Polen & Ukraine: Reden Sie mit!

Während Polen mit großen Schritten vorankommt, hinkt die Ukraine immer mehr hinterher.

Während Polen mit großen Schritten vorankommt, hinkt die Ukraine immer mehr hinterher.

Am 8. Juni ist Anpfiff in Warschau, am 1. Juli ertönt in Kiew der Schlusspfiff zur Fußballeuropameisterschaft der Herren. Zwei Länder teilen sich die Ausrichtung, die momentan unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Ukraine ist nicht erst seit der Timoschenko-Affäre ins Hintertreffen geraten. Die wirtschaftlichen Strukturen sind veraltet und wenig effizient.

Polen dagegen hat sich als neues EU-Mitglied in relativ kurzer Zeit große Anerkennung in Europa erarbeitet. Warschau zeigt eine solide Regierungsarbeit und überzeugt durch stabile Wachstumsraten. Entsprechend will sich Polen zur Fußball-EM als modernes europäisches Land zeigen. Doch um Anschluss an Westeuropa zu finden, muss Warschau noch einige Hausaufgaben machen. Diskutieren Sie nach der makro-Sendung über die Stärken und Schwächen der Wirtschaft Polens mit dem Wirtschaftswissenschaftler Sebastian Plociennik von der Universität Breslau.

Wir freuen uns auf Ihre Fragen und Meinungen!

Hinweis: Es wird ein paar Minuten dauern, bis unser Studiogast nach der Sendung einsatzfertig an einem Rechner sitzt.

makro

makro - Jeden Freitagabend bietet makro Orientierung im globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem für die globalen Zusammenhänge.

27 Kommentare | 18. Mai 2012 | 18:09 Uhr | Twittern | Facebook

27 Kommentare

  1. Sehr geehrtes 3. Sat Team,

    ich habe Ihre Sendung mit großem Interesse verfolgt und muß gestehen, dass sie sehr gut war! Der Beitrag zeigt sehr objektiv, dass Polen sich in den letzten Jahren stetig und dynamisch entwickelt hat. Der Beitrag zeigt aber nicht nur die schönen Seiten Polens, sondern auch einige Probleme des Landes auf, wie beispielsweise die Energieversorgung oder die schlechte Infrastruktur (Autobahnen und den Bahnverkehr). Polen wird dabei aber langfristig nur eine Chance haben, wenn in Politik und Wirtschaft endlich nachhaltig bzw. strategisch gedacht wird. Das verhältnismäßig niedrige Lohnniveau wird nämlich nicht auf Dauer zu halten sein, so dass viele ausländischen Firmen ihr Kapital abziehen könnten. Innovationsfähigkeit, gute Infrastruktur und gute Fachkräfte sind die Grundlage dafür, dass Polen sich auch weiterhin gut entwickelt und den jetztigen Erfolg auch langfristig sichert. Dem entgegen stehen könnte vor allem die polnische Mentalität schnelle Gewinne einer langfristigen Entwicklung vorzuziehen, mit katastrophaler Planung und Organisation zukünftige Infrastrukturprojekte zu blockieren und mit einer aufgeblähten und unnötigen Bürokratie Unternehmergeist und Investitionen zu verhindern.

    @ Sebastian Plociennik: Ich fand Ihren Einwand zum Boykottaufruf gegen die Ukraine sehr treffend. Ich bin nämlich der Auffassung, dass man mehr damit bewirkt wenn man in ein Land fährt, sich selbst von der Situation vor Ort ein Bild macht und dann Probleme offen anspricht. Neben der berechtigten Kritik an der Ukraine aus den Medien und Politik finde ich es sehr ungerecht, dass in der Wahrnehmnung der Deutschen Bevölkerung sehr stark beim Thema Ukraine im Gegensatz zu anderen Ländern differenziert wird. Deutschland macht sehr große Geschäfte mit Russland und China, tritt aber gegenüber diesen Mächten weitaus weniger energisch gegenüber Menschenrechtsverletzungen auf als jetzt gegen die Ukraine. Haben wir denn die olympischen Spiele in Peking boykotiert oder wollen wir etwa die Winterolympiade in Sotschi boykotieren!

