.
Die Frage, warum iPhones dann trotzdem Bewegungsdaten aufzuzeichnen scheinen, beantwortet Apple wie folgt: Die Smartphones würden nicht Bewegungsdaten aufzeichnen, sondern eine Datenbank von WLan-Netzen und Mobilfunkmasten unterhalten, die sich in unmittelbarer Nähe des jeweiligen Aufenthaltortes befänden.
Apple: Standortdaten für besseren Service
Was viele Mobilfunkexperten von vornherein vermuteten, bestätigt Apple dann auch: Die Daten dienen dazu, den Standort des Geräts so schnell und akkurat wie möglich zu ermitteln. „Wenn man dafür nur GPS-Daten nimmt, kann dies einige Minuten dauern“, schreibt Apple.
Um die Wartezeit zu verkürzen, nehme ein iPhone daher die in der Datenbank abgelegten WLan- und Mobilfunkmast-Daten zu Hilfe. So könne das Telefon zum einen schneller herausfinden, welcher Satellit der passende zum Anpeilen ist und zum anderen den ungefähren Standort schon einmal im Voraus ermitteln, während die Verbindung zum Satelliten noch aufgebaut wird.
Einige dieser WLan-Netze oder Mobilfunkmasten könnten „mehr als hundert Meilen entfernt von ihrem iPhone entfernt“ liegen, was erklärt, warum manche Aufenthaltsorte in der Datei keinen Sinn ergeben. User hatten sich beschwert, dass dort Orte enthalten seien, an denen sie zur fraglichen Zeit nie gewesen wären.
Die nötigen WLan- und Mobilfunkmastdaten erhalten die Geräte laut Apple aus einer zentralen Datenbank, die auf Apples Servern liegt. In dieser seien haufenweise WLan-Spots und Mobilfunkmasten mit genauem Standort abgelegt, eingesammelt von Millionen von iPhones.
Doch werden diese Funknetz-Daten scheinbar nicht in der aufgefundenen iPhone-Datei abgelegt, sondern verschlüsselt und anonymisiert an Apple geschickt. Die so von vielen iPhones gesammelten Daten werden dann vermutlich abgeglichen und in einer zentralen Datenbank zusammengeführt. Ausschnitte aus diesen Daten werden dann wieder an die Geräte zurück übertragen, um eine schnellere Orientierung zu ermöglichen.
Alle iPhones sammeln Daten
Damit gibt Apple zu, was in der Branche ein offenes Geheimnis ist: Alle iPhones sammeln solche Daten und schicken sie an das Mutterschiff. Jedoch geschieht dies laut Apple verschlüsselt und anonymisiert, so dass Apple keinerlei Rückschlüsse darüber ziehen könne, wer wann wo mit welchem iPhones gewesen sei.
In der iPhone-Datei sei hingegen nur ein Bruchteil der Ursprungsdatenbank abgelegt. Dass sie jedoch in manchen Fällen trotzdem Daten eines gesamten Jahres enthält, ist laut Apple ein Bug, der mit einem zukünftigen Update behoben werden soll. „Wir glauben nicht, dass ein iPhone länger als sieben Tage lang diese Daten speichern muss“, ist in dem Fragebogen zu lesen. Auch dass iPhones die Datei weiter aktualisieren, obwohl alle Ortungsdienste ausgeschaltet sind, sei ein Fehler, der in Kürze gefixt werde.
Neben den Eingeständnissen macht Apple zum Schluss dann noch eine interessante Enthüllung: Die Firma sammelt nach eigenen Angaben Verkehrsdaten, um eine nutzergenerierte Datenbank aufzubauen. Diese soll zukünftig helfen, Apple-Kunden einen verbesserten Verkehrsservice anzubieten. Eine Technologie, an der Konkurrent Google schon eine ganze Weile arbeitet.
mit Material von Reuters
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internet-Seiten nicht verantwortlich.)
Kommentieren | 27. April 2011 | 20:15 Uhr |
|

Letzte Kommentare