Wer erinnert sich noch an Ernst Huberty ?? "Ausgerechnet Schnellinger !!!!!!!" - 1970 - WM Mexiko - das Jahrhundertspiel - Ausgleich in letzter Minute... Philipp Lahm, Quelle: ap

Und gerade eben: Ausgerechnet Lahm!!!!!!! Der Bursche, der bei einem Gegentor kräftig mitgeholfen hat - der im, am oder überm Strafraum dermaßen umgesäbelt wurde, dass ich dachte: o.k. - Elfmeter sind soeben abgeschafft worden - zumindest wenn es sich um ein EM-Halbfinale auf Schweizer Boden mit einem Schweizer Schiedsrichter handelt. Und schließlich auch derjenige Philipp, der seinem Gegner in der Tabu-Zone dann auch ein bissl am Trikot rumgezuppelt hat. Aber dann kam ja der Monsieur-permanent-online-UEFA-Chef Platini, der zum x-ten Mal das Telefon zückte und Signore Busacca ins Ohr flüsterte: "Also jetzt aben wir ausgleischend Gereschtischkeit - jetzt Sie könne pfeife, was sie wolle..." Und dann hat der Signore des Philipps Vorstoß nicht abgepfiffen, trotz der Straftatbestände "Unbotmäßiges Eindringen in des Gegners Strafraum" und "in-bester-Türkenmanier-ein-last-minute-Tor-erzielen".


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Soso: noch zwei Stunden bis zum Anpfiff. Die Spannung steigt, das Fieber auch. Aber erstmal die wichtigste Nachricht: der Blog lebt!!!! Dank der verehrten Kollegin KMH, die anscheinend nicht nur vom Fußball-, sondern auch vom Blog-Fieber gepackt worden ist. Kompliment, Katrin - Klasse ! Du vertrittst uns mehr als würdig - uns unwürdige, daheimgebliebene, Fußball im trockenen Wohnzimmer Guckende...... Darf ich Dich im Namen aller abwesenden Blogautoren beglückwünschen zu Deinem Fleiß ???? Aaaaaaaber: ich wette, vorm Spiel kriegst Du keinen Eintrag mehr hin. Jetzt heißt es: schaffe, schaffe fürs Hauptprogramm.


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Oliver Pocher, Quelle: apHeute Halbfinale, Deutschland-Türkei. Und ja, ich bin nervös! Es sind noch ein paar Stunden....und die wollen sinnvoll irgendwie rumgebracht werden. Mein Tag hat im Prinzip gut angefangen, beim Frühstück saß Oliver Pocher am Nebentisch, mir gegenüber Manuel Bienefeld, also besser kann´s ja schon mal gar nicht kommen und schwupps, ist die erste Stunde rum. Dann kam Koray, ein ebenfalls zauberhafter Kollege aus der ZDF-Redaktion, der junge Mann ist türkischer Abstammung. Was ich an 49.999 von 50.000 Tagen toll finde. Er hat dieses rote T-Shirt an, Sie wissen schon, optisch schön, aber inhaltlich für mich heute nur schwer auszuhalten. Auch auf die Gefahr hin, daß ich mich hier unbeliebt mache: Sie können mir auch gerne noch mal einen Fachvortrag zum Thema Völkerverständigung und Fanfreundschaft halten - ich will, dass wir heute gewinnen. Punkt.

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Wenn ich richtig mitgezählt habe, war gestern der erste spielfreie Tag während dieser EM. Das stresst nicht nur den Fan, der mit dieser spontanen Freizeit nach zwei Wochen kaum noch umgehen kann, sondern auch den Sportjournalisten, der ganz plötzlich - ja ich möchte fast sagen unerwartet - ein paar Stunden am Stück hat, in denen er nicht öffentlich schlau daherreden darf. Da liegt es nahe, sich in diesen Stunden der allgemeinen Verwirrtheit zusammenzurotten und ein gemeinsames Alternativprogramm auf die Beine zu stellen. Wir haben also eine Party gefeiert. In Bregenz.

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Kennen Sie Manuel Bienefeld? Schade! Also Manuel Bienefeld ist einer der zauberhaften Teilnehmer der Reisegruppe Austria/Suisse, mit der ich mich seit über zwei Wochen schon durch die schönen Alpenrepubliken quäle, um für das ZDF die Europameisterschaft zu begleiten. Sein Job ist unheimlich wichtig, er macht hier quasi alles! Manche nennen es redaktionelle Betreuung, ich nenne es kurz: Redaktionsfuzzi. Außerdem ist Manuel ein schrecklich netter Mensch und sieht gut aus. Und dieser Manuel hat mich nun darauf aufmerksam gemacht, dass der hier von mir im Blog angeschlagene Ton wohl nicht ganz den Ansprüchen einer öffentlich rechtlichen Fernsehanstalt genügt: "He, die Katrin bloggt und sie hat gleich im ersten Eintrag drei Mal Sau geschrieben." Das war sein Kommentar heute Morgen beim Frühstück. Das klingt fast so wie:  "He, kaum ist der Jogi von der Bank geflogen fängt er an zu rauchen und saufen".
 
Lieber Manuel, Du hast ja Recht. Ich werde versuchen mich zu mäßigen, wenn - s au - ch manchmal schwer fällt.

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5:0 lautete Youri Mulders Tipp vor dem Viertelfinale seiner Holländer gegen Russland - und ich glaub ihm das auch noch! Nun fahren die Holländer wieder heim - und ganz ehrlich: ich finde das sauschade.

Man konnte dieser Tage ja kaum anders, als zum glühenden Holland-Fan zu werden. Und das lag nicht nur an der bis dato so herzerfrischend aufspielenden Mannschaft, sondern auch an den Fans, die die Spielorte der Oranjes fest im Griff hatten. Zu Hunderttausenden sind sie angereist (kann mal jemand nachschauen, ob Holland gerade leer ist?) und haben eine Freude verbreitet - es war einfach nur geil! Kein ausschließlich reduziertes, schlichtes Rumgegröle - der holländische Fan hat Stil!


