Wer erinnert sich noch an Ernst Huberty ?? "Ausgerechnet Schnellinger !!!!!!!" - 1970 - WM Mexiko - das Jahrhundertspiel - Ausgleich in letzter Minute... Philipp Lahm, Quelle: ap

Und gerade eben: Ausgerechnet Lahm!!!!!!! Der Bursche, der bei einem Gegentor kräftig mitgeholfen hat - der im, am oder überm Strafraum dermaßen umgesäbelt wurde, dass ich dachte: o.k. - Elfmeter sind soeben abgeschafft worden - zumindest wenn es sich um ein EM-Halbfinale auf Schweizer Boden mit einem Schweizer Schiedsrichter handelt. Und schließlich auch derjenige Philipp, der seinem Gegner in der Tabu-Zone dann auch ein bissl am Trikot rumgezuppelt hat. Aber dann kam ja der Monsieur-permanent-online-UEFA-Chef Platini, der zum x-ten Mal das Telefon zückte und Signore Busacca ins Ohr flüsterte: "Also jetzt aben wir ausgleischend Gereschtischkeit - jetzt Sie könne pfeife, was sie wolle..." Und dann hat der Signore des Philipps Vorstoß nicht abgepfiffen, trotz der Straftatbestände "Unbotmäßiges Eindringen in des Gegners Strafraum" und "in-bester-Türkenmanier-ein-last-minute-Tor-erzielen".


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Soso: noch zwei Stunden bis zum Anpfiff. Die Spannung steigt, das Fieber auch. Aber erstmal die wichtigste Nachricht: der Blog lebt!!!! Dank der verehrten Kollegin KMH, die anscheinend nicht nur vom Fußball-, sondern auch vom Blog-Fieber gepackt worden ist. Kompliment, Katrin - Klasse ! Du vertrittst uns mehr als würdig - uns unwürdige, daheimgebliebene, Fußball im trockenen Wohnzimmer Guckende...... Darf ich Dich im Namen aller abwesenden Blogautoren beglückwünschen zu Deinem Fleiß ???? Aaaaaaaber: ich wette, vorm Spiel kriegst Du keinen Eintrag mehr hin. Jetzt heißt es: schaffe, schaffe fürs Hauptprogramm.


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Oliver Pocher, Quelle: apHeute Halbfinale, Deutschland-Türkei. Und ja, ich bin nervös! Es sind noch ein paar Stunden....und die wollen sinnvoll irgendwie rumgebracht werden. Mein Tag hat im Prinzip gut angefangen, beim Frühstück saß Oliver Pocher am Nebentisch, mir gegenüber Manuel Bienefeld, also besser kann´s ja schon mal gar nicht kommen und schwupps, ist die erste Stunde rum. Dann kam Koray, ein ebenfalls zauberhafter Kollege aus der ZDF-Redaktion, der junge Mann ist türkischer Abstammung. Was ich an 49.999 von 50.000 Tagen toll finde. Er hat dieses rote T-Shirt an, Sie wissen schon, optisch schön, aber inhaltlich für mich heute nur schwer auszuhalten. Auch auf die Gefahr hin, daß ich mich hier unbeliebt mache: Sie können mir auch gerne noch mal einen Fachvortrag zum Thema Völkerverständigung und Fanfreundschaft halten - ich will, dass wir heute gewinnen. Punkt.

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Wenn ich richtig mitgezählt habe, war gestern der erste spielfreie Tag während dieser EM. Das stresst nicht nur den Fan, der mit dieser spontanen Freizeit nach zwei Wochen kaum noch umgehen kann, sondern auch den Sportjournalisten, der ganz plötzlich - ja ich möchte fast sagen unerwartet - ein paar Stunden am Stück hat, in denen er nicht öffentlich schlau daherreden darf. Da liegt es nahe, sich in diesen Stunden der allgemeinen Verwirrtheit zusammenzurotten und ein gemeinsames Alternativprogramm auf die Beine zu stellen. Wir haben also eine Party gefeiert. In Bregenz.

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Kennen Sie Manuel Bienefeld? Schade! Also Manuel Bienefeld ist einer der zauberhaften Teilnehmer der Reisegruppe Austria/Suisse, mit der ich mich seit über zwei Wochen schon durch die schönen Alpenrepubliken quäle, um für das ZDF die Europameisterschaft zu begleiten. Sein Job ist unheimlich wichtig, er macht hier quasi alles! Manche nennen es redaktionelle Betreuung, ich nenne es kurz: Redaktionsfuzzi. Außerdem ist Manuel ein schrecklich netter Mensch und sieht gut aus. Und dieser Manuel hat mich nun darauf aufmerksam gemacht, dass der hier von mir im Blog angeschlagene Ton wohl nicht ganz den Ansprüchen einer öffentlich rechtlichen Fernsehanstalt genügt: "He, die Katrin bloggt und sie hat gleich im ersten Eintrag drei Mal Sau geschrieben." Das war sein Kommentar heute Morgen beim Frühstück. Das klingt fast so wie:  "He, kaum ist der Jogi von der Bank geflogen fängt er an zu rauchen und saufen".
 