    Lukas | 18. Mai 2012 | 22:25 | Antworten
  2. Liebe Zuschauer, liebe Besucher unseres Blogs,
    das makro-Team sagt danke für Ihr Interesse an unserer Sendung und für Ihre Fragen und Statements. Und natürlich auch ein herzliches Dankeschön an unseren Gast, Sebastian Plociennik von der Uni Breslau.
    Nach dem Blick auf den EM-Gastgeber Polen schauen wir nächste Woche auf das Milliardengeschäft rund um den Fußball. Bis dahin wünschen wir eine schöne Woche.

    makro | 18. Mai 2012 | 22:12 | Antworten
  3. Guten Abend Herr Plociennik,
    danke für den aktuellen Überblick über die poln. Wirtschaft. Frage: Wenn Polen sich aktuell so gut entwickelt, wieso ist dann der polnische Zloty in Relation zum EURO so schwach? An der Stärke des EURO kann es ja nicht liegen.

    Go East | 18. Mai 2012 | 22:01 | Antworten
    • Wir sind bei Londoner Waaehrungshaendler in derselben Schublade wir alle Emerging economies. Wenn es in Ungarn schlecht geht, wird auch zloty verkauft. Langsam aber lernen Investoren, dass sich Polen doch positiv unterscheidet. Die Rating war manchmal besser als von Frankreich.
      Damit das alles nicht zu schoen klingt: unser Waehrungsmarkt ist sehr klein und kann einfach durch spekulation destabilisiert werden. Dies erklaert zum Teil die Schwankungen

      Sebastian Plociennik | 18. Mai 2012 | 22:07 | Antworten
  4. Eine sehr gute Sendung, die Standort ‘Polen’ nach über 20 Jahren freier Marktwirschaft darstellt. Sehr gut journalistisch recherchiert! Was halten Sie fürs Entscheidende, daß sich Breslau so gut entwickelt hat und meine Heimatstadt Stettin noch einges nachzuholen hat? Unternehmer, der in Deutschland in 80-ger Jahren studiert hatte, Mechanismen freier Marktwitschaft kennengelernt hatte und seit 20 Jahren sein eigenes Unternehmen in Polen erfolgreich führt.

    Piotr Romanowicz | 18. Mai 2012 | 21:54 | Antworten
    • eine gute Frage:
      Wroclaw: stabile, politische Verhaeltnisse in der Stadt. Es gab von Anfang an kaum politische Streitigkeiten, wie in anderen Regionen. Sehr wichtig auch war sehr dynamische Politik, auslaendische Investoren anzulocken. Nicht irgendwelche – es wurden bestimmten Branchen bevorzugt. Noch ein Punkt: Kultur und Identitaet. Die Stadt kuemmerte sich sehr stark darauf, dass es sich eine Art regionaler Patriotismus entwickelt. Dabei halfen solche Projekte wie Expo. Es gab keine Chancen gegen Shanghai zu gewinnen, aber Leute hatten zumindest viel Spass!

      Sebastian Plociennik | 18. Mai 2012 | 22:04 | Antworten
  5. Der Aufstieg Polens ist schön zu beobachten. Vor allem heutzutage wo die Wirtschaft der westeuropäischen Ländern schwächelt sticht Polen bemerkenswert hervor.

    Die positive Entwicklung könnte noch viel schneller gehen, doch der Wandel findet vor allem in den Köpfen der Menschen statt. Der Großteil der herschenden Eliten gehört noch zu einer Generation mit sozialistisch geprägtem Weltbild.

    Polen sollte Anreize schafften um die Jungen gut ausgebildeten Menschen im eigenen Land zu halten, da sehr viele Junge in den skandinavischen / anglosachsischen Raum auswandern, da Ihnen das dortige Leben zufriedenstellender erscheint.

    matthias.reinhard.box@gmx.de | 18. Mai 2012 | 21:52 | Antworten
    • Viele, die im Westen ihr Glueck suchten, kamen nach Polen zurueck. Es bedeutet nicht, dass das Land ideal ist, aber WAECHST. Emigranten beklagen Buerokratie, die im Vergleich zu UK umstaendlich ist und Fehlen von oeffentlichen Fonds fuer Innovationen. Dies koennte sie in wenigen Jahren weiter zur Emigration ueberzeugen, deswegen muss ich die Regierung nach den EM auf diese Ziele konzentrieren

      Sebastian Plociennik | 18. Mai 2012 | 21:58 | Antworten
  6. Welche Auswirkungen auf die polnische Wirtschaft sehen Sie im Eintritt Polens in die Eurozone? Halten Sie einen Eintritt während der momentanen Krise für sinnvoll?