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Was macht der ZDF-Reporter an zwei freien Tagen am Stück. Richtig: Fronturlaub! Ab in die Heimat, natürlich im Zug, kostet für akkreditierte Journalisten in Österreich und der Schweiz während der EM nix, erst ab der Grenze will Herr Mehdorn seinen Obulus entrichtet wissen, der kostet übrigens zwischen Grenze und München 39 Euro 60 und zwischen München und Grenze 42 Euro 80. 3 Euro 20 mehr. Warum das so ist, weiß kein Mensch, aber so hat man doch immerhin schon mal ein Thema, über das man die knapp fünfeinhalb Stunden Strecke zwischen der Bayerischen Landeshauptstadt und Basel prima nachdenken kann. Auf dem Weg nach München noch nicht, weil da weiß man das ja noch nicht.... aber wahrscheinlich interessiert das hier sowieso keine alte Sau!
 
Bastian Schweinsteiger, Quelle: reutersNun gut, sehr viel spannender dagegen das Viertelfinale unserer Mannschaft. Für mich war dieser Donnerstag fast ein Erkenntnistrip ins innere Selbst! Sauspannender Fußball im Stadion geht ja noch, da hat man zwischendurch immer mal wieder das sympathische Gefühl, man könne zur Not ja noch irgendwie eingreifen. Klingt dämlich, ist es auch! Sauspannender Fußball im Fernsehen geht eher gar nicht! Hoffnungslos ausgeliefert, der Fan! Dem, was da auf dem Rasen passiert. Neu ist jetzt für mich, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, dem drohenden Nervenzusammenbruch spontan zu entfliehen.Ich weiß von den letzten zehn Minuten der Partie Deutschland-Portugal NICHTS! Mir fehlen komplett zehn Minuten. Parallel-Universum. Augen zu, Finger in die Ohren und sehr laut irgendein albernes Kinderlied singen. Zum Glück hat´s keiner gesehen - der Rest der Runde saß genauso da. Die lade ich nie wieder ein - Weicheier!
 
Und dann passt auch noch das ganz profane Leben in "zwei Tage frei von der Fußballmeute". Solche Tage müssen nicht zwingend schön sein. Mich hat zum Beispiel eine Biene in den Arm gestochen. Sieht ein bißchen aus wie Popeye, aber leider sehr einseitig!
 

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Vorrunden-Aus für den Moderator. Viertelfinale POR - GER im Wohnzimmer von Fußball-Freunden, angereichert mit einem Schoppen Grauburgunder.
 
Dass der Poldi bei seinem grandiosen Sturmlauf vor dem 1:0 seinen Gegenspieler mit abgewinkeltem Arm auf Distanz gehalten hat, wäre mir vor 32 Jahren in der A-Jugend wohl abgepfiffen worden. Und dass der Herr Ballack vor seinem Kopfball den Gegner mit beiden Händen ein bissl weggeschubst hat, hätte damals der Herr Schiedsrichter mit Namen Wind, der ansonsten gern "weiter! weiter!" gerufen hat, mit Sicherheit auch nicht durchgehen lassen.
Aber egal - gejubelt haben wir trotzdem - und ist ja außerdem auch so schnell, das Spiel, im Vergleich zur A-Jugend-Kreisklasse 1976. Und auch der Herr Ronaldo muss ja keinen Fernsehbeweis fürchten, nachdem er nach dem erlittenen Foul erstmal in Ruhe die Lage gepeilt hat, um dann, mit zwei Sekunden Verspätung, doch noch lautstark den sterbenden Schwan zu geben, mit Verdacht auf Fußbruch. Wunderbar.
 
 
P.S.
Letzter Einwurf zur EM der kurzen Wege:  vom Hotel in Genf bis zum Happel-Stadion in Wien zehneinhalb Stunden: den Top-Fluglinien "Austrian Airlines" und "Suisse" sei Dank. Zum Glück war's kein 18-Uhr-Spiel.
 
 
P.P.S. (Abt. "wichtiger als Fußball")
Dem Sohn eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen, auch wenn das nervenzerfetzende Spiel noch nicht abgepfiffen ist. 

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Also gut, ich schreib's doch, weil so viele Kollegen gesagt haben, ich solle es tun. Und weil es so unglaublich ist und doch irgendwie so alltäglich.

 

Auf dem Weg nach Salzburg, Unterbringung nicht in der Stadt, sondern in einem Dorf vor der österreichischen Grenze. Ein volkstümlicher Gasthof, musizierende Wirtsleute, hemdsärmelige Misthaufen-Atmosphäre statt Mozart-Metropole, könnte lustig werden!

Ein leicht verwirrter junger Mann an der Rezeption sagt, es gebe ein Problem am Aufzug, wir sollten die Treppe nehmen. Also gut, 20kg-Koffer und zwei Arbeitstaschen stemmen, es gibt wahrlich andere Probleme als zwei Stockwerke zu besteigen.

Am Fuß der Treppe der erste Schock: zwischen Aufzug und Flur liegen 2 Frauenwaden auf dem Boden. Als ich um die Ecke schaue, entdecke ich den ganzen Körper und den Notarzt. Herzmassage, Reanimierung, „das geht gleich zu Ende," sagt mein medizinkundiger Kollege Laurens. Die ältere Dame auf dem Fußboden stirbt tatsächlich, der Wirt des Hauses steht mit verschränkten Armen daneben und kein Mensch kommt auf die Idee, die Szene abzuschirmen vor den neugierigen Blicken anderer Pensionsgäste. Ein unwürdiger Tod zwischen Aufzug und Treppe, aus der Küche wabert Fritteusengeruch, am Zapfhahn plätschert Bier ins Glas.

