3sat kürzt "Sixtus vs. Lobo"...

...oder: Was eine einzige Sekunde ausmacht




Was manche scheinbar unglaublich beschäftigt hat: Warum hat 3sat "Sixtus vs. Lobo" (Folge 18) um eine Sekunde (!) gekürzt? Wir haben nichts gegen Satire und sind auch nicht der katholischen Kirche verpflichtet, aber der Mario Sixtus-Satz "Die CSU möchte neue Internet-Angebote vor ihrer Freischaltung von Vertretern der katholischen Kirche und anderen Pädophilie-Experten begutachten lassen." impliziert, dass die Vertreter der katholischen Kirche pauschal ebensolche Experten sind. Und woher hat der Klerus diese Kompetenz? Hier bleibt diesmal nur wenig Raum für Interpretation. Das ist eine nicht beweisbare Behauptung, die wir bei keiner Organisation oder Institution je anstellen sollten.

Selbst wenn das als Satire gemeint war,
das wollten wir so nicht. So haben wir es uns vorbehalten, diese pauschale Behauptung über Vertreter einer religiösen Gemeinschaft kurzfristig aus dem Programm zu streichen. Ansonsten blieb "Sixtus vs. Lobo" wie immer unzensiert (doch wer möchte hier ernsthaft von "Zensur" sprechen). Danke aber für die Aufmerksamkeit.


11 Kommentare

"Der Klerus hat diese Kompetenz", weil er pädophile Mitarbeiter in seinen Reihen hat, und deshalb zwangsläufig mit diesem Problem umgehen muss. Nennt mir bitte mal einen einflußreichen Verein, der mehr nachweislich Pädophile in seinen eigenen Reihen beschäftigt/toleriert (hat)?

Hört eure Satire bei den Katholiken auf? Ihr traut euch sicher auch nicht Jesus-Karikaturen zu bringen.
Ja, nur eine einzige Sekunde hat es gebraucht, um wieder zu zeigen, wie ärmlich die deutsche Medienlandschaft doch gewöhnlich funktioniert.
Amen.

Das ist keine "nicht beweisbare Behauptung", es ist gar keine Behauptung, auch wenn nur wenig Raum für Interpratation ist. Ja, es handelt sich offensichtlich um eine Anspielung auf einige pädophile Priester. Es ist aber ebenso offensichtlich eine Übertreibung, wie sie in der Satire gang und gäbe ist! Wollten Sie alle sogenannten "nicht beweisbaren Behauptungen" aus "Sixtus vs. Lobo" streichen, würde von der Folge nichts übrig bleiben. Auch aus anderen Folgen müsste ein Großteil gestrichen werden. Beispiel: Denken Sie an die CounterStrike-Folge, wo angedeutet wird, das Spiel führe zu zu Gewalt und Amokläufen, obwohl das so pauschal nie nachgewiesen wurde und sogar Studien existieren, die in die gegenteilige Richtung weisen. Nach ihrer Definition müsste diese satirische Übertreibung ebenfalls eine schlimme Verleumdung darstellen.

Sie messen hier offensichtlich mit zweierlei Maß.

Ja sicher - das war zweierlei: damals war es (gut verständlich) Ironie, diesmal leider nicht ganz gelungene Satire (wie dehnbar das nun auch sein mag).
Auch wenn wir uns die Narrenkappe aufsetzten, muss man eben doch noch 'mal schauen, ob man es auch wirklich so sagen oder senden sollte...
-Schwamm d'rüber-


Hätte man zum Beispiel die Vertreter der Piraten pauschal "pädophil" genannt, wäre es auch etwas problematisch geworden...

So ziemlich jeder TV-Sender muss seine Inhalte prüfen und eben manchmal auch überdenken. Das gilt auch immer für satirische Inhalte.
Und: Für mangelnde Satire oder fehlende Unabhängigkeit ist ausgerechnet 3sat ja sicher nicht bekannt.

Schade!
Ich habe so viele Berichte über Beschäftigte der katholischen Kirche gelesen, gesehen und gehört, die sexuellen Erfahrungen mit Kindern hatten, dass ich meine Kinder niemals mit einem katholischen Pastor alleine lassen würde.
Warum das nicht mal offen aussprechen?
Ist die Gesellschaft da noch nicht reif für oder Ihr Intendant?
Ist vielleicht keine Zensur, dürfte sich aber wie ein Schlag ins Gesicht für die Opfer der werten Herren anfühlen.

Online-Redakteur, du, der du das hier liest. Wir beide wissen, dass das nicht okay ist.

"Neues aus der Anstalt", "WDR Mitternachtsspitzen", ... Im Mainstream ist Satire voll okay, aber nicht bei einem immer noch zartem Pflänzchen wie "3sat neues"?

Beleidige mich nicht mit CSU, CDU, CDF, Kirche und dergleichen. Du und ich wissen, dass das dumm ist.

(dabei habe ich mir ein Bein ausgerissen, euch auf netzpolitik.org zu verteidigen)

PS:"der eingetrage Sicherheitscode war falsch"

Wir sind ganz deiner Meinung. Keiner sollte irgendwen beleidigen. Und Satire ist immer in Ordnung. Danke jedenfalls für deinen Kommentar (und für das Bein).

Liebe 3SAT-Mitarbeiter,
"Das wollten wir so nicht" ist in mehrfacher Hinsicht die typische Ausrede wenn ein System sich ausgewachsen hat. In der Geschichte finden sich dazu sehr hübsche Beispiele. Herr Knopp wird dazu sicherlich fachlich beraten können...

Oder vielleicht rufen sie mal bei ihrem Schwestersender in der Redaktion von "Neues aus der Anstalt" an und lassen sich nochmal den Begriff 'Kabarett' und gewisse Stilmittel erklären.

Letztlich haben sie sehr schön unter Beweis gestellt was Hagen Rether in einer provokativen These formulierte: Wenn man echte Fundamentalisten sehen möchte, muss man nur 'Das Leben des Brian' im Kölner Dom aufführen.

Gute Argumente kann man auch ohne Girlanden aus "was manche scheinbar unglaublich beschäftigt", "wer möchte hier ernsthaft von 'Zensur' sprechen" und "war doch nur eine einzige Sekunde" vorbringen. Wenn in einem Buch Stellen geschwärzt werden müssen, wäre es auch albern, mit "aber es handelt sich doch nur um ganz wenige Wörter, kaum ein Prozent des Buchs" zu argumentieren. Man kann den Kuchen nicht haben und ihn essen, also Inhalte zensieren und es dann aber nicht so genannt haben wollen. Bitte entweder mehr Rückgrat beim Senden von Satire oder mehr Rückgrat beim Verteidigen von Zensur.

Und Alle so: "Laasch"

;-)

Hach, wie der Zufall so will. Ihr hättet der Zeit voraus sein können :P
Oder nicht?
http://www.dradio.de/kulturnachrichten/2010020614/2/

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