Lieber Manuel, Du hast ja Recht. Ich werde versuchen mich zu mäßigen, wenn - s au - ch manchmal schwer fällt.

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5:0 lautete Youri Mulders Tipp vor dem Viertelfinale seiner Holländer gegen Russland - und ich glaub ihm das auch noch! Nun fahren die Holländer wieder heim - und ganz ehrlich: ich finde das sauschade.

Man konnte dieser Tage ja kaum anders, als zum glühenden Holland-Fan zu werden. Und das lag nicht nur an der bis dato so herzerfrischend aufspielenden Mannschaft, sondern auch an den Fans, die die Spielorte der Oranjes fest im Griff hatten. Zu Hunderttausenden sind sie angereist (kann mal jemand nachschauen, ob Holland gerade leer ist?) und haben eine Freude verbreitet - es war einfach nur geil! Kein ausschließlich reduziertes, schlichtes Rumgegröle - der holländische Fan hat Stil!


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Was macht der ZDF-Reporter an zwei freien Tagen am Stück. Richtig: Fronturlaub! Ab in die Heimat, natürlich im Zug, kostet für akkreditierte Journalisten in Österreich und der Schweiz während der EM nix, erst ab der Grenze will Herr Mehdorn seinen Obulus entrichtet wissen, der kostet übrigens zwischen Grenze und München 39 Euro 60 und zwischen München und Grenze 42 Euro 80. 3 Euro 20 mehr. Warum das so ist, weiß kein Mensch, aber so hat man doch immerhin schon mal ein Thema, über das man die knapp fünfeinhalb Stunden Strecke zwischen der Bayerischen Landeshauptstadt und Basel prima nachdenken kann. Auf dem Weg nach München noch nicht, weil da weiß man das ja noch nicht.... aber wahrscheinlich interessiert das hier sowieso keine alte Sau!
 
Bastian Schweinsteiger, Quelle: reutersNun gut, sehr viel spannender dagegen das Viertelfinale unserer Mannschaft. Für mich war dieser Donnerstag fast ein Erkenntnistrip ins innere Selbst! Sauspannender Fußball im Stadion geht ja noch, da hat man zwischendurch immer mal wieder das sympathische Gefühl, man könne zur Not ja noch irgendwie eingreifen. Klingt dämlich, ist es auch! Sauspannender Fußball im Fernsehen geht eher gar nicht! Hoffnungslos ausgeliefert, der Fan! Dem, was da auf dem Rasen passiert. Neu ist jetzt für mich, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, dem drohenden Nervenzusammenbruch spontan zu entfliehen.Ich weiß von den letzten zehn Minuten der Partie Deutschland-Portugal NICHTS! Mir fehlen komplett zehn Minuten. Parallel-Universum. Augen zu, Finger in die Ohren und sehr laut irgendein albernes Kinderlied singen. Zum Glück hat´s keiner gesehen - der Rest der Runde saß genauso da. Die lade ich nie wieder ein - Weicheier!
 
Und dann passt auch noch das ganz profane Leben in "zwei Tage frei von der Fußballmeute". Solche Tage müssen nicht zwingend schön sein. Mich hat zum Beispiel eine Biene in den Arm gestochen. Sieht ein bißchen aus wie Popeye, aber leider sehr einseitig!
 

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Vorrunden-Aus für den Moderator. Viertelfinale POR - GER im Wohnzimmer von Fußball-Freunden, angereichert mit einem Schoppen Grauburgunder.
 
Dass der Poldi bei seinem grandiosen Sturmlauf vor dem 1:0 seinen Gegenspieler mit abgewinkeltem Arm auf Distanz gehalten hat, wäre mir vor 32 Jahren in der A-Jugend wohl abgepfiffen worden. Und dass der Herr Ballack vor seinem Kopfball den Gegner mit beiden Händen ein bissl weggeschubst hat, hätte damals der Herr Schiedsrichter mit Namen Wind, der ansonsten gern "weiter! weiter!" gerufen hat, mit Sicherheit auch nicht durchgehen lassen.
Aber egal - gejubelt haben wir trotzdem - und ist ja außerdem auch so schnell, das Spiel, im Vergleich zur A-Jugend-Kreisklasse 1976. Und auch der Herr Ronaldo muss ja keinen Fernsehbeweis fürchten, nachdem er nach dem erlittenen Foul erstmal in Ruhe die Lage gepeilt hat, um dann, mit zwei Sekunden Verspätung, doch noch lautstark den sterbenden Schwan zu geben, mit Verdacht auf Fußbruch. Wunderbar.
 