 


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Heute abend ereilt also Frankreich, Italien oder Rumänien das gleiche Schicksal wie zuvor Schweiz, Österreich, Tschechien, Polen und (schon sicher feststehend) Griechenland: das Aus in der Vorrunde. Aber sie gehen nicht allein. Auch ich werde mich verabschieden, von dieser Euro, von diesem Blog. Egal, wie das Spiel Niederlande-Rumänien, unser letztes Spiel bei dieser Euro 2008, ausgehen wird: Morgen früh treten Reporter Wolf-Dieter Poschmann, dem ich ja als Redakteur zur Seite sitze, und ich die Heimreise an. Fortan werde ich also auch nur noch als Fußball-Fan die weiteren Spiele vorm Fernseher verfolgen.

Doch es hilft ja nicht und verbietet sich auch, jetzt über den Modus dieser EM zu jammern. Schließlich hatten ja alle die gleichen Voraussetzungen. Und so hätten die Franzosen oder Italiener ja auch einfach gegen die Niederlande oder Rumänien gewinnen können. Dann wären sie nicht auf Schützenhilfe der Holländer angewiesen. Und wir als Reporterteam hätten eben noch besser das Spielgeschehen rüberbringen sollen, weniger Fehler machen sollen, noch bessere Infos geben sollen. Ich nehm es sportlich, gebe heute noch mal 90 Minuten alles - und mir vor, beim nächsten Mal noch besser vorbereitet zu sein.


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Dirk Kuyt, Quelle: apHach. Da geht einem doch das Herz auf, wie die Oranjes die WM-Finalisten in ihre Einzelteile zerlegen. Spaß- und Hurra-Fußball in seiner allerschönsten Form. Und die Fans machen Party, wie nur die Holländer es können. Einfach wunderbar. Und dieser van Nistelrooy, wie der den Ball mit dem doppelt eingesprungen Zwei-Sohlen-Trick vor dem Weg ins Aus bewahrt und so nebenbei das nächste Tor einleitet. Herrlich.
 
Aber ganz besonders schön fand ich die Geschichte des 1:0 gegen Frankreich. Da hat Monsieur Florent Malouda nichts Anderes im Sinn, als seinen Gegenspieler im griechisch-römischen Stil am Torerfolg zu hindern zu versuchen - und kann dabei überhaupt nicht mehr schauen, wann und wo denn da möglicherweise auch mal ein Ball geflogen kommt. Während es dem Mann also nur ums Zerstören und um Ringkampf geht, will der andere, Dirk Kuyt, einfach nur den Ball ins Tor köpfen. Und dann tut er das ganz einfach. Danke, Dirk!
  
P.S. Leider legt so ein grandioser Start den Verdacht nahe, dass es dann mit dem EM-Titel trotzdem oder gerade deshalb nix wird. Immerhin: die Griechen können's nicht mehr werden.
 
P.P.S. (Abt. "wichtiger als Fußball")  In Basel regnet's schon wieder. Mensch, hätten die Engländer sich hier wohl gefühlt.

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Dass Fußball kein Spiel auf Leben und Tod ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Auch der Reporter nimmt sich immer wieder vor, seine Worte bei der Beschreibung der schönsten Nebensache der Welt mit Bedacht zu wählen. Und dass die deutsche Mannschaft ihr zweites Spiel bei der EURO 2008 gegen Kroatien verloren hat, ist erstens angesichts der Tabellensituation noch kein Drama, und zweitens sowieso nicht.
Denn dramatisch waren andere, fast zeitgleiche Ereignisse in Klagenfurt:
 
Das Feuer in einer Asylanten-Unterkunft für Schwarzafrikaner: ein Toter, neunzehn Verletzte, Brandstiftung nicht ausgeschlossen. (aus: "Der Standard")
 
Der Zusammenbruch eines kroatischen Fußball-Fans in der Innenstadt. Trotz Reanimation durch eine deutsche Polizistin starb der etwa 20jährige später im Landeskrankenhaus an Herz-Kreislauf-Versagen. (aus: "Der Standard")
 
Adam Ledwon, Quelle: apDer Freitod von Adam Ledwon. Der polnische Fußballprofi von Austria Kärnten wurde von einem Mannschaftskollegen erhängt in seiner Wohnung gefunden. Ledwon spielte achtzehn Mal für die polnische Nationalmannschaft, war auch für Bayer Leverkusen und Fortuna Köln aktiv. Seine Frau und die zwei Söhne waren im Herbst wegen privater Schwierigkeiten nach Kattowitz zurück gekehrt - auch Alkoholprobleme könnten eine Rolle gespielt haben. (aus: "Kronen-Zeitung")
 
P.S. (heute mal kein P.S.)
 
 
P.P.S. (Abt. wichtiger als Fußball) ...siehe oben.

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In Wien beim superspannenden Kick Österreich-Polen habe ich wieder einiges über den Fußball und seine Freunde gelernt. Nämlich, dass sich der wirklich wichtige Fußballfan durch folgende Kriterien auszeichnet:

  • 1. der VIP kommt möglichst spät zum Spiel (und damit schließe ich ausdrücklich den lieben Kollegen Norbert König aus, der eine Flugreisenodyssee erst kurz vorm Anpfiff beendete - wird er sicher in seinem nächsten Blog drüber schreiben, gell Norbert?)
  • 2. der VIP lässt sich vom „Fußvolk" im Stadion gerne in entsprechende Stimmung versetzen - als stiller Genießer, selten als mitmachender Fan.
  • 3. der VIP verweilt nach Spielschluß gerne noch in der Atmosphäre - des VIP-Caterings, für das er oder irgendwelche EM-Sponsoren schließlich ja auch viel bezahlt haben.
  • 4. der VIP wird erst dann ein Super-VIP, wenn er danach aber auch sofort abreisen kann. Jede Sekunde zählt. Das Leben ist ja auch zu schön.

Vielleicht sollten sich diese VIPs und ihre Gehilfen aber auch merken: das Leben des normalen Fans ist ebenfalls schön. Und der normale Fan möchte es in der Regel auch gern weiterführen und nicht von einem Vollgas fahrenden VIP-Konvoi noch im Stadion-Bereich überrollt werden.  So wie gestern in Wien, als sich das zahlende Fußvolk zahlreich nur durch einen Sprung zur Seite retten konnte. Um in der Fußballersprache zu bleiben: ein grobes Foulspiel.


