Der Rausch danach

Vom ganz bunten Fastnachtstrubel bis zu Schwarz und Weiß und Grau am heutigen Aschermittwoch: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeitsgefühle. Es muss jedoch nicht alles schlecht sein, nur weil man sich schlecht fühlt. Oder doch? Michel de Montaigne, der Erfinder der Essays, hat zum Beispiel geschrieben:

“Wenn wir schon vor dem Rausch Kopfschmerzen bekämen, würden wir uns hüten, zu viel zu trinken. Aber erst kommt die Lust, die uns täuscht und nicht daran denken lässt, was dann kommt.”

Und der Musiker Gisbert zu Knyphausen singt:

“Und wir trinken immer viel zu viel,
Und wir sehn gut dabei aus,
Ja, wir trinken mit Stil
Und wir warten auf den Taumel der Nacht
Wenn das Licht ausgeht
Und unsere trunkene Seele erwacht”

Ein Bier. Zwei Biere. Einen Kurzen. Und dann noch einen. Und immer ist das letzte Bier davon schlecht oder der letzte Kurze, und am nächsten Morgen haben wir einen Kater, und wir wollen nicht mehr, nie, nie wieder auch nur irgend etwas Alkoholisches trinken.

Einerseits.

Andererseits ist gerade der Kater nach dem Rausch genau das, was wir wollen. Dass wir physisch und psychisch angeschlagen und am Boden zerstört sind. Dass wir uns daran erinnern, wie es ist, wenn wir nüchtern sind.

Gesund.

Ausgeruht.

Wach.

Solch ein Kater ist wie eine kleine Verletzung. Wie ein kurzes, bewusstes Sich-kurz-mal-aus-dem-Alltag-Nehmen. Wir verletzen uns, um zu spüren, wie es ist, am Leben zu sein.

Und die paar Hirnzellen, die dabei absterben! Dafür lebt man danach bewusster, weil man weiß, wie es ist, nicht mehr ganz auf der Reihe zu sein.

Darauf ein Bier. Oder zwei.

(Bilder: mev / dapd)

(ZDF) Till Frommann | Kommentieren | 22. Februar 2012 | 13:18 Uhr | Twittern | Facebook

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