-
USA – Reden Sie mit!
Was wird aus den USA? Die jährliche Neuverschuldung liegt seit der Finanzkrise jenseits der Billionen-Dollar-Grenze. Die politischen Parteien liegen sich im Schützengraben gegenüber. Der Häusermarkt, Herzstück der amerikanischen Misere, liegt immer noch in Trümmern, die Stimmung der Kleinunternehmer im Keller.
Andererseits geht es den großen, international operierenden Konzernen glänzend. Apple sitzt auf 100 Mrd. Dollar Cash und selbst Groß-Pleitier General Motors steht wieder voll im Saft. Gestern erklärte der Autobauer aus Detroit den größten Gewinn seiner 103-jährigen Geschichte: 9,2 Mrd. Dollar. Außerdem ist man mit 9 Mio. verkaufter Autos wieder vor Toyota die Nummer 1.
Überhaupt zeigen die Konjunkturdaten der letzten Monate ein zunehmend freundliches Bild. Ausgerechnet der produzierenden Sektor, seit Jahrzehnten durch Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer gebeutelt und auf unter 10% der Wirtschaftsleistung geschrumpft, gibt Lebenszeichen. Zum einen steigen die Produktionskosten in den Schwellenländern, zum anderen fördert die Politik des schwachen Dollars amerikanische Exporte.
Wie steht es wirklich um die USA? Werden sie uns Europäern wieder vormachen, wie man sich neu erfindet? Oder ist unter der Oberfläche alles noch viel kaputter als hier?
Prof. Max Otte, Volkswirtschaftler, Vermögensverwalter und Buchautor, ist ausgewiesener Amerika-Kenner. Er hat in Princeton promoviert, an der Boston University gelehrt und besitzt einen amerikanischen Pass.
Im Anschluss an die Sendung steht Otte den Zuschauern Rede und Antwort hier in unserem Blog.
Stellen Sie Ihre Fragen oder schreiben Sie Ihre Meinung!
Hinweis: Es wird ein paar Minuten dauern, bis unser Studiogast nach der Sendung einsatzfertig an einem Rechner sitzt.
127 Kommentare | makro | 17. Februar 2012 | 18:32 Uhr |
|
-
Stabile Seitenlage
Griechenland ist dem europäischen Rettungspaket wieder ein Stückchen näher gekommen. Von der drohenden Pleite hat es sich damit aber nicht entfernt. Zwei der noch ausstehenden Bedingungen sind immerhin erfüllt: Weitere Haushaltskürzungen von 325 Mio. Euro sind zusammengekratzt. Die Parteichefs der sozialdemokratischen Pasok, Georgios Papandreou, und der konservativen Nea Dimokratia, Antonis Samaras, haben schriftlich versichert, sich auch nach der anstehenden Wahl an die Sparbeschlüsse zu halten.
Das wird aber nicht viel nützen. Dazu drei Gründe:
1) Prognosen sind Kaffeesatzleserei
“Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.” So ist es. Das ganze Rettungspaket mache nur dann Sinn, so die Euro-Länder, wenn die Schulden bis zum Jahr 2020 auf 120% der griechischen Wirtschaftsleistung heruntergefahren werden. Ob das klappt, ist die Frage. Die Prognosen haben ihre Tücken. Der Modellrechnung der Troika aus IWF, EU-Kommission und EZB liegt eine Unzahl von Annahmen zugrunde: Wirtschaftswachstum, Haushaltsdefizit, Zinsbelastung etc.
Nach den jetzt veröffentlichten Zahlen ist die griechische Wirtschaft 2011 stärker geschrumpft als befürchtet: minus 6,8% statt der angenommenen minus 5,5% (und der ursprünglich erwarteten minus 4,5%) – woran der harte Sparkurs seinen Anteil hat. Damit dürfte die gesamte Modellrechnung bereits Makulatur sein, bevor das Rettungspaket überhaupt beschlossen ist. Niemand weiß, wie tief die anhaltende Schockstarre die griechische Wirtschaft noch herunterreißen wird. Eine seriöse Prognose bis 2020 abzugeben, ist schlechterdings unmöglich. Das ist alles Kaffeesatzleserei.
