Spaniens Banken: Die Zombies

Euro im Kreuzfeuer

Euro im Kreuzfeuer, Bild: dpa

Die Zombies sind unter uns. Zum Beispiel in Spanien. Bei über der Hälfte aller 67.000 spanischen Bau- und Immobilienfirmen könne man von Zombie-Unternehmen sprechen, schätzt  R.R. de Acuna & Asociados, ein Beratungsunternehmen aus der Branche. In Spanien stehen als Folge des Immobilienbooms abertausende Häuser und Wohnungen leer. Kein Mensch baut da jetzt noch etwas Neues. In der Branche herrscht Flaute. Und die wird noch Jahre anhalten.

Wenn Unternehmen keine Einnahmen haben, können sie auch keine Kredite bedienen. Von denen gibt es bei den Immobilienentwicklern aber jede Menge. Das spanische Wirtschaftsministerium bewertet neuerdings ein Kreditvolumen von 184 Milliarden Euro als problematisch, weitere 123 Milliarden seien in Ordnung. Die Analysten des japanischen Bankhauses Nomura verleichen die spanische Situation mit der Immobilienblase in Irland und rechnen bei Spaniens Banken mit einem Abschreibungsbedarf von 9 bis 76 Milliarden Euro.  R.R. de Acuna & Asociados rechnet mit faulen Krediten von 104 Milliarden Euro. Wieviel es hinter wirklich wird, ist schwer zu sagen.

Delay & pray
Das Problem ist – es überrascht nicht wirklich – das Geschäftsgebaren der Banken. Nach dem dem Motto “delay & pray” behaupten die Kreditinstitute tapfer, die Kredite würden vereinbarungsgemäß zurückbezahlt. Das geht dann so: Ist ein Bauunternehmen bankrott und kann seine Kreditraten nicht mehr zahlen, bekommt es von der Bank einen neuen Kredit, mit dem die Raten für den alten beglichen werden können. So kann die Bank behaupten, der Kredit würde bedient und braucht in ihrer Bilanz keine Rückstellungen zu bilden. Alles super also.

Diese Bilanztricksereien sind auch der Grund, weshalb Banken von ihren Schuldnern nicht die Zwangsliquidierung von Vermögenswerten (Immobilien, Bauland) zur Rückzahlung der Kredite fordern. Genau genommen versuchen die Banken auf Biegen und Brechen zu vermeiden, dass es zu solchen Zwangsverkäufen kommt. Dann bekäme nämlich der Vermögenswert, der dem Kredit zugrunde liegt, ein Preisschild. Und die aufgeblasene Bilanzierung flöge auf. Die Banken arbeiten also bei der Verschleierung ihrer Bilanzen mit allen Tricks.

Pleite-Vorbild Irland
Bisher ging es nur um faule Kredite in der Immobilienbranche. Hier gilt aber: Je länger das Problem vor sich hinfaulen kann, desto schlimmer wird es. Viele andere Unternehmen geraten in den Rezessionsstrudel und werden ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können. Nicht zu vergessen der spanische Verbraucher: Der ist ebenfalls bis über beide Ohren verschuldet.

Der spanische Staat kann in seiner angespannten Finanzlage dieses Problem nicht zusätzlich schultern. Wir hätten sofort die irische Situation: Die Banken sind pleite. Der Staat rettet die Banken. Der Staat ist pleite.

Wie kommt man da raus?
1) Den spanischen Banken direkt aus dem europäischen Rettungsfond helfen. Das fordern neben der EU-Kommission, deren Sachverstand in diesen Fragen gelegentlich angezweifelt werden darf, vor allem auch IWF und EZB. So könnte es gelingen, das Bankenproblem von den Finanzierungsschwierigkeiten des spanischen Staates zu trennen. Die Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy hätte dann eine echte Chance, das havarierende spanische Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Natürlich müsste die Kapitalspritze aus dem Rettungsschirm mit unternehmerischer Beteiligung (und damit verundener direkter Kontrolle!) an den jeweiligen Banken einhergehen und nicht blos mit weiteren Krediten. Von denen gibt es bereits mehr als genug.

2) Ein Einlagensicherungsfonds für Eurolands Sparguthaben. Nur so ist sichergestellt, dass ein Euro auf einem spanischen, portugiesischen oder italienischen Sparbuch genausoviel wert ist wie auf einem deutschen. Eine anhaltende Kapitalflucht aus den Problemländern bringt früher oder später jede Volkswirtschaft zum Einsturz. Da kann man nicht gegenanreformieren.

3) Eine schlagkräftige europäische Bankenaufsicht. Die Bilanztrickserein in Spanien – genau wie zuvor in Irland und vermutlich überall sonst – sind zwangsläufige Folge einer zahnlosen Bankenaufsicht. Die wiederum ist logische Folge der elendigen Mauscheleien zwischen nationalen Banken und nationalen Regierungen. Die Politik läßt die Banken machen, solange die Banken der Politik immer neue Kredite geben.

Bisher besteht die “europäische Bankenaufsicht” aus vier verschiedenen Institutionen in Frankfurt, Brüssel, Paris und London. So ist sichergestellt, dass es sich um einen zahnlosen Tiger handelt. Das muss ein Ende haben. Die Bankenlobby wird dagegen natürlich Sturm laufen.

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2 Kommentare | 05. Juni 2012 | 15:28 Uhr | Twittern | Facebook

2 Kommentare

  1. Zitat:
    “Wie kommt man da raus?
    1) Den spanischen Banken direkt aus dem europäischen Rettungsfond helfen…”
    Nur mal so nebenbei:
    Over-Banking in Spanien….
    1 Bank auf 1000 Kunden
    Wolln sie die etwa alle retten? ^^
    Was hier in Europa abläuft ist ja nicht mehr von dieser Welt, das ist purer Wahnsinn!
    http://www.zerohedge.com/news/spain-most-over-banked-nation-europe

    Reffke | 6. Juni 2012 | 10:25 | Antworten
    • makro

      Hallo Reffke,

      Sinnvoll sind natürlich nur Kapitalspritzen für Institute, bei denen etwas zu retten ist. Bei den anderen geht es um Abwicklung. Daher ja auch die unabhängige Aufsicht. Und, ja, natürlich gibt es viel zu viele Banken in Spanien. Hier hat ja bereits die Regierung Zapatero einen Fusionsprozess erzwungen. Das löst aber nicht das akute Solvenzproblem – die faulen Kredite der Bank A addieren sich zunächst blos zu den faulen Krediten der Bank B. Wichtig bei der ganzen Angelegenheit ist, dass die normalen Leute nicht ihre Spargroschen verlieren.

      Beste Grüße

      makro | 6. Juni 2012 | 12:08 | Antworten

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