Kuba: Das Reförmchen

Cubas Staatschef Raul Castro

Cubas Staatschef Raul Castro

 

Der 7. Oktober 2012 könnte für Kuba zu einem Schicksalstag werden. Denn an diesem Tag wählt Venezuela einen neuen Präsidenten! Der bisherige Amtshinhaber, der Sozialist Hugo Chavez, ist ein enger Freund der Castro-Brüder. Zwar ist Chavez der aussichtsreichste Kandidat, aber gleichzeitig auch durch eine Krebserkrankung schwer angeschlagen.

Erstmals seit Jahren wittert die Opposition Morgenluft. Sollte es in Caracas zu einem Regierungswechsel kommen, könnte sich auch für Kuba vieles verändern. Denn Havanna hängt am Tropf Venezuelas, das die Insel mit Öllieferungen und Devisenzahlungen am Leben hält. Sollte Chavez’ Herausforderer Capriles Kuba den Hahn zudrehen, könnte sich die Versorgungslage auf der Insel dramatisch verschlechtern.

Den Kubanern sitzt der Schock der 90er Jahre noch tief im Nacken, als von heute auf morgen die Sowjetunion als Hauptsponsor ausfiel. Raul Castros Reformen reichen allein nicht aus, das Land aus der Misere zu führen. Oder sollte man nicht besser von Reförmchen sprechen? Vor knapp zwei Jahren hat er den Kubanern die Selbständigkeit erlaubt. Wer kann, fährt Taxi oder schneidet Haare auf eigene Rechnung.

Seitdem hat sich das Straßenbild in Havanna verändert, heute sieht man jede Menge fliegender Händler mit Obstkarren, Eisenwaren oder Klempnerbedarf. Es wird wieder renoviert und gebaut. Mehr moderne Autos kreuzen die Straßen, wo früher nur Oldtimer aus den 50er Jahren unterwegs waren. So weit, so gut, doch Industriebetriebe oder Ingenieurbüros bleiben unter staatlicher Regie, die wirklich produktiven Tätigkeiten sind also weiterhin verboten.

Kubas Wirtschaft wird sich ohne Hilfe von außen kaum berappeln können. Und auf tiefgreifendere Reformen brauchen die Kubaner unter der Ägide von Raul Castro kaum zu hoffen. Sein Kurs ist keine Abkehr von kommunistischer Doktrin. Im Gegenteil: Die Reformen sollen die Wirtschaft ankurbeln, das Regime aber unangetastet lassen.

makro

makro - Jeden Freitagabend bietet makro Orientierung im globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem für die globalen Zusammenhänge.

Kommentieren | 19. Juli 2012 | 15:31 Uhr | Twittern | Facebook

Was sagen Sie dazu?