    Bartosz | 18. Mai 2012 | 21:45 | Antworten
    • Zloty ist eine recht stabile Waehrung. Polen verdankt das guter Makropolitik. 1997 wurde der Stabilitaetsanker in der Verfassung eingefuehrt – eingetlich kriegen wir das erst jetzt in Europa durch den Stabilitaetspakt.
      Zur Zeit soll Polen auf den Beitritt verzichten. Gruende: 1) ist selbst nicht voellig vorbereitet – zu hohe Haushaltsdefizite 2) die Eurozone muss erst stabil werden.
      Wichtig: langfristig gibt es riesige Vorteile vom Euro in Polen

      Sebastian Plociennik | 18. Mai 2012 | 21:55 | Antworten
      • Was für Vorteile könnten das sein?

        Axel | 18. Mai 2012 | 21:58 | Antworten
  7. Ich meine, daß sich die Polen mit ihrer Mentalität der Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit in der wirtschaftlichen Entwicklung teilweise selbst im Weg stehen, z.B. bei Straßenbau, Handwerkern, Service, Gastronomie. In den meisten Restaurants etwa ist der Gast ein Störfaktor. Neue Straßen müssen reihenweise nach 5 Jahren erneuert werden, weil ja die Hälfte an Unterbau auch reicht.
    Was sagen Sie dazu?

    zawusel | 18. Mai 2012 | 21:44 | Antworten
    • Ha, da sprechen Sie was an! Die A2 im Bereich Krakau fällt jetzt schon (nach nicht mal 10 Jahren) an vielen Stellen wieder auseinander!

      Axel | 18. Mai 2012 | 21:46 | Antworten
      • Mit den Autobahnen haben sie zum Teil recht, aber generell ueber Mentalitaet wuerde ich hier nicht sprechen. Die Ausschreibungen wurden so organisiert, dass billige Angebote im Vorteil waren – mag logisch klingen. Aber danach gingen Preise hoch und viele Baufirmen konnten ihre Qualitaetsversprechen nicht sichern. Ein guter Beispiel waren auch Chinesen )COVEC), die sich zurueckgezogen haben

        Sebastian Plociennik | 18. Mai 2012 | 21:51 | Antworten
        • Man mag über die deutsche Verwaltung denken, was man will, aber ganz sicher kann man sich ihrer Bestrebung nach Einhaltung von Normen und Verordnungen sein. Wenn in einem nagelneuen Schulgebäude ein Riß mittendurch geht, dann ist das in Polen wurscht und bleibt so, in Deutschland eine Meldung in der Lokalzeitung wert und wird repariert. Noch ein Beispiel: Ich will in einem polnischen Möbelhaus einen Stuhl kaufen. Er wackelt. Verkäufer: “Oft genug draufsetzen, und der biegt sich schon zurecht.” Mir begegnet oft Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit, übrigens auch in der Politik.

          zawusel | 18. Mai 2012 | 22:01 | Antworten
  8. hallo i witam serdecznie:)

    Die Sendung gefiel mir sehr gut, Sie trafen eine gut ausgeglichene und interessante Themenwahl und informierten aktuell über die jetzigen und baldigen Geschehnisse im Nachbarland. Ich hoffe, viele Menschen westlich der Oder-Neiße-Grenze ändern ihre Meinung über Polen, u.a. dank Ihres Engagements als Medienvertreter. Weiter so!

    Ich komme aus Oberschlesien und bin in Deutschland seit 14 Jahren. Meine Familie lebt in Schlesischer Ruda und Königshütte. Leider ist Chorzow kein Austragungsort der EM. Warum nur? Ich meinerseits versuche der deutschen Bevölkerung ein korrigiertes Bild eines Nachbars zu vermitteln. Ich arbeite als Lehrer in einer deutschen Schule und überlege seit einiger Zeit, einen Teil meiner Arbeit auf Polen zu beziehen. Ich überlege wie ich als ein aus Polen stammender deutscher Lehrer, Warschau bei den Hausaufgaben helfen könnte.