2) Keine Planungssicherheit
Griechenland braucht dringend frisches Kapital. Das kann von den viel zitierten reichen Griechen kommen oder aus dem Ausland. Gerne auch von reichen Griechen aus dem Ausland. Nur: Investoren verlangen Planungssicherheit. Ein Land aber, über dem der Pleitegeier kreist, bietet keine Planungssicherheit. Im Gegenteil.
Wenn in ein paar Monaten der Bankrott droht, oder in ein, zwei Jahren, dann stellt sich der geneigte Investor die Frage, was dann aus seinem Unternehmen wird, oder seiner Unternehmensbeteiligung. Ist dann alles nur noch die Hälfte wert? Können meine Kunden noch zahlen? Habe ich vielleicht plötzlich Drachmen auf dem Konto anstelle von Euro? Man stelle sich einfach nur vor, es ginge ums eigene Geld. Die Katze im Sack kaufen? Da warte ich doch lieber erst mal ab.
3) Was wollen die Griechen?
Das ist die entscheidende Frage. Von ihrer Beantwortung hängt ab, ob der Sanierungskurs Erfolg haben wird oder nicht. Es gibt mindestens zwei Fraktionen in Hellas. Diejenigen, die es sich im System der Vetternwirtschaft gemütlich gemacht haben, und jene, die immer darunter gelitten haben. Druck von Außen kann, wie wir gerade erleben, eine Regierung zu Beschlüssen zwingen. Ob diese aber über die kommenden 10 Jahre umgesetzt werden, hängt davon ab, ob es einen gesellschaftlichen Konsens gibt. Um diesen Konsens müssen die Griechen ringen. Das kann (und darf) ihnen niemand abnehmen.
Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat es auf den Punkt gebracht: “Das, was jetzt entschieden wurde, ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend ist am Ende aber die Umsetzung der Maßnahmen, und dafür braucht es eine Verwaltung, die die Maßnahmen umsetzt, und eine Bevölkerung, die sie trägt.”
Auch den Finanzministern der Euro-Gruppe dämmert langsam, dass Griechenland ohne eine offizielle Pleite mit radikalem Schuldenschnitt ein Faß ohne Boden ist. Dies offen auszusprechen, wagt aus der ersten Reihe der Politik noch niemand. Ab Juli 2012 steht der dauerhafte Rettungsschirm ESM. Bis dahin sollten die Brandmauern um Italien und Spanien hinreichend gesichert sein und man hätte ein Netz, die griechische Pleite aufzufangen.
Kommentieren | makro | 16. Februar 2012 | 15:56 Uhr |
|
-
Kurzes Aufatmen
Griechenland hat zugestimmt. Mit dem gestrigen Votum des Parlaments sind die neuen Spargesetze verabschiedet und somit eine wesentliche Bedingung der Euroländer für die Gewährung des zweiten Rettungspaketes in Höhe von 130 Mrd. Euro und die Zahlung der nächsten Tranche des ersten Rettungspaketes zur Refinanzierung auslaufender Anleihen in Höhe von 14,5 Mrd. Euro bis zum 20. März erfüllt.
Am 15. Februar, wollen die Euro-Finanzminister darüber befinden, ob es tatsächlich Geld gibt. Denn einige Forderungen stehen noch aus: So beklagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker, man erwarte noch weitere Einsparungen von 325 Mrd. Euro und ein glaubwürdiges Bekenntnis der griechischen Parteichefs, sich auch nach der Wahl im April an die beschlossenen Maßnahmen gebunden zu fühlen.
Die derzeitige Beschlusslage, so Berechnungen der Troika aus IWF, EU-Kommision und EZB, drücke den Schuldenstand bis zum Jahr 2020 lediglich auf 136% der Wirtschaftsleistung und nicht, wie gefordert, auf 120%.
Und dann müssen auch noch einige nationale Parlamente der Griechenrettung zustimmen. Der Bundestag hat das Thema voraussichtlich am 27. Februar auf der Tagesordnung. Auch in anderen Ländern wie Finnland oder Holland, wo sich die Begeisterung über die Rettungspakete ebenfalls in Grenzen hält, steht die Abstimmung noch aus. Trotz aller potentiellen Stolpersteine ist davon auszugehen, dass Griechenland sein Geld bekommt.
