Apple: Wankendes Wunder

Apples neues iPad soll die Verkaufszahlen in neue Höhen treiben.

Apples neues iPad soll die Verkaufszahlen in neue Höhen treiben. Bild: Apple

Tausend. Tausend amerikanische Dollar. Das wurde vor einigen Tagen als neues Kursziel für Aktien der Kultfirma Apple herumgereicht. Das entspräche einem Marktwert von 1 Billion Dollar, mehr als das Volumen des europäischen Rettungsschirms. Derart exorbitante Prognosen sind immer ein schlechtes Zeichen. Frei nach Allen Greenspan ist das wohl „irrational exuberance“.

Jetzt kriegen Investoren kalte Füße. In den letzten paar Tagen hat die Aktie, die seit Jahren nur eine Richtung kennt, – aufwärts – 10% verloren. Das ist für sich genommen nicht dramatisch, dennoch haben Anleger ein ungutes Gefühl. Zum einen könnte es sich um eine Trendwende handeln, weil die Erwartungen an den Technologie-Trendsetter aus Cupertino, Kalifornien, einfach nicht mehr zu erfüllen sind. Zum anderen ist die Kapitalvernichtung in absoluten Zahlen durchaus beachtlich: 60 Mrd. Dollar in fünf Tagen. Das ist mehr als der gesamte Unternehmenswert von Daimler. Futsch!

Konkurrenz für das iPad
Zwei Gründe werden ins Feld geführt: Es gibt Berichte, denen zufolge die Verkaufszahlen des neuen iPads ins Stocken geraten. Das wäre auch nachvollziehbar, da massive Konkurrenz in den lukrativen Tablet-Markt drängt. Darüber hinaus befürchten Analysten, dass Mobilfunkanbieter ihre Subventionen für Apples zweites Top-Produkt, das iPhone, reduzieren könnten. Mobilfunkanbieter stellen sich nämlich berechtigterweise die Frage, warum sie auf Kosten eigener Gewinne anstelle des Endkunden teure iPhones bezahlen sollen, um Apple, ohnehin das profitabelste Technologieunternehmen der Welt, weiter zu mästen.

Zu den wenigen Dingen, die in einer Marktwirtschaft wirklich sicher sind, gehört die Erkenntnis, dass traumhafte Gewinne nicht von Dauer sind. Verdient ein Unternehmen mit einem bestimmten Produkt unglaublich viel Geld, gibt es früher oder später Konkurrenz. Und Kunden sind nicht mehr bereit, einen so hohen Preis zu zahlen. Das nagt dann an den Margen.

In der Vergangenheit sind Apples Umsätze und Gewinne in einer Tour gestiegen. Im letzten Quartal 2011 schaffte man 13,1 Mrd USD Gewinn bei 46,3 Mrd USD Umsatz. Ein Jahr zuvor waren es noch 6,0 Mrd USD Gewinn bei 26,7 Mrd USD Umsatz. (Die Zahlen für das erste Quartal 2012 werden am 24.04. veröffentlicht.)

Das teuerste Unternehmen der Welt
Diese bemerkenswerte Entwicklung hat Apple zum erfolgreichsten Unternehmen aller Zeiten gemacht. Allein seit Ende 2007, dem Vorabend der Finanzkrise, hat sich der Unternehmenswert auf 600 Mrd Dollar verdreifacht. Zum Vergleich: Der amerikanische Leitindex S&P 500 hat in der gleichen Zeit rund 10% verloren. Allein seit Jahresbeginn 2012 hat die Apple-Aktie 60% zugelegt. Der S&P 500 kam “nur” auf 13%. Im Nasdaq 100, dem Index der 100 größten amerikanischen Technologieunternehmen, hat Apple heute eine Gewichtung von 19%. Wenn das Papier wie gestern 4% verliert, reißt es den kompletten Index ins Minus.

Fast jeder große Investor oder Hedgefond ist heute bei Apple investiert. In vielen Portfolios ist das teurste Unternehmen der Welt auch die größte Position. Da stellt sich natürlich die Frage, wer die Aktien noch kaufen soll. So wie es aussieht, bekommen die Anleger jetzt kalte Füße.

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makro - Jeden Freitagabend bietet makro Orientierung im globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem für die globalen Zusammenhänge.

Kommentieren | 17. April 2012 | 15:16 Uhr | Twittern | Facebook

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