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Eusebio, Quelle: reuters

Leute, dies ist ein verzweifelter Aufruf! Nicht etwa in eigener Sache (wie mancher Blogger jetzt vermuten könnte), nein, ich sage euch: „Spendet für die UEFA!"

Folgendes ist passiert: ein Kollege verabredet sich zum Interview mit der portugiesischen Fußballlegende Eusebio. Der wird vom Pressechef der Portugiesen an eine Ecke hinter das Medienzentrum im Stade de Geneve gebracht, Eusebio humpelt, deshalb nicht der weite Weg in die offizielle Interviewzone. Das Interview wird im ZDF gesendet und sorgt für großes Aufsehen.

Der Protest der UEFA kommt umgehend, das Interview sei in einer „verbotenen Zone" gemacht worden, der verantwortliche Redakteur soll benannt und seine Akkreditierung eingezogen werden.

Warum die UEFA so etwas macht? Das Interview hätte vor einer Stellwand mit den Logos der Sponsoren stattfinden müssen, es geht ums Geld und nichts anderes! Könnte also eine Riesenloch in die Kasse der UEFA gebracht haben, diese eineinhalb Minuten ohne Logos. Deshalb meine Bitte: trinkt mehr Cola, prügelt euch noch mehr Big Macs rein, kauft die neue Spiegelreflexkamera von Canon, unterstützt JVC, schafft euch neue Adiletten an, lasst das Bargeld stecken, bezahlt auch kleinere Beträge mit der master card und trinkt ein paar Carlsberg auf diese EM! Das schmeckt euch nicht? Dann spendet bitte für die UEFA!


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Türkei vs Schweiz, Quelle: dpa

Das schönste, was gestern Abend in Basel eintreten konnte, ist tatsächlich eingetreten. Damit meine ich nicht das Ausscheiden der Schweiz oder die Wiederauferstehung der Türkei. Auch nicht, dass sich diese Partie trotz zwischenzeitlich irregulärer Bedingungen von Wasserspielen zu einem mitreißenden, temporeichen, spannenden Fußballspiel entwickelte. Nein, es war für mich als Redakteur vor Ort schlichtweg ein Höhepunkt in meiner Karriere, diese Atmosphäre miterleben zu dürfen. Auf den Zuschauerrängen und vor allem auf dem Platz: Bedingungsloser Einsatz beider Teams, aufopferungsvoller Kampf um jeden Ball auf beiden Seiten. Aber niemals ein unfaires, geschweige denn gehässiges Spiel.

Toll, wie die Akteure auf dem Platz miteinander umgegangen sind. Freundliche Umarmungen, selbst nach einem Foulspiel - heutzutage ohnehin schon nicht mehr alltäglich. Aber angesichts der bewegten Vorgeschichte dieses Duells umso bemerkenswerter. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Und darum hat die Türkei dieses Spiel zwar sportlich für sich entschieden. Aber gewonnen haben beide Nationen. Und der Fußball auch. Wäre zu schön, wenn's heute in Wien und Klagenfurt so weiterginge.



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Damit das endlich mal klar ist:

Regel 11 - Abseits

Roberto Rosetti, Quelle: dpa


Abseitsposition:

Die Abseitsstellung eines Spielers stellt an sich noch keine Regelübertretung dar.
Ein Spieler befindet sich in einer Abseitsstellung,

  • wenn er der gegnerischen Torlinie näher ist als der Ball und der vorletzte Abwehrspieler.
Ein Spieler befindet sich nicht in einer Abseitsstellung,

  • in seiner eigenen Spielfeldhälfte oder
  • auf gleicher Höhe mit dem vorletzten Abwehrspieler oder
  • auf gleicher Höhe mit den beiden letzten Abwehrspielern.

Vergehen

Ein Spieler wird nur dann für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er nach Ansicht des Schiedsrichters zum Zeitpunkt, wenn der Ball einen seiner Mannschaftskollegen berührt oder von einem gespielt wird, aktiv am Spielgeschehen teilnimmt, indem er:

  • ins Spiel eingreift oder
  • einen Gegner beeinflusst oder
  • aus seiner Stellung einen Vorteil zieht.

Kein Vergehen

liegt vor, wenn ein Spieler den Ball direkt erhält von

  • einem Abstoß oder
  • einem Einwurf oder
  • einem Eckstoß.

Strafbestimmungen

Nach jeder strafbaren Abseitsstellung verhängt der Schiedsrichter einen indirekten Freistoß für die gegnerische Mannschaft an der Stelle, wo sich der Spieler ursprünglich befand, als seine Abseitsstellung erkannt wurde.



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Das Leben stellt einem Redakteur in diesen Tagen schon wirklich wichtige Fragen: wer ersetzt den verletzten Emre B. heute Abend? Kann Tuncay seine Form wiederentdecken, vielleicht in anderer taktischer Position als zuletzt gegen Portugal?

Tuncay und Pepe, Quelle: ap

Wie hat Streller seine miese Leistung gegen Tschechien verkraftet - und bekommt er überhaupt noch die Chance, sein wahres Können unter Beweis zu stellen?

Fast scheint's, als habe das Leben nichts Wichtigeres parat. Schließlich wollen die taktischen Aufstellungen schon früh geschrieben sein - unsere moderne Technik fordert ihren Tribut. Früher hat's gereicht, wenn man vorm Spiel auf den Aufstellungsbogen schaute und sah: aha, es werden 11 gegen 11 spielen. Und nach 90 Minuten ist das Spiel vorbei.

