Wie hat man sich die Arbeit eines Regisseurs vorzustellen?
Um diese Frage für Sie zu beantworten, haben wir unserem Chefregisseur Daniel Anderson bei den Vorbereitungen für Dreharbeiten über die Schulter geschaut.

Regie führen bedeutet auch viel konzentrierte Arbeit am Schreibtisch. Chefregisseur Daniel Anderson kennt die Faustregel: Es benötigt mindestens genau soviel Zeit für die Vorbereitung, wie man für den eigentlichen Dreh und den Schnitt einplanen muss. Für eine Wochen Innendreh bereitet sich der Chefregisseur zwei Wochen vor, für eine Woche Außendreh genügt eine Woche. (Foto: ZDF/Andrea Lauterbach)
Bereits zwei Wochen bevor eine Szene in den Studiokulissen gedreht wird, wälzen die Regisseure nochmals eingehend die Drehbücher. Sie müssen sich vorab ganz genau überlegen, welche Einstellung sie wie auflösen wollen, wo am Set sich die Darsteller bewegen, wo die Kamera stehen soll, wo Darsteller ins Bild laufen und wo die Kamera sie wieder verliert. In dieser Vorbereitungsphase legt der Regisseur auch fest, wann ein Schnitt erfolgen soll. All diese Informationen hält der Regisseur in einem Ablaufplan fest, nach dem das komplette Team am Drehtag arbeitet. Große Erklärungen, wer wann wo was zu tun hat, sollten dann nicht mehr nötig sein.

Hier notiert Daniel Anderson die Kamerabewegungen und die Einstellungsgrößen. N=Nah, HN=Halbnah, T=Total, HT=Halbtotal. (Foto: ZDF/Andrea Lauterbach)
Sie wären erstaunt, wie schnell und leise das Team nach einer abgedrehten Szene in einer neuen Dekoration einsatzbereit ist. Es vergehen oft keine 5 Minuten, da stehen 25 Mann nach einer OP-Szene im Schockraum wieder hochkonzentriert im Schwesternzimmer und drehen bereits die nächste Szene.
Ein Regisseur muss sich außerdem mit seinen Regie-Kollegen abstimmen, die Dreharbeiten für die Bilder leiten, die unmittelbar an die „eigenen“ Szenen geschnitten werden. Jeder Regisseur weiß: Besonders knifflig sind die Übergänge von Innen- zu Außenaufnahme und umgekehrt. Hier müssen die Einstellungsgrößen unbedingt variieren, damit der Cutter später im Schnitt umschneiden kann.
Es ist eine weitere entscheidende Aufgabe des Regisseurs, die Schauspieler in ihrer Rolle zu “führen” und ihnen die Entwicklung der Figur in einer Szene so zu vermitteln, wie es sich der Regisseur vorstellt.
Ein Beispiel:
Bestimmt haben Sie noch die Szene im Kopf, in der Daniel realisiert, dass er in Laura verliebt ist.
Der Regisseur muss sich dazu VORAB folgende Fragen stellen:
- Wie realisiert Daniel, dass er in Laura verliebt ist?
- Wie äußert er seine Liebe?
- Bemerkt Laura seine Liebe?
- Wenn ja, wie reagiert sie?
Erst wenn auch solche Fragen geklärt sind, kann der Regisseur dem Schauspieler die entsprechenden Anweisungen geben.
Der Regisseur hat eine vielseitige und verantwortungsvolle Aufgabe. Das komplette Team hört auf sein Kommando. Erst unter seiner Regie kann ein Team am Set „funktionieren“, z.B. in der geplanten Zeit eine Szene abdrehen, ohne zu überziehen. Ein Regisseur muss dem Team vermitteln können, wie er sich die Bilder vorstellt. Neben einer hohen sprachlichen Gewandtheit gehört visuelle Vorstellungskraft, kritisches Urteilsvermögen und Führungsqualitäten gepaart mit Verhandlungsgeschick unbedingt zu den persönlichen Eigenschaften eines guten Regisseurs.
Wir vom „Herzflimmern-Team“ möchten all unseren Regisseuren – allen voran Chef-Regisseur Daniel Anderson – danken, dass durch ihren unermüdlichen Einsatz die Stimmung am Set so gut, die Bilder so schön und die Dreharbeiten so angenehm waren. Danke für eure großartige Arbeit!
Kommentieren | 01. Februar 2012 | 16:51 Uhr
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