Schwarz sehen und trotzdem glücklich

Warum bringen Schornsteinfeger Glück? Und wie erlebt ein Schornsteinfeger diese Vorschusslorbeeren eigentlich? DER MARKER hat mit Lars Schneemann gesprochen, er ist Schornsteinfegermeister und kommt aus Wiesbaden.

Herr Schneemann, vielleicht gleich als erstes: Sie heißen Schneemann und sind Schornsteinfeger – wie reagieren die Menschen auf diese Kombination?


Die Menschen reagieren relativ freundlich. Nun mache ich das ja auch schon seit mehr als 18 Jahren, Und die Kunden sind sehr erstaunt über den Namen und sagen dann: Passt das überhaupt zusammen – ein Schneemann als Schornsteinfeger, weiß und schwarz? Aber es ist okay, und ich komme eigentlich sehr gut damit zurecht.

Vielleicht können Sie uns mal grundsätzlich erklären: Schornsteinfeger und Glück – woher kommt diese Assoziation?

Diese Kombination ist damals schon im Mittelalter entstanden. Damals hatten die Menschen teilweise offene Feuer in Ihren Zimmern, und die hatten meistens nur ein Loch im Dach, um den Rauch abziehen zu lassen. Durch die Flammen, die dadurch entstanden, sollten auch böse Geister vertrieben werden. Dann brauchte man jemanden, der diesen entstehenden Ruß abkehrte.

Und Schornsteinfeger bringen eben Glück, indem sie die bösen Geister vertreiben, indem sie schwarzen Ruß nach draußen beförderten. Aber im Vordergrund stand natürlich immer der Brandschutz: Wenn kein freier Schornstein vorhanden ist, weil er mit Ruß behaftet ist, entstehen natürlich auch Brände. Und so war es immer auch Glück, wenn der Schornsteinfeger im Haus war.

Fühlen Sie sich denn auch persönlich als Glücksbringer? Ist das nicht ein gutes Gefühl, wenn der Job so positiv konnotiert ist?

Ja, definitiv! Ich gehe jeden Tag zur Arbeit und freue mich, für den Kunden den Schornstein sauber zu machen. Man hat seine Berufung. Man möchte einfach, dass die Menschen sicher leben können. Und das ist für mich persönlich auch ein Glücksgefühl.

Verspüren Sie denn Stolz und Genugtuung, wenn Sie die Menschen auf Glück ansprechen? Oder nervt das vielleicht auch?

Beide Fragen beantworte ich mit ja. Stolz definitiv. Man wird bestätigt: Du hast dir einen richtig guten Job ausgesucht. Aber es nervt auch teilweise. Auf dem Land gibt es das eher nicht so sehr wie in der Stadt. Hier werden die Kollegen sicherlich öfter angegrapscht.

Was hat es denn eigentlich genau mit dem Angrapschen auf sich?
Wenn man Schornsteinfeger berührt, soll das angeblich Glück bringen, das glauben die Menschen seit dem Mittelalter.

Das klingt nach einem netten Job. Sind Sie eigentlich selbst glücklich?

Sehr glücklich, auf jeden Fall! Das hängt aber nicht nur mit meinem Job zusammen, sondern damit, dass ich eine tolle Familie habe. Ich bin definitiv glücklich.

(Bild: DPA)

(ZDF) Lutz Harbaum | Kommentieren | 28. November 2011 | 19:00 Uhr | Twittern | Facebook

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