So dämlich ich dieses Vorgeplänkel heutzutage auch finde, so sehr freue ich mich, dass es bei diesem speziellen Spiel heute Abend bei den seriösen Medien dann doch im Vordergrund stand. Schließlich ist Schweiz-Türkei noch ein besonderes Spiel - für uns Journalisten. Jeder hat die Jagdszenen von vor drei Jahren noch in Erinnerung (oder sie wurden ihm in diesen Tagen in jedem zweiten Beitrag wieder in Erinnerung gerufen), als sich Türken und Schweizer 2005 nach dem WM-Quali-Spiel in Istanbul nach Spielschluss einen fürwahr offenen Schlagabtausch lieferten. Wenn also heute eher wieder die taktische Marschroute der beiden Teams wichtig ist, so werte ich das als gutes Zeichen: dafür, dass die Prügelei vom Bosporus Vergangenheit ist und bleibt.

Schade nur, dass sich die Türken bei ihrer Abschlusspressekonferenz gestern zu diesem Thema gar nicht äußern wollten. Das wäre doch die Gelegenheit gewesen, die rein sportliche Bedeutung der Partie in den Vordergrund zu stellen.


Köbi Kuhn, Quelle: apWie anders dagegen der stets so besonnene Schweizer Nationaltrainer Köbi Kuhn. Der sagte wörtlich: „Die Geschichte ist drei Jahre alt - und im Fußball wie im richtigen Leben ist das eine lange Zeit, und alles geht schnell weiter. Das ist abgehakt, wir wollen guten Fußball spielen." Volltreffer! Schon vorm Anpfiff steht's für mich deshalb 1:0 für die Schweiz.




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Bern, 16.30 Uhr, Hunger mischt sich in die Vorfreude auf Holland-Italien. Also Restaurantsuche etwas ausserhalb der überlasteten City, freundliches Gasthaus, geöffnete Tür, ansprechende Speisekarte mit lokalen Schmankerln, erste Wasserbildung im Mundraum, gleich wird es so weit sein. Im Halbdunkel des Schankraums ein Kellner mit weit aufgerissenen Augen. „Die Küche ist zu"; frage ich im Dämmerlicht, wir sind schon Kummer gewöhnt, zwischen 15 Uhr und 18 Uhr schläft Bern. „Die Küche," fragt der Kellner und bricht ab. Ich nutze die Pause, um schon mal einen Platz auszugucken, der Kellner scheint immer noch nachzudenken, lässt mir auch noch Zeit, den in der Ecke schnarchenden Dackel eingehender zu betrachten. Ja, so geht die Zeit dahin...Die Gesichtsmuskel des Kellners verraten urplötzlich wieder Leben. „Die Küche," nimmt der Bursche die vor gefühlten drei Minuten unterbrochene Antwort wieder auf, „die Küche ist zuHolländer in Bern, Quelle: reuters!" Ein Zeitlupenkellner wie aus dem Lehrbuch!

 

 

So geht das bei etwa 348 Versuchen, etwas zu Essen zu bekommen. Bern schläft und Holland erobert unterdessen Wankdorf.


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Ich weiß jetzt auch, warum sich das Europameisterschaft nennt. Weil ich als Journalist durch halb Europa fliegen muss, um ein Fußballspiel gucken zu können. Umzug von Wien nach Basel. Das sind mal eben schlappe 1200 Kilometer. Und damit wir Redakteure des Zweiten Deutschen Fernsehens kein Heimweh bekommen, wohnen wir in Deutschland, ganz nah bei Freiburg. Das hat gleich mehrere unschätzbare Vorteile: Erstens sehe ich so auf keinen Fall irgendwelche Fans, die mir womöglich das Euro-Fieber übertragen könnten. Zweitens versagen hier die technischen Wunderwerke, die unsere Techniker uns zur Verfügung gestellt haben, damit wir uns überall in Österreich und der Schweiz ins Internet einloggen können. Denn wir sind ja nicht mehr in den Ausrichterländern dieser Euro 2008. Und daran haben die ZDF-Computerexperten ja nicht auch noch denken können - dass wir bei einer Euro zwischendurch quasi Heimschläfer sein würden. Dumm gelaufen, nennt man das wohl. Immerhin entgehe ich so dem Email-Euro-Begrüßungs-Überflutungsterror, der sich seit Tagen in meinem virtuellen Postfach abspielt.

 

Und vielleicht geht es mir als deutschem TV-Euro-Teilnehmer, der zwar nicht mittendrin, aber immer noch dabei ist, deutlich besser, als den meisten Österreichern oder Schweizern. Denn die sind zwar in der Mehrzahl noch in ihren Euro-Gastgeberländern, aber wenn die Zeichen nicht trügen womöglich bald aus der Euro raus. Beide ausgeschieden nach der Vorrunde. Man kann sich schönere Szenarien für eine Europameisterschaft ausmalen.

Doch vielleicht geht es diesen Österreichern und Schweizern immer noch besser als manchen deutschen Fußball-Fans. Denn die übernachten während der Euro in herrlichen Rigips-Zellen. Gemeinsam mit 3000 anderen Fußballfreunden in 3000 anderen Rigips-Hütten, aufgereiht in einer Messehalle, gleich neben dem Stadion. Für 34 Euro pro Nacht offenbar ein unvergessliches Erlebnis. Leider haben sich ein paar der sogenannten Fans dann direkt für Schlagen statt Schlafen entschieden. Angesichts dieser Bilder war ich hin- und hergerissen, ob ich ihnen ein baldiges Ausscheiden ihrer, unserer deutschen Mannschaft wünschen sollte: damit bald wieder alle zu Hause in einem vernünftigen Bett schlafen können.


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Montagmittag in Wien. Ein Sechstel der Vorrunde ist passé. Die Favoriten gewinnen 1:0 oder 2:0, schön verteilt auf die Gruppen A und B. Nach den Resultaten bisher eine EM wie vom Reißbrett. Doch hinter den nackten Zahlen: enttäuschte Österreicher und dynamisch-überzeugende Deutsche, abgezockte Kroaten und ratlose Polen. Der Fernseh-Jet-Set eilt zur Übertragung von Genf nach Wien und wieder Retour. Im Flugzeug "hausgemachtes Dessert". Heißt das: nicht unter freiem Himmel produziert? Was sind in diesem Zusammenhang "hausgemachte Probleme"?
  
