Und gerade eben: Ausgerechnet Lahm!!!!!!! Der Bursche, der bei einem Gegentor kräftig mitgeholfen hat - der im, am oder überm Strafraum dermaßen umgesäbelt wurde, dass ich dachte: o.k. - Elfmeter sind soeben abgeschafft worden - zumindest wenn es sich um ein EM-Halbfinale auf Schweizer Boden mit einem Schweizer Schiedsrichter handelt. Und schließlich auch derjenige Philipp, der seinem Gegner in der Tabu-Zone dann auch ein bissl am Trikot rumgezuppelt hat. Aber dann kam ja der Monsieur-permanent-online-UEFA-Chef Platini, der zum x-ten Mal das Telefon zückte und Signore Busacca ins Ohr flüsterte: "Also jetzt aben wir ausgleischend Gereschtischkeit - jetzt Sie könne pfeife, was sie wolle..." Und dann hat der Signore des Philipps Vorstoß nicht abgepfiffen, trotz der Straftatbestände "Unbotmäßiges Eindringen in des Gegners Strafraum" und "in-bester-Türkenmanier-ein-last-minute-Tor-erzielen".
Soso: noch zwei Stunden bis zum Anpfiff. Die Spannung steigt, das Fieber auch. Aber erstmal die wichtigste Nachricht: der Blog lebt!!!! Dank der verehrten Kollegin KMH, die anscheinend nicht nur vom Fußball-, sondern auch vom Blog-Fieber gepackt worden ist. Kompliment, Katrin - Klasse ! Du vertrittst uns mehr als würdig - uns unwürdige, daheimgebliebene, Fußball im trockenen Wohnzimmer Guckende...... Darf ich Dich im Namen aller abwesenden Blogautoren beglückwünschen zu Deinem Fleiß ???? Aaaaaaaber: ich wette, vorm Spiel kriegst Du keinen Eintrag mehr hin. Jetzt heißt es: schaffe, schaffe fürs Hauptprogramm.
5:0 lautete
Youri Mulders Tipp vor dem Viertelfinale seiner Holländer gegen Russland - und
ich glaub ihm das auch noch! Nun fahren die Holländer wieder heim - und ganz
ehrlich: ich finde das sauschade.
Also gut, ich schreib's doch, weil so viele Kollegen gesagt haben, ich solle es tun. Und weil es so unglaublich ist und doch irgendwie so alltäglich.
Auf dem Weg nach Salzburg, Unterbringung nicht in der Stadt, sondern in einem Dorf vor der österreichischen Grenze. Ein volkstümlicher Gasthof, musizierende Wirtsleute, hemdsärmelige Misthaufen-Atmosphäre statt Mozart-Metropole, könnte lustig werden!
Ein leicht verwirrter junger Mann an der Rezeption sagt, es gebe ein Problem am Aufzug, wir sollten die Treppe nehmen. Also gut, 20kg-Koffer und zwei Arbeitstaschen stemmen, es gibt wahrlich andere Probleme als zwei Stockwerke zu besteigen.
Am Fuß der Treppe der erste Schock: zwischen Aufzug und Flur liegen 2 Frauenwaden auf dem Boden. Als ich um die Ecke schaue, entdecke ich den ganzen Körper und den Notarzt. Herzmassage, Reanimierung, „das geht gleich zu Ende," sagt mein medizinkundiger Kollege Laurens. Die ältere Dame auf dem Fußboden stirbt tatsächlich, der Wirt des Hauses steht mit verschränkten Armen daneben und kein Mensch kommt auf die Idee, die Szene abzuschirmen vor den neugierigen Blicken anderer Pensionsgäste. Ein unwürdiger Tod zwischen Aufzug und Treppe, aus der Küche wabert Fritteusengeruch, am Zapfhahn plätschert Bier ins Glas.
Heute abend
ereilt also Frankreich, Italien oder Rumänien das gleiche Schicksal wie zuvor
Schweiz, Österreich, Tschechien, Polen und (schon sicher feststehend)
Griechenland: das Aus in der Vorrunde. Aber sie gehen nicht allein. Auch ich
werde mich verabschieden, von dieser Euro, von diesem Blog. Egal, wie das Spiel
Niederlande-Rumänien, unser letztes Spiel bei dieser Euro 2008, ausgehen wird:
Morgen früh treten Reporter Wolf-Dieter Poschmann, dem ich ja als Redakteur zur
Seite sitze, und ich die Heimreise an. Fortan werde ich also auch nur noch als
Fußball-Fan die weiteren Spiele vorm Fernseher verfolgen.
Doch es
hilft ja nicht und verbietet sich auch, jetzt über den Modus dieser EM zu
jammern. Schließlich hatten ja alle die gleichen Voraussetzungen. Und so hätten
die Franzosen oder Italiener ja auch einfach gegen die Niederlande oder
Rumänien gewinnen können. Dann wären sie nicht auf Schützenhilfe der Holländer
angewiesen. Und wir als Reporterteam hätten eben noch besser das Spielgeschehen
rüberbringen sollen, weniger Fehler machen sollen, noch bessere Infos geben
sollen. Ich nehm es sportlich, gebe heute noch mal 90 Minuten alles - und mir
vor, beim nächsten Mal noch besser vorbereitet zu sein.