Eine ganz andere Frage ist, ob es etwas nützt. Denn in den vergangenen zwei Jahren war nie die Beschlusslage das Problem, sondern stets deren Umsetzung. Man darf dem parteilosen griechischen Übergangspremier, Ex-EZB-Notenbanker Lukas Papademos, getrost Sachkenntnis und besten Willen unterstellen. Aber was nützt das, wenn er auf die Kooperation der kleptokratischen griechischen Parteien angewiesen ist. Sowie auf eine unfähige und unwillige öffentliche Verwaltung.
In einem erhellenden Interview (“Die Gesellschaft ist reifer als ihr System”) erzählt Griechenlands Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis der FAZ, wie in Athen jüngst ein Gesetz zur Abstimmung stand, das die Schließung von zehn Behörden vorsah, die eigentlich niemand bräuchte. 40 Abgeordnete seiner eigenen Partei stimmten dagegen. Für Chrysochoidis ein eindeutiges Zeichen, dass vielen Amtsträgern die Belange der Beamten näher liegen als die Interessen der Gesellschaft.
Das Thema Griechenland wird uns erhalten bleiben.
Kommentieren | makro | 13. Februar 2012 | 16:13 Uhr |
|
-
Spiel um´s Glück
Erst kommt das Fressen, dann die Moral, heißt es in der Dreigroschenoper von Bertold Brecht. So ganz weit ist dieses Zitat vom deutschen Glücksspielmarkt nicht entfernt. Der Staat in Form der Bundesländer hütet sein Glücksspielmonopol wie einen Gral. Brüssel aber pocht auf Wettbewerbsfreiheit in der EU und fordert eine Liberalisierung. Die Glücksspielindustrie klatscht in die Hände und will sich ein größeres Stück vom Kuchen abschneiden.
So weit das Thema Fressen. Kommen wir jetzt zur Moral. Die Länder hüten ihr Monopol angeblich nur deshalb, weil sie ja die Bürger vor Spielsucht und krimineller Energie schützen wollen. Ein nicht ganz unberechtigtes Argument. Doch gleichzeitig verdient der Staat beim Zocken kräftig mit, denn so lange das Glücksspielmonopol in Deutschland bestehen bleibt, landen die meisten Gewinne in öffentlichen Kassen. Kein Wunder, dass vielen das Glücksspielmonopol ein Dorn im Auge ist. Die Bundesländer kommen den Forderungen aus Brüssel zögerlich nach und öffnen den deutschen Markt ein wenig. Mit einer Ausnahme: dem Spielhallengesetz. Es soll die sogenannte “Spielhallen-Flut” eindämmen. Das ist ganz im Sinne vieler Bürger, die eine Verslumung ihrer Städte befürchten.
Und da sind wir beim Thema: Glücksspiel ist kein Geschäft wie jedes andere, auch wenn die Branche auf den Aufbau von Arbeitsplätzen verweist. Glücksspiel ist ein Geschäft, das viele zu Verlierern machen kann. Suchtkranke zum Beispiel, die Haus und Hof verspielen. Zudem ist beim Glücksspiel die Grenze von legal und illegal recht dünn. Keine Frage also, dass der Staat beim Glücksspiel das größte Rad drehen sollte.
Kommentieren | [3sat] Eva Schmidt | 10. Februar 2012 | 16:44 Uhr |
|
-
Tag der Wahrheit
Die Lage in Griechenland spitzt sich erheblich zu, aber niemand regt sich mehr auf. Man kennt das ja. Die Märkte sind guter Dinge und steigen seit Wochen. Selbst der Euro, dessen Fall ins Bodenlose uns kürzlich noch prophezeit wurde, ist wieder über 1,32 US-Dollar geklettert.
Wie geht das zusammen? Ganz einfach. Mit der Nachricht, Griechenland sei Pleite, kann man am Markt niemanden mehr erschrecken. Das weiß ja nun jeder. Es gibt jedoch eine gewisse Grundzuversicht, dass die Sache einigermaßen geordnet über die Bühne geht.