P.S.
Am Stephansplatz in Wien setzt der Buchhändler aus aktuellem Anlass auf Fußballliteratur. Im Schaufenster ein Werk über Österreichs Fußball-Stars vergangener Tage. Ebenfalls auf dem Schutzumschlag: die Verfasser, beide in feinem Zwirn. Der eine, Fernsehjournalist, ansonsten ungeschmückt. Der andere, Ex-Profi, mit zwei ausgesprochen hässlichen Sponsor-Aufnähern. Armes, armes SchneckerlHorst Skoff, Quelle: dpa
  
P.P.S. (Abt. "wichtiger als Fußball")
Ein sogenannter Tennis-Held ist gegangen. Niemals im Tiebreak-Zeitalter hat ein Davis-Cup-Einzel länger gedauert als dieses eine, 1989, im Wiener Praterstadion. Horst Skoff hat es gewonnen gegen Mats Wilander, nach sechs Stunden und vier Minuten. Sein Leben hat er verloren, nach knapp vierzig Jahren, irgendwo auf dem Straßenpflaster in Hamburg. Wirklich ein armer Kerl...

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Da gab es doch tatsächlich ein paar türkische Freunde, die meinen, mein Kommentar gestern zu Portugal-Türkei sei zu einseitig pro Portugal gewesen. Tut mir leid, wenn das so rübergekommen ist, aber eine Niederlage ist eine schlechte Nachricht und der Überbringer solcher ist auch immer gleich der Buhmann. Nur gut, dass man heute dafür nicht mehr geköpft wird...

Im Ernst: wer war denn die bessere Mannschaft, wer hatte mehr Torchancen, wer hat denn am Ende verdient gewonnen? Eine Mannschaft wie Portugal, die zudem die herausragenden Spieler stellte und ganz nebenbei drei Latten- und Pfostentreffer hatte, wird vom Reporter zwangsläufig anders und besser gewürdigt als der Verlierer. Das aber hat nichts mit Antipathien für die Türkei zu tun!

Cenevre ' den selamlar,
Thomas


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Kennen Sie den schon? „Was ist eine Blondine zwischen zwei Österreichern?" Antwort: „Nicht die Dümmste!"

Ich muss sagen, dass dies eine völlig übertriebene Darstellung ist. Sooo doof sind die doch gar nicht. Ich habe beispielsweise einen neuen Lieblingstrainer - und das sage ich ausdrücklich, bevor Österreich heute Abend ins eigene Fußball-

Josef Hickersberger, Quelle: dpa.jpg

turnier eingreift: Josef Hickersberger. Der ist für mich neuerdings so was von Modell-Österreicher. Chronisch unterschätzt, milde belächelt und in Wahrheit doch ein ganz verschmitztes Kerlchen. Nehmen wir mal die aktuelle Nummer-1-Torhüterdiskussion, die diesmal nicht der DFB, sondern der ÖFB zu verzeichnen hat.

Eingefädelt hat dies Hicke - und sich somit Ruhe an allen anderen Fronten geschaffen. Fehlende Disziplin im Team, fehlende Klasse im Team. Alles kein Thema. Es dreht sich nur um die M-Frage. Ob's ein Macho oder ein Mann(inger) im Kasten sein soll. Der Höhepunkt gestern Abend. Abschlusspressekonferenz im Stadion. Abschlussfrage an Hickersberger: Wer denn nun gegen Kroatien im Tor stehe. Abschlussantwort: „Die Aufstellung gebe ich morgen (also Sonntag) bekannt. Und wer das Tor hütet, stand ja heute schon in allen Zeitungen." - Bis hierhin eine der üblichen Non-Sense-Antworten, wie sie Trainer so im allgemeinen gerne von sich geben. Aber dann setzte Josef Hickersberger eben einen drauf, was ihn für mich fürs Erste zu meinem Euro-Lieblingscoach macht. Er sagte schlicht noch: „Hoffen wir, dass das stimmt." Wunderbarer Wiener Schmäh.
Mehr zu Hickersberger und seinem Team




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Ein Fußballspiel dauert bekanntlich neunzig Minuten plus X - die beiden Pressekonferenzen zum ersten Genfer Kick gehen da vergleichsweise in die Verlängerung. Luiz Felipe Scolari Luiz Felipe Scolari, Quelle: reutersund Fatih Terim - zwei smarte, wortgewandte, gestenreiche und selbsbewusste Fußball-Lehrer, die einander anscheinend aufrichtig achten. Vorfreude steigt - in der Hoffnung, dass das Spiel eine ähnliche Qualität haben wird wie die sportlich Verantwortlichen auf der Bank. Was erwartet Herbert Fandel? Zwei heißblütige Teams, die sich trotzdem halbwegs im Zaum halten können? Seit 1955 hat die Türkei nicht mehr gegen Portugal gewonnen - wie tief sitzt dieser Stachel? Oder gibt's den nur in der Phantasie von Reportern und Fans? Fragen über Fragen...

P.S. (weibliche) Vorschläge für den Titel "Mister Euro":

Fredrik Ljungberg, Quelle: dpa "Freddy Ljungberg hat einen super Körper und diesen leicht arroganten Blick. Das hat was." (Raquel Alvarez, Model)
"Michael Ballack ist ein ganzer Kerl, hat eine ordentliche Statur. Sehr männlich, das gefällt mir." (Raquel Lehmann, auch Model)
"Ich weiß nicht, ob Buffon der beste Goalie ist. Aber er ist ganz sicher ein attraktiver Mann." (Franziska Teuscher, Nationalrätin)



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Sitze gerade an den Vorbereitungen für Portugal gegen Türkei und will mich eigentlich auf die letzten News von diesen beiden Mannschaften konzentrieren, da nervt das deutsche Ur-Thema schon wieder. Gretchenfrage gibt es ja nicht mehr, das heißt jetzt Torwartfrage! Laut "Stern"-Umfrage vertrauen die Deutschen Jens Lehmann, aber die zentrale Frage laut ZDFonline heißt ja inzwischen, wer die Nummer 2 wird. Luxusproblem!
 
