Tag der Wahrheit

Sturmwolken über Griechenland, Bild: reuters

Die Lage in Griechenland spitzt sich erheblich zu, aber niemand regt sich mehr auf. Man kennt das ja. Die Märkte sind guter Dinge und steigen seit Wochen. Selbst der Euro, dessen Fall ins Bodenlose uns kürzlich noch prophezeit wurde, ist wieder über 1,32 US-Dollar geklettert.

Wie geht das zusammen? Ganz einfach. Mit der Nachricht, Griechenland sei Pleite, kann man am Markt niemanden mehr erschrecken. Das weiß ja nun jeder. Es gibt jedoch eine gewisse Grundzuversicht, dass die Sache einigermaßen geordnet über die Bühne geht.

Freibier für alle
Für diesen Optimismus gibt es Gründe. Zum einen ist Europas wackliger Bankensektor kurz vor Weihnachten von der EZB mit einer 500-Milliarden-Euro-Spritze revitalisiert worden. Für Ende Februar hat Dr. Draghi die nächste Dosis versprochen. Zins: 1%, Laufzeit: 3 Jahre, Volumen: all you can eat.

Damit sind die Banken erstmal aus der Schusslinie.

Die zweite Baustelle ist der Schuldenschnitt. Aber auch da gibt es offenbar Fortschritte. Das aktuelle Zwischenergebnis der Verhandlungen mit den privaten Gläubigern beläuft sich auf einen “freiwilligen” Forderungsverzicht von insgesamt gut 70% bei einem Tausch in neue Anleihen mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 3,6%.

Da diese Entlastung nach allgemeiner Einschätzung nicht ausreichen wird, wird ein Bericht des Wall Street Journal, demzufolge die EZB auf ihre Griechen-Anleihen ebenfalls einen Abschlag von 11 Mrd. Euro hinzunehmen bereit sei, mit Erleichterung zur Kenntnis genommen.

Damit wäre erstmals die öffentliche Hand im Boot. Das sieht man an den Märkten natürlich gerne.

Wildcard Innenpolitik
Jetzt muss allerdings noch die griechische Politik mitspielen. Das ist die Wildcard. Und hier wird es schwierig. Zum ersten geht es um die Einigung der Übergangsregierung von Lukas Papademos mit der Troika (EZB, EU-Kommision, IWF) über noch nicht erledigte und noch zu erledigende Reformen. Zum zweiten fordert die Troika eine Einigung über den Schuldenschnitt. Zum dritten verlangt sie von den entscheidenden politischen Figuren in Athen ein unzweideutiges Bekenntnis zum Reformprozess. Per Unterschrift.

Bis Sonntag, den 12. Februar muss das griechische Parlament entscheiden. Am 13. ist Deadline, wenn die nächste Tranche von 14,5 Mrd. Euro fließen soll. Stimmt das Parlament zu, erkauft sich Griechenland wieder ein paar Monate Zeit. Wenn nicht, greift Plan B und Griechenland geht in die Insolvenz. Die hat erheblich an Schrecken verloren. Immerhin wäre das Theater endlich zu Ende.

makro

makro - Jeden Freitagabend bietet makro Orientierung im globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem für die globalen Zusammenhänge.

1 Kommentar | 08. Februar 2012 | 15:48 Uhr | Twittern | Facebook

Ein Kommentar

  1. Die Freitag-Abend-Sendungen von makro brachten bisher stets marktnahe, interessante, gut recherchierte Berichte über die Entwicklung der Länder der 3. Welt,die in Zeitungen bisher so nicht zu finden waren. Machen Sie weiter so!

    Jürgen Overweg | 11. Februar 2012 | 10:20 | Antworten

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