Durban: “Fast schon zynisch, von Erfolg zu sprechen”

Dennis Tänzler arbeitet als Umweltexperte bei “Adelphi”, einer Institution für politische Strategieberatung. Er ist eine Woche lang auf dem Klimagipfel in Durban gewesen – mit ihm haben wir uns über Umwelt und den Erfolg der Konferenz unterhalten.


Was hat Durban gebracht – oder ketzerisch gefragt: Hat Durban überhaupt etwas gebracht?

Es hat auf jeden Fall einigen Menschen die Nachtruhe geraubt, aber im Ernst: Es hat zumindest einen Fahrplan aufgezeigt, wie es die nächsten Jahre weitergehen wird, und das ist sicherlich das Minimum dessen, was man erhofft hatte.

Was es meines Erachtens nicht gebracht hat, ist die Gewissheit, dass der Klimaschutz in dem Maße gewährleistet wird, wie er eigentlich notwendig ist. Das wird normalerweise mit dem Zwei-Grad-Ziel ausgedrückt – also dass die Klimaerwärmung auf weniger als zwei Grad beschränkt wird. Dieses Ziel ist sicherlich in weitere Ferne gerückt.

2020 soll es dann aber mal so richtig mit dem Klimaschutz losgehen.

Ob es dann wirklich richtig losgehen wird, dazu haben die Regierungsvertreter relativ wenig gesagt. Was man aber tatsächlich festgelegt hat ist, dass alle Nationen an diesen Bemühungen teilhaben werden, und das ist das zumindest qualitativ Neue, weil vorher bestimmte Länder ausgeschert sind, wie die USA, oder bisher noch keine verbindenden Verpflichtungen hatten, wie China oder Indien. Das heißt, sie sind im Grunde im Boot, aber erst ab 2020.

Und bis dahin können sie es sich noch einmal überlegen, aus dem Boot auszusteigen, um bei dieser Metapher zu bleiben?

Wenn man die Metapher noch weiter tragen möchte, ist das Boot vielleicht bis dahin schon so voll mit Wasser gelaufen, dass es dann nur noch ein Wegschwimmen sein wird.

Im “heute-journal” haben die Kollegen die Metapher einer Schnecke verwendet, um zu symbolisieren, wie langsam Klimaschutz vonstatten geht. Stimmt diese Metapher?

Es gibt fernab von Durban viele Initiativen, die weltweit unterhalb der Regierungsebene in einzelnen Ländern das Ziel verfolgen, das Klima zu schützen. Aber auch das Schneckenrennen von Durban trägt zum Klimaschutz bei: Zum

einen ist beschlossen worden, dass das, was Europa und einige wenige andere Länder im Rahmen des Kyoto-Protokolls bereits heute betreiben, weitergeführt wird. Auch positiv, dass sich eine neue Koalition von Ländern gebildet hat – nämlich Europa mit den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern. Das lässt auch in Zukunft Fortschritte jenseits von globalen Verhandlungszentren erhoffen.

Ist es ein Erfolg gewesen, dass alle an einem Tisch saßen und alle sich zum Klimaschutz verpflichtet fühlen?

Es ist schwierig, eine wesentlich aufgeschobene Entscheidung schon als Erfolg zu verkaufen. Es ist noch kein Erfolg, wenn man einen Fahrplan hat, ohne das Fahrzeug und die Endstation zu kennen. Da können die anderen Fahrgäste noch so nett sein. Dadurch, dass diese Entscheidung jetzt nicht unmittelbar umgesetzt wird, sondern bis 2020 bedeutende Jahre für den Klimaschutz in einigen Ländern verstreichen lässt, wäre es fast schon zynisch, von einem Erfolg zu sprechen.

Kann man sagen, dass sich immer mehr Menschen für Umweltprobleme interessieren, weil vielen die Gefahr immer bewusster wird?

Ich kann mir vorstellen, dass es mittlerweile über die Jahre hinweg eine größere Sensiblisierung für die Probleme gibt, die mit dem Klimawandel einhergehen. Es ist jedoch bislang wenig davon zu sehen, dass das auch in Verhaltensänderungen umschlägt. Diese müssten in einer Reihe von unseren Alltagshandlungen geschehen – nämlich in unserer Mobilität bis hin zu anderen Konsumentscheidungen wie etwa bei der Ernährung. Höhere Sensibilität ja, aber Verhaltensänderung eher noch nicht.

Dann hoffen wir, dass bis 2020 das Schiff noch nicht untergegangen ist. Vielen Dank für das Gespräch.

(Bilder: Reuters / privat)

(ZDF) Till Frommann | 1 Kommentar | 12. Dezember 2011 | 17:32 Uhr | Twittern | Facebook

Ein Kommentar

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