 
P.S.
Letzter Einwurf zur EM der kurzen Wege:  vom Hotel in Genf bis zum Happel-Stadion in Wien zehneinhalb Stunden: den Top-Fluglinien "Austrian Airlines" und "Suisse" sei Dank. Zum Glück war's kein 18-Uhr-Spiel.
 
 
P.P.S. (Abt. "wichtiger als Fußball")
Dem Sohn eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen, auch wenn das nervenzerfetzende Spiel noch nicht abgepfiffen ist. 

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Also gut, ich schreib's doch, weil so viele Kollegen gesagt haben, ich solle es tun. Und weil es so unglaublich ist und doch irgendwie so alltäglich.

 

Auf dem Weg nach Salzburg, Unterbringung nicht in der Stadt, sondern in einem Dorf vor der österreichischen Grenze. Ein volkstümlicher Gasthof, musizierende Wirtsleute, hemdsärmelige Misthaufen-Atmosphäre statt Mozart-Metropole, könnte lustig werden!

Ein leicht verwirrter junger Mann an der Rezeption sagt, es gebe ein Problem am Aufzug, wir sollten die Treppe nehmen. Also gut, 20kg-Koffer und zwei Arbeitstaschen stemmen, es gibt wahrlich andere Probleme als zwei Stockwerke zu besteigen.

Am Fuß der Treppe der erste Schock: zwischen Aufzug und Flur liegen 2 Frauenwaden auf dem Boden. Als ich um die Ecke schaue, entdecke ich den ganzen Körper und den Notarzt. Herzmassage, Reanimierung, „das geht gleich zu Ende," sagt mein medizinkundiger Kollege Laurens. Die ältere Dame auf dem Fußboden stirbt tatsächlich, der Wirt des Hauses steht mit verschränkten Armen daneben und kein Mensch kommt auf die Idee, die Szene abzuschirmen vor den neugierigen Blicken anderer Pensionsgäste. Ein unwürdiger Tod zwischen Aufzug und Treppe, aus der Küche wabert Fritteusengeruch, am Zapfhahn plätschert Bier ins Glas.

 


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Heute abend ereilt also Frankreich, Italien oder Rumänien das gleiche Schicksal wie zuvor Schweiz, Österreich, Tschechien, Polen und (schon sicher feststehend) Griechenland: das Aus in der Vorrunde. Aber sie gehen nicht allein. Auch ich werde mich verabschieden, von dieser Euro, von diesem Blog. Egal, wie das Spiel Niederlande-Rumänien, unser letztes Spiel bei dieser Euro 2008, ausgehen wird: Morgen früh treten Reporter Wolf-Dieter Poschmann, dem ich ja als Redakteur zur Seite sitze, und ich die Heimreise an. Fortan werde ich also auch nur noch als Fußball-Fan die weiteren Spiele vorm Fernseher verfolgen.

Doch es hilft ja nicht und verbietet sich auch, jetzt über den Modus dieser EM zu jammern. Schließlich hatten ja alle die gleichen Voraussetzungen. Und so hätten die Franzosen oder Italiener ja auch einfach gegen die Niederlande oder Rumänien gewinnen können. Dann wären sie nicht auf Schützenhilfe der Holländer angewiesen. Und wir als Reporterteam hätten eben noch besser das Spielgeschehen rüberbringen sollen, weniger Fehler machen sollen, noch bessere Infos geben sollen. Ich nehm es sportlich, gebe heute noch mal 90 Minuten alles - und mir vor, beim nächsten Mal noch besser vorbereitet zu sein.


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Über dieses Blog

Vier Jahre nach Griechenlands überraschendem Sieg bei der Europameisterschaft in Portugal stellt sich nun die Frage, wer den Titel in Österreich und der Schweiz holen kann. Die Antwort darauf erhalten wir am 29. Juni im Ernst-Happel-Stadion in Wien. Doch schon ab EM-Start am 7. Juni blickt die Fußballwelt auf die Alpennationen. Die Autoren dieses Blogs, Thomas Wark, Michael Steinbrecher, Norbert König und Hermann Valkyser, sind vor Ort als ZDF-Reporter im Einsatz. Hier gewähren sie Einblick in ihre Arbeit und geben Geschichten rund um die Fußball-EM zum Besten.

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