Jetzt auch die EZB?

Die Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und privaten Gläubigern sind festgefahren. Seit sich Europas Regierungschefs Ende letzten Jahres darauf geeinigt hatten, private Gläubiger griechischer Staatsanleihen zu einem freiwilligen Schuldenschnitt von 50% zu bewegen, schleppt sich der Streit ums Kleingedruckte hin.

Mittlerweile ist allen Beteiligten klar, dass ein Haircut von 50% nicht ausreicht. Von rund 350 Mrd. Euro griechischer Schulden liegen gut 200 Mrd. Euro in Händen privater Gläubiger, davon wiederum etwa 70 Mrd. Euro bei Pensions-, Staats- und Hedgefonds, 135 Mrd. bei Banken und Versicherungen.

Hedgefonds legen sich quer
Charles Dallara, Verhandlungsführer der privaten Gläubiger, hat sein (zunächst) letztes Angebot auf den Tisch gelegt: “freiwilliger” Verzicht auf 69% des Nennwertes und Umtausch in Anleihen mit durchschnittlich 4,25% über 30 Jahre. Europas Finanzminister wollen mehr, bzw. weniger: maximal 3,5% Verzinsung bis 2020, danach höchstens 4%.

Liegt nicht allzu weit auseinander, sollte man meinen. Das Problem sind aber die Hedgefonds. Denn einige haben sich mit Kreditausfallversicherungen eingedeckt (Credit Default Swaps -CDS) und könnten fette Beute machen, wenn eine Einigung scheitert, Griechenland also offiziell Pleite geht. Dann bekämen sie denn Nennwert ihrer Anleihen zu 100% ausgezahlt.

EZB stellt sich stur
Vielleicht ist das Geschacher um 3,5% oder 4,25% aber auch unerheblich, denn die verbleibende Schuldenlast wäre für Griechenland immer noch zu hoch – weshalb sich die Blicke jetzt anderen Gläubigern zuwenden. Da ist zum Beispiel die EZB, die nach Angaben von Barclays Capital rund 36 Mrd. Euro Griechenland-Anleihen aufgekauft hat. Über die genaue Höhe schweigen die Zentralbanker und weigern sich kategorisch, an einem Forderungsverzicht teilzunehmen. Selbst an Verhandlungen.

Am Ende ist davon auszugehen, dass auch die öffentliche Hand, sei es über die EZB oder die bisher ausgezahlten Kredittranchen der Rettungspakete, an der Griechenpleite beteiligt werden. Um das Gesicht zu wahren, ist denkbar, dass die EZB ihre Griechenland-Anleihen zu 80% des Nennwertes oder zu Einkaufskosten dem Rettungsfonds ESFS aufs Auge drückt, schreiben Dimitris Drakopoulos und Lefteris Farmakis von Nomura. Dann wäre die EZB endlich etwas los, was sie nie haben wollte und der Ball läge wieder dort, wo er hingehört: bei der Politik.

Wie auch immer. Am Ende ist der Steuerzahler dran.

makro

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Kommentieren | 25. Januar 2012 | 18:04 Uhr | Twittern | Facebook

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