Weltkulturerbe unterm Hammer

Griechenland ist pleite, und unter den Griechen geht die Angst um: Ist ihr Geld auf den Banken überhaupt noch sicher? Aber müssen wir jetzt wirklich helfen? Kann sich das Land nicht selbst aus dem Schuldensumpf ziehen? Gerne helfen wir bei den Recherchen.

Zum Beispiel die Akropolis: Was wäre, wenn Griechenland diese historische Touristenattraktion verkaufen würde? Was wäre sie wert? Dieses Gedankenspiel haben wir mit Dr. Rainer Stüwe durchgespielt. Er ist bei der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar als Kunstsachverständiger tätig. Außerdem schätzt er für die Website www.schaetze24.de Kunstgegenstände ein.

“Zunächst muss man den wirtschaftlichen Umsatz betrachten”, erklärt er uns. Wie sind die Besucherzahlen? Wie viel Geld wird mit dem Eintritt eingenommen?

Wichtig sei auch die Fläche, auf der die Akropolis steht – die Stüwe als “beste Lage Athens” bezeichnet. Er weist außerdem darauf hin, dass es natürlich auch auf den Zustand des Bodens ankomme und sich bestimmt noch viele Fundstücke in der Erde verstecken. Diese müssten ebenfalls in den vermeintlichen Kaufpreis eingerechnet werden.

Wichtig sei auch der Seltenheitswert: “Die Akropolis ist seltener als eine Burg und deshalb auch mehr wert”, erklärt der Kunstexperte. Des Weiteren werde die Akropolis zum Weltkulturerbe gezählt – kein Fakt, den man missachten sollte.

“Es ist bestimmt ein Milliardenwert”, schätzt Rainer Stüwe den Preis ein, den man für die Akropolis verlangen könnte. “Ich weiß jedoch nicht, wie viele Milliarden Griechenland benötigt, um gerettet zu werden.” Wenn es nicht reicht, die Akropolis zu verkaufen, so der Kunstexperte, könne Griechenland doch auch noch darüber nachdenken, das Orakel von Delphi feilzubieten.

PS: Eine weitere Idee: Würde man die Rettung Griechenlands auch antreiben können, indem man mit einem Einkaufszentrum die Wirtschaft ankurbelt? Zum Beispiel eines, das man direkt hinter, vor oder in die Akropolis integriert errichtet?

“Wir betreiben in Athen bereits zwei Einkaufszentren”, sagt Christian Stamerjohanns, Pressesprecher des Großinvestors “ECE Projektmanagement”. “Im Moment würden wir dort deshalb nicht noch eines entwickeln wollen.”

War ja nur so eine Idee.

(Collage: apn / dpa)

(ZDF) Till Frommann | Kommentieren | 24. Oktober 2011 | 17:25 Uhr | Twittern | Facebook

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