Freibier für alle
Für diesen Optimismus gibt es Gründe. Zum einen ist Europas wackliger Bankensektor kurz vor Weihnachten von der EZB mit einer 500-Milliarden-Euro-Spritze revitalisiert worden. Für Ende Februar hat Dr. Draghi die nächste Dosis versprochen. Zins: 1%, Laufzeit: 3 Jahre, Volumen: all you can eat.Damit sind die Banken erstmal aus der Schusslinie.
Die zweite Baustelle ist der Schuldenschnitt. Aber auch da gibt es offenbar Fortschritte. Das aktuelle Zwischenergebnis der Verhandlungen mit den privaten Gläubigern beläuft sich auf einen “freiwilligen” Forderungsverzicht von insgesamt gut 70% bei einem Tausch in neue Anleihen mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 3,6%.
Da diese Entlastung nach allgemeiner Einschätzung nicht ausreichen wird, wird ein Bericht des Wall Street Journal, demzufolge die EZB auf ihre Griechen-Anleihen ebenfalls einen Abschlag von 11 Mrd. Euro hinzunehmen bereit sei, mit Erleichterung zur Kenntnis genommen.
Damit wäre erstmals die öffentliche Hand im Boot. Das sieht man an den Märkten natürlich gerne.
Wildcard Innenpolitik
Jetzt muss allerdings noch die griechische Politik mitspielen. Das ist die Wildcard. Und hier wird es schwierig. Zum ersten geht es um die Einigung der Übergangsregierung von Lukas Papademos mit der Troika (EZB, EU-Kommision, IWF) über noch nicht erledigte und noch zu erledigende Reformen. Zum zweiten fordert die Troika eine Einigung über den Schuldenschnitt. Zum dritten verlangt sie von den entscheidenden politischen Figuren in Athen ein unzweideutiges Bekenntnis zum Reformprozess. Per Unterschrift.Bis Sonntag, den 12. Februar muss das griechische Parlament entscheiden. Am 13. ist Deadline, wenn die nächste Tranche von 14,5 Mrd. Euro fließen soll. Stimmt das Parlament zu, erkauft sich Griechenland wieder ein paar Monate Zeit. Wenn nicht, greift Plan B und Griechenland geht in die Insolvenz. Die hat erheblich an Schrecken verloren. Immerhin wäre das Theater endlich zu Ende.
1 Kommentar | makro | 08. Februar 2012 | 15:48 Uhr |
|
-
Europas Jugend – Reden Sie mit!
Es ist kein Zufall, dass die Arbeitslosigkeit der Berufseinsteiger besonders in Italien, Spanien und Griechenland erschreckend hoch ist. In diesen Ländern hat sich das Kartell der Besitzstandswahrer besonders schamlos die Gegenwart versüßt, indem es die Zukunft verbraucht hat. Starre Strukturen dienen stets den Etablierten, um die Habenichtse draußen zu halten. Das gleiche System, das riesige Schuldenberge anhäuft, lässt auch die Arbeitslosigkeit junger Menschen in deprimierende Höhen steigen.
Jetzt sitzt Europas Jugend in der Falle. Besser ausgebildet denn je, bleibt ihr der Zugang zum Arbeitsmarkt vielfach versperrt, vor allem in den Südländern. Das traurige daran: Ausgerechnet diese jungen Leute werden die Schulden abzahlen müssen, die ihre Eltern und Großeltern angehäuft haben. Und, als sei das noch nicht genug, werden sie auch die Pensionszahlungen für die älteren Generationen finanzieren müssen. Und für ihre eigene Rente vorsorgen. Und natürlich eine Familie gründen.
Wie um Himmels Willen soll das funktionieren?
Im Anschluss an die Sendung steht unser Studiogast Holger Bonin, Leiter des Forschungsbereichs Arbeitsmärkte, Personalmanagement und Soziale Sicherung am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), den Zuschauern Rede und Antwort hier in unserem Blog.
Stellen Sie Ihre Fragen oder schreiben Sie Ihre Meinung!