Sowohl Portugal als auch die Türkei wären froh, einen Mann von der Qualität Enke/Adler zu Robert Enke, Quelle: aphaben. Die Türkei wird wohl mit Volkan im Tor kommen. Richtig, das ist der Fliegenfänger aus der Champions League. Rüstü, der 2. Mann, hat mit 36 Jahren immer noch keine Strafraumbeherrschung gelernt, der nächste Problembär! Ricardo bei Portugal hat seine beste Zeit hinter sich, sein Vertreter Quim ebenfalls und einen neuen Mann haben sie in den letzten vier Jahren nicht aufbauen können. Gut möglich, dass Portugal gegen die Türkei heute durch einen der Torhüterfehler entschieden wird, während die mit Spannung erwartete deutsche T-Frage vom Torwart-Trainer des DFB soeben beantwortet wurde: Robert Enke ist gegen Polen die erste Wahl nach Jens Lehmann.

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Herrlich, was eine Europameisterschaft so alles schafft. Jahrelang haben die Österreicher bestimmt neidisch zu uns großen Nachbarn mit unseren großen Autos geschaut. Weil wir da seit Klinsmann zu jedem Fußballspiel nationalen Ausmaßes so schöne schwarz-rot-goldene Wimpel aufstellen. Und der Österreicher durfte nicht. Verboten per Gesetz. Der Österreicher zerrissen im Konflikt zwischen «Kraftfahrgesetz Paragraf 54» und der «Kraftfahrgesetz- Durchführungsverordnung Paragraf 26a». Danach wird unter Androhung von bis zu 5000 € Strafe festgelegt, dass nur bei hohen Beamten wie dem Bundespräsidenten Fähnchen mit Staatswappen am Auto flattern dürfen.

VW-Käfer, Quelle: imago

 

Aber inzwischen hat die Alpenrepublik eine Revolution erlebt. Der Mob der Straße hat gesiegt, sozusagen, und Bundeskanzler Gusenbauer in die Knie gezwungen. Eigens zur Euro hat er das Gesetz (das Sprit sparen hilft) außer Kraft gesetzt. Und die ersten Ösis zeigen Flagge. Wenige nur, aber der Ansturm kommt noch. Bestimmt. Zumal die Spritpreise hierzulande ja eh noch human(er) sind. 1.38 € für einen Liter Diesel. Jetzt gucken die Deutschen neidisch...

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Dauerregen in Genf. Der topfebenen, noch unversehrten Spielwiese im Stadion wird's hoffentlich gut tun. Ein Fußball-Schmuckkästchen in grün und rosa (auf den Tribünen). Stade de Geneve, Quelle: dpaAllerdings umgeben von Schienen, Shopping Mall, Schnellstraße und Schrotthändler. Aber vielle icht besser, als Mittelpunkt zu sein in einer Parkplatz-Pampa. Und maßgebend is' sowieso auf'm Platz, morgen von 20.45 Uhr an.

Nochmal Abstand nehmen vom Schauplatz - dauerlaufend die Stadt erobern, zumindest einen kleinen Teil. Tatsächlich Bäume, ein Mini-Park, ein Jogging-Pfad den kleinen Fluss entlang. Der See noch fern - das Zentrum auch.

Ein Kandidat für die Wahl "Fan-Haus der Woche". Hübscher Hinterhof, Route du Grand-Lancy, Hausnummer 62A. Geschätzt achtzehn Fahnen aus etwa zehn Teilnehmerländern - und eine Fußball-Kette als Zugabe.

P.S. Rekord schon vor dem Anpfiff. Kleine Stadien, großer Gewinn: Die UEFA erlöst mit der EURO 2008 voraussichtlich zwei Milliarden Fränkli. Glückwunsch auch von meiner Seite.

P.P.S. (Abt. wichtiger als Fußball) Atmen, Trinken, Essen, Laufen, Schlafen, süß Träumen - halten Leib und Seele zusammen. And what else ???



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Hundstage am Genfer See, Dauerregen, kalt, Hotel mit Blick auf Bahngleise und aus dem Stadion nebenan klingt es, als würde der Muezzin zum Gebet rufen, dabei versucht nur ein heiserer Schweizer die Lautsprecheranlage zu testen, hoffentlich finden sie bis morgen einen geeigneten Stadionsprecher... Es gibt trotzdem viel zu lachen: unser Kollege Martin Wolff, Reporter bei der türkischen Mannschaft, erzählt beim Frühstück, dass er in der Türkei ein Star werden wird. Der türkische Sender "Lig-TV" hatte eine Live-Schaltung vom Trainingsgelände, aber keiner der Spieler war zur gebuchten Satellitenzeit zu sehen. Also setzte der türkische Moderator Martin Wolff auf einen Stuhl, Mikro in die Hand und schon ging's los! Unser Kollege Koray, der übersetzte, konnte nicht mehr verhindern, daß unser Martin groß als "Sportchef des ZDF" gefeiert wurde, eine Ehre, die durch ein eilends angefertigtes Namensinsert noch gesteigert wurde. Jetzt wird Martin in der Türkei berühmt, hat aber Angst vor den Konsequenzen des wahren Chefs, Dieter Gruschwitz.

Humor scheint sowieso das am heftigsten umstrittene Thema dieser EM zu werden. Gestern die "abbe Köpp" (hessisch, umgangssprachlich für abgetrennte Köpfe oder enthauptet) in Polen, heute findet sich dieser Link http://www.titanic-magazin.de/typo3temp/pics/23960757e2.jpg in meiner Post. 

