Äthiopiens ehrgeizige Pläne
8. Drehtag
Auf unsesrer 2-wöchigen Reise haben wir ein Äthiopien jenseits von Dürre, Hunger und Krankheit erlebt – ein Äthiopien, in dem Aufbruchsstimmung herrscht. Seit fünf Jahren wächst die Wirtschaft zweistellig, überrascht das ostafrikanische Land mit einer ungeheuren Dynamik. Nicht nur in der Hauptstadt Addis Abeba sondern auch draußen auf dem Land in Provinzstädten ist ein regelrechter Bauboom ausgebrochen. Hochhäuser, Wohnanlagen, Straßen. Besonders chinesische Baufirmen sind fast überall im Land zu finden.
Auf Schotterpisten haben wir eine Straßenbaustelle nach der anderen umfahren und immer wieder bewundernswerte Menschen getroffen, die sich für ihren Lebensunterhalt und ihr Land einsetzen.
- Bauboom in der Hauptstadt
- Architektur-Studentin Betty am Computer
- Börsen-Chefin Eleni auf dem Afrika-Kongress
Der schüchterne Hirtenjunge Tessema (18) ist erst in der 5. Klasse. Seit seinem 7. Lebensjahr muss er das Vieh seiner Familie hüten. Dass aus den Häuten seiner Rinder und Kühe später Schuhe hergestellt werden, wusste Tessema nicht. Jetzt arbeitet er nur noch am Wochenende als Hirte, geht unter der Woche wieder zur Schule. Sein großer Traum: Tessema will mal Lehrer werden.
Die hübsche Architekturstudentin Betty (21) hat noch drei harte Studienjahre in der Provinzstadt Nekemte vor sich. Einziger Ausgleich ist das Fußballtraining abends. Betty spielt als Verteidigerin im Frauenfußballteam der Uni. Nach dem Studium will sie für ihre Eltern in Addis Abeba ein Haus bauen.
Der im Dorf angesehene Kaffeebauer Suge (45) ist Vater von 10 Kindern. Bei der jährlichen Ernte in seinem Kaffeewald muss die ganze Familie mit ran. Suges großer Wunsch ist, dass seine Kinder regelmäßig zur Schule gehen können und vielleicht mal Strom für sein Haus zu bekommen.
Die agile Unternehmerin Aster (54) betreibt eine Kaffeerösterei mit Verkauf in Addis Abeba. Zwei ihrer Söhne studieren in den USA, der dritte geht noch zur Schule in die 11. Klasse. Insgesamt 20 Mitarbeiter, fast nur Frauen, stehen bei Aster in Lohn und Brot. Ihr Kaffee zählt zu den besten in der Hauptstadt.
Die weltgewandte Eleni (44) ist die Gründerin und Chefin der einzigen Warenbörse ihrer Art in Afrika. Mit der ECX, der Ethiopian Commodity Exchange, sorgt Eleni dafür, dass die Bauern draußen auf dem Land faire Preise für ihre Kaffebohnen erhalten. Eleni hat einer fernen Traum: eine Warenbörse für ganz Afrika.
Äthiopiens Regierung steht zwar mit Pressefreiheit und demokratischen Bürgerrechten noch auf Kriegsfuß, aber wirtschaftlich will sie das Agrarland zu einem exportstarken Industrieland entwickeln. Das Wirtschaftsmagazin makro zeigt am Beispiel der Kaffee- und Schuhindustrie, wie das funktionieren könnte. Die Architekturstudentin Betty ebenso wie die Kaffee-Unternehmerin Aster oder die Börsenchefin Eleni – es sind vor allem die Frauen, die ihr Heimatland voranbringen wollen. So wie sich einst die asiatischen Tigerstaaten ihren Wohlstand erarbeitet haben, soll sich auch in Äthiopien eine Gesellschaft ohne Armut herausbilden. Ehrgeizige Pläne am Horn von Afrika.
2 Kommentare | 25. November 2011 | 15:52 Uhr |
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Na, ahnte ich es doch, dass was an dieser Berichterstattung so nicht stimmen kann! Völlig unkommentiert war da, dass Äthiopien vor etwa 2 Jahren die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen aufwies und offenbar sind da im Wesentlichen noch die gleichen an der Macht!
Zwar hat letztens China offenbar mehr Ordnung rein gebracht- vielleicht auch eine Verringerung der Menschenrechtsverletzungen – doch was sich da noch nicht so schlimm anhört wie es ist – “Äthiopiens Regierung steht zwar mit Pressefreiheit und demokratischen Bürgerrechten noch auf Kriegsfuß, aber wirtschaftlich will sie das Agrarland zu einem exportstarken Industrieland entwickeln.” -
Sehr geehrte Damen und Herren, soeben in “macro” Ihren Beitrag gesehen (27.1.12, jetzt22.05).
Ich bitte Sie um Verzeihung, dieser Beitrag strotzt vor kindlicher Naivität! Er wird nicht dem Land und schon gar nicht den Subsistenzbauern gerecht.
Dr. K. Eiter / u.a. Trop.med / cand.M.Sc. AgriTropics mit extensiver Arbeitserfahrung u.a. in Addis und im Ogaden.
MfG
K. Eiter