Wie man die Welt retten kann – der Deutsche Monopoly-Meister berät
Das ganze Leben ist ein Spiel – auch wenn es um die finanzielle Existenz diverser Länder geht, wenn nicht sogar um die der gesamten Welt. Hans-Georg Schellinger ist der amtierende Deutsche Monopoly-Meister. Der 47-Jährige kennt sich mit Geld, Geschachere um Moneten und Abzocke aus. Der richtige Gesprächspartner also für uns, mit dessen Wissen wir vielleicht doch noch aus der Finanzkrise herausstolpern können.
Sollten die Wirtschaftsbosse mehr Monopoly spielen?
Ob Monopoly etwas mit dem realen Leben zu tun hat, ist schwer zu sagen. Denn beim Spielen kann man die anderen auch abzocken, da riskiert man nichts. Im echten Leben sollte man vielleicht etwas vorsichtiger sein.
Sind Sie als Deutscher Monopoly-Meister eher offensiv beim Spielen, oder eher zurückhaltend?
Es kommt auf die Situation an. Wenn man gute Chancen hat, kann man vorsichtig spielen. Je schlechter die Chancen sind, desto mehr Risiko muss man eingehen.
Ist nicht sowieso alles Glückssache – ob nun im echten Leben oder bei Monopoly?
An sich geht ohne Glück gar nichts. In Griechenland, denke ich, haben die Politiker zu lange damit gewartet, unpopuläre Entscheidungen zu treffen.
Was sind denn unpopuläre Spielzüge bei Monopoly? Zieht man vielleicht freiwillig ins Gefängnis?
Wenn das Spielbrett verbaut ist, also viele Hotels und Häuser vorhanden sind, dann ist das Gefängnis der beliebteste Platz. Man muss keine Miete bezahlen, weil man auf keine fremden Felder kommt, aber kann weiter kassieren. Also ein preiswerter, sicherer Platz.
Das heißt: Dort ist es sehr kuschelig. Wenn man es auf das echte Leben überträgt, sollten die Finanzminister von Griechenland, den USA und Italien ins Gefängnis wandern und abwarten, bis sich der Nebel gelichtet hat?
Wenn man Verantwortung abgeben müsste – ja. Bei Monopoly würfelt man drei Mal und ist wieder im Spiel. Im echten Leben muss man jedoch durch das Problem durch.
Andererseits: Das Gefängnis wäre doch auch eine Möglichkeit, das Problem zu lösen. Frau Merkel macht ja auch manchmal nichts und sitzt Dinge einfach aus.
Das Aussitzen hat sie von ihrem Vorgänger – es ist eine große Stärke von Helmut Kohl gewesen.
Sie sind 2009 zum zweiten Mal deutscher Meister in Monopoly geworden. Wie aggressiv sind Sie dort vorgegangen?
Als ich deutscher Meister wurde, habe ich das erste Spiel verloren, beim zweiten Spiel bin ich Zweiter geworden. Deshalb blieb mir beim dritten Spiel nichts
anderes übrig, als aggressiv zu spielen. Ich hatte nur noch hopp oder topp und bin dafür belohnt worden, dass ich etwas riskiert und so gewonnen habe.
Wäre das vielleicht eine Idee für die verschuldeten Länder – dass sie Luxushotels auf die Parkstraße stellen und warten, dass jemand vorbei kommt?
Es ist die Frage, wie viele Menschen mit realem Geld vorbei kommen. Das Leben ist doch kein Spiel!
Da haben Sie Recht. Wer will schon nach Griechenland, Italien oder nach Amerika, das sind doch alles eher unpopuläre Reiseländer. Wer will schon die Akropolis sehen?
Athen ist mal abgesehen von der Akropolis wirklich nicht allzu interessant. Griechenland ist wohl eher für einen Badeurlaub geeignet.
Wie sehr spiegelt Monopoly überhaupt die Realität wider? Man kann viel gewinnen, man kann viel verlieren, man kann bankrott gehen.
Monopoly ist nun einmal ein Spiel, und das Schöne am Spiel ist, dass man Dinge tun kann, die man im realen Leben nie machen könnte. Beim Spielen riskiere ich lediglich, zu gewinnen oder zu verlieren. Im wahren Leben ist man nachher pleite – oder andere Länder sind pleite. Im Spiel kann ich jemanden rausschmeißen oder andere in den Bankrott treiben.
Aber das machen die Wirtschaftsbosse doch auch in der Realität?
Es ist nicht sinnvoll, andere Menschen in den Bankrott zu treiben. Es geht doch darum, dass Firmen weiterhin Einkommen geben können. Es macht keinen Sinn, dass ich meine Miete nicht mehr bezahlen kann. Monopoly ist wie ein K.O.-System angelegt – also dass ich meine Gegner aus dem Spiel dränge. In der Realität sollte es doch nicht der Sinn sein, andere aus dem Spiel zu drängen.
So ist es jetzt aber anscheinend schon. Wenn die USA, Griechenland und Italien pleite gehen sollten, könnte man sie vielleicht einfach aus allen Weltkarten streichen, weil sie verloren haben. Denn nur der Beste gewinnt. Sagen wir – vielleicht Deutschland? Deutschland hätte dann die Weltkrisenmeisterschaft 2011 gewonnen.
Deutschland ist Exportweltmeister, ich weiß nicht, ob unser Land großes Interesse daran hat, dass die Weltkarte kleiner wird. Sie machen die Geschäfte zu großen Teilen im Ausland, und wenn das Ausland gestrichen würde, weil es pleite ist, hätten wir auch nichts davon.
Aber wir wären Sieger!
Dann könnten wir uns einen Pokal auf den Ofen stellen, aber davon hätten wir auch nichts – den könnten wir nicht essen.
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(ZDF) Till Frommann | Kommentieren | 01. März 2012 | 11:04 Uhr |
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