Jetzt langt auch die "Titanic" bei dieser EM hin und wieder wird die Geschmacksfrage gestellt werden. Darf ein Satiremagazin mit einem Mann, der mehrere Menschen jahrelang in ein Kellerverlies eingekerkert hatte, auf dem Titelblatt Humor betreiben oder verhöhnt das nicht die Opfer? Bin gespannt auf Reaktionen, vor allem aus Österreich, denn da ist es ja passiert...


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Der Fußball-Speicher wächst und wächst. Sonderhefte, Tageszeitungen, Agenturen, Infomappen, Recherche-Gespräche, Internet-Surf-Marathon, CD und CD-Rom und DVD und persönliche Erinnerungen. Warnung des Hirn-Systemadministrators: "Die zulässige Maximal-Beladung wird in Kürze überschritten!" Egal. Suche nach externer Festplatte. Alles muss rein. Alles wird gelesen sein - vermutlich etwa Mitte Juli.

 

P.S. EM-Fernsehtipp für heute abend 22:30 Uhr (Fr. 6.6.): ausnahmsweise mal

ORF 1 (darf ich das hier überhaupt schreiben?): Das Wunder von Wien! (I werd narrisch - und Österreich Europameister)  -> Das Wunder von Wien 

 

P.P.S. (Abt. wichtiger als Fußball) Endlich ein paar nette Landsleute getroffen im Restaurant: maulen über Wartezeit, mäkeln über Qualität, mokieren sich über Rechnungsstellung. Herrlich !


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Der Österreicher, nein halt, der Wiener, ist schon so total im EM-Fieber, dass er bereits jetzt jede Orientierung verloren hat. Ankunft vorm Wiener Ernst-Happel-Stadion, wo sich am Sonntag die ehemals Grande Fußballnation Österreich erstmals bei einer Europameisterschaft präsentiert. Hat schon fast was ehrfürchtiges, insbesondere, wenn man vor der Hundertschaft der Polizei steht. Die freundlichen Herren wollen hier für Ordnung sorgen, haben aber nix, was sie versorgen könnten. Keiner da. Außer uns. Und wir wollen wissen, wo sich das Internationale Pressezentrum, in Fachkreisen kurz IBC für International Broadcasting Center genannt, befindet. Wir können nicht mehr weit davon entfernt sein. Doch leider weiß der österreichische Ordnungshüter nicht Bescheid. Pressezentrum? IBC? Nie gehört!

 

Wir kehren um, weil unser Navi versagt, schließlich hat der Österreicher die Straße vorm Stadion eigens für die Euro um fünfzig Meter verlegt, so dass im Navi alles außer Kontrolle gerät. Wir drehen uns stundenlang im Kreis, fragen hier, fragen dort. Keiner kennt die Schaltzentrale, von der aus von Samstag an ganz Europa und die halbe Welt die Bilder empfangen wollen. Immerhin landen wir so mir nichts, dir nichts in einem großen Kongress eines Kommunikationsunternehmens, in dem sich alle duzen. Nett, die Österreicher. Aber eben ahnungslos.

Nach nur wenigen Stunden erreichen wir dann doch unser Ziel. Ein Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes der Wiener Messe wusste, dass es in Messehalle D zu finden wäre. Wunderbar. Die EM kann beginnen.

 

P.S.: Das IBC war hinterrücks nur 100 Meter von der Hundertschaft der Polizei entfernt...

 


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"Einstand nach Maß" schreibt oder sagt der Sportreporter ja gern. Hm. Dann war das schon mal nix. Flug nach Genf gestrichen - mit dem nächsten hat's immerhin geklappt. Mietauto mit Navi - Wow ! Leider sagte die Dame ständig, wo wir gerade hätten abgebogen sein sollen. Nach 24 Routen-Neuberechnungen glücklich zu spät angekommen. Stadion in Laufnähe - Hurra! Vor dem Hotelfenster 26 Bahngleise, aber kein See. Doch Jammern auf hohem Niveau gibt's nicht - expect emotions !!!!

P.S. Auch kopflose polnische Reporter werden noch den rechten Weg finden - hoffentlich.

P.P.S. (Abt. wichtiger als Fußball) Spritsparend Autofahren kann übrigens richtig geil sein - oder ??




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Live-Reporter zu sein bedeutet auch immer, auf der Jagd nach
dem
Cristiano Ronaldo, Quelle: dpaSuper-Kick zu sein, dem ultimativen Spiel, dem Highlight.
Da könnte die Gruppe A mit dem ewigen Geheimfavoriten Portugal vielleicht am ehesten alle Bedürfnisse befriedigen, diese Auswahl der extrovertierten Jungstars, von denen ausser Christiano Ronaldo fast alle bei einem Marktwert um 25 Mio Euro taxiert werden. Nani, Moutinho, Pepe, Bosingwa: die nächste sog. "Goldene Generation", nach dem 2. Platz bei der EM 2004 und dem 4. Platz bei der WM in Deutschland ist Portugal in diesem Jahr für mich der Favorit, vor Spanien und Deutschland und Kroatien. Und dann kommt da noch Quaresma, der neue Dribbelkönig Portugals, vielleicht der neue Star dieser EM neben Ronaldo?
 

 Schon das erste Spiel am Samstag gegen die Türkei könnte eines der aufregendsten dieser EM werden, prallen da schließlich 2 Systeme aufeinander, die passen würden....für jeden Reporter ein gefundenes Fressen!







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Über dieses Blog

Vier Jahre nach Griechenlands überraschendem Sieg bei der Europameisterschaft in Portugal stellt sich nun die Frage, wer den Titel in Österreich und der Schweiz holen kann. Die Antwort darauf erhalten wir am 29. Juni im Ernst-Happel-Stadion in Wien. Doch schon ab EM-Start am 7. Juni blickt die Fußballwelt auf die Alpennationen. Die Autoren dieses Blogs, Thomas Wark, Michael Steinbrecher, Norbert König und Hermann Valkyser, sind vor Ort als ZDF-Reporter im Einsatz. Hier gewähren sie Einblick in ihre Arbeit und geben Geschichten rund um die Fußball-EM zum Besten.

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