    Herzliche Grüße,
    Martin Zaluski

    Calvin | 18. Mai 2012 | 21:43 | Antworten
    • Vorurteile verschwinden nicht schnell und nicht durch politischen Druck. Leute muessen sich einfach treffen, kennenlernen und ab und zu ihre laendern besuchen. eine bessere methode sehe ich nicht.
      Sie machen eine tolle arbeit. Vielleicht organisieren sie eine Reise mit Ihren Schuelern nach Polen?

      Sebastian Plociennik | 18. Mai 2012 | 21:47 | Antworten
  9. Wie war es möglich, dass sich Lodz vor der traditionellen Textilindustrie hin zur Kreativwirtschaft entwickelen konnte? Welche Faktoren waren Ihrer Meinung nach wichtig für diesen Wandel?

    Roman | 18. Mai 2012 | 21:40 | Antworten
    • Zum einen: Schliessung der Ineffektiven Werken und Zerschlagung der vebleibenden Produktion in kleine Betriebe rund um Lodz.
      Zum zweiten: Lodz wurde zum REservoir von billigen Arbeitskraeften fuer Warschau (150 KM). Das half, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren
      Und zum dritten: neue auslaendische Investition, wie Dell
      Dazu noch investierte die Stadt in Kultur und Revitalisierung.

      Sebastian Plociennik | 18. Mai 2012 | 21:44 | Antworten
  10. Eine sehr gelungene Sendung. Vielen Dank dafür.
    Herr Plociennik wie sieht es in Polen denn hinsichtlich der erneuerbaren Energien aus?
    Gibt es da Bestrebungen?

    Axel | 18. Mai 2012 | 21:33 | Antworten
    • Nicht besonders gut. Niemand bestreitet in Polen dass wir umweltschonende Energieproduktion haben sollen. Aber: die Frage wird vor allem aus der Sicherheitspolitischen Perspektive diskutiert. Besonders die Entscheidung Deutschlands die Ostsee-Pipeline zu bauen, hat in Polen sehr viel Aengste geschuert. Deswegen investiert POlen in Atomindustrie und Schiefergas. Kohle soll auch nicht aufgegeben werden. Es wird argumentiert: wir brauchen Selbstaendigkeit, Konkurrenzfaehgkeit. Und dann vielleicht saubere Energie.

      Sebastian Plociennik | 18. Mai 2012 | 21:41 | Antworten
      • Ist das geplante Atomkraftwerk an der Ostsee denn beschlossene Sache, oder noch in Diskussion?
        Mobilisiert sich die Bevölkerung da auch so stark wie z.B. in Deutschland bei Atomtransporten?

        Axel | 18. Mai 2012 | 21:44 | Antworten
        • Offene Sache, aber es kommt wohl dazu in 5-10 Jahren. Schiefergas ist ein wichtigeres Thema.

          Sebastian Plociennik | 18. Mai 2012 | 22:12 | Antworten
  11. wenn polen bald nicht mehr so niedrige Lohn kosten hat
    gehen dann nicht die großen unternehmen ins auslande wie z.b
    China… um dar billiger zu produzieren.

    Colin | 18. Mai 2012 | 21:32 | Antworten
    • Das passiert schon. In den 90er wanderete die Textilindustrie aus. Allerdings eine groessere Gefahr fuer Polen sind Standorte in der Nachbarschaft – die Ukraine und Belarus. Dort sind die Arbeitskosten 3x niedriger als in Polen.

      Sebastian Plociennik | 18. Mai 2012 | 21:38 | Antworten
      • all so wird polen doch nicht finanzstärker und baut mit der zeit wieder ab an wirtschaft

        Colin | 18. Mai 2012 | 21:42 | Antworten
        • Nein, wir muessen einfach mehr wissensintesive Gueter produzieren. Das passiert langsam. in den letzten 20 Jahren haben Leute ihre Qualifikationen enorm erhoeht, auch wenn viele sehr allgemein sind. Es muessen jetztz, etwa nach dem D-Muster, Spezialisten ausgebildet werden.

          Sebastian Plociennik | 18. Mai 2012 | 22:11 | Antworten

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