Hinweis: Es wird ein paar Minuten dauern, bis unser Studiogast nach der Sendung einsatzfertig an einem Rechner sitzt.
28 Kommentare | makro | 03. Februar 2012 | 17:27 Uhr |
|
-
Agenda 2010 auf Speed
Man traut seinen Augen kaum, aber südlich der Alpen zeichnet sich ein kleines Wunder ab. Keine 100 Tage im Amt, ist Italiens neuer Ministerpräsident Mario Monti dabei, ein ganzes Land umzukrempeln. Es ist Italien zu wünschen, dass seine berüchtigte politische Klasse noch eine Weile in der Post-Berlusconi-Schockstarre verharrt und dem Wirtschaftsprofessor aus Mailand nicht allzu früh Knüppel zwischen die Beine wirft.
Monti macht sich an das, was man so abstrakt Strukturreformen nennt. Damit versucht er, die bleierne Lähmung zu vertreiben, die sich in der Ära Berlusconi – und auch schon davor – über das Land gelegt hat.
Letztlich sind diese Strukturreformen auch das schärfste Schwert gegen die hohe Arbeitslosigkeit junger Leute (30,0% im Dezember 2011). Denn ein erstarrtes System schützt immer jene, die haben, und straft jene, die nicht haben – besonders Berufseinsteiger.
Montis Generalüberholung hat zunächst vier Hauptstoßrichtungen. Das gute daran: Es kostet keine Milliardensummen, sondern “nur” politischen Willen. Davon aber jede Menge.
1.) Sparpaket
Als erstes drückte Monti ein Sparpaket im Umfang von rund 30 Mrd. durchs Parlament. Im Gegensatz zu Berlusconis “Sparpaketen” handelt sich hier nicht um wolkige Ankündigungen, sondern um konkrete Maßnahmen. Ausgaben werden gestrichen und Steuern werden erhöht. Gekürzt wird z.B. bei den Rentenausgaben: Frührenten werden abgeschafft, das Renteneintrittsalter auf 66 Jahre erhöht.
Hausbesitzern greift das Finanzamt tiefer in die Taschen. Die Mineralölsteuer steigt, sodass Italiens Spritpreise heute die höchsten Europas sind. LKW-Fahrer legten aus Protest bereits den Verkehr lahm.
WeiterlesenKommentieren | makro | 02. Februar 2012 | 15:50 Uhr |
|
-
Gefällt mir? Naja.
Nach einer ganzen Reihe von Social-media-IPOs zieht es jetzt auch Facebook an die Börse. Die Idee ist nicht ganz neu – schon 2011 gab es Spekulationen über einen Börsengang. Doch Firmengründer Mark Zuckerberg hatte keine Eile. Je länger er wartet, so die Kalkulation, desto mehr Nutzer, Umsätze und Gewinne hat er – und desto höher der Preis, den er mit seinem Anteilsverkauf erzielt. Die Rechnung ging auf.
Eine kleine Zwischentaxe für die Unternehmensbewertung lieferte 2011 der Deal mit der Investmentbank Goldman Sachs und der Internet-Holding mail.ru, die für 500 Mrd. Dollar ein Prozent der Anteile an Facebook erwarben. Damit wäre Zuckerbergs Firma insgesamt 50 Mrd. Dollar Wert gewesen.
100.000.000.000 Dollar
Heute hat Facebook nach eigenen Angaben 845 Mio. Nutzer und ehemalige Branchenstars wie MySpace völlig marginalisiert. Der Zeitpunkt scheint den Eigentümern günstig, den IPO (Initial Public Offering) endlich durchzuziehen. Die Unterlagen für den Börsengang sind am Mittwoch dieser Woche eingereicht worden und ermöglichen erstmals einen detaillierten Blick in die Geschäftszahlen. Umsatz 2011: 3,7 Mrd. Dollar, Gewinn: 1,0 Mrd. Dollar.Wie lange es dann noch bis zum ersten Handelstag dauert, hängt unter anderem davon ab, wie lange die Börsenaufsicht braucht, die Zahlen zu sichten, und wie lange die Konsortialbanken brauchen, um das Aktienpaket unter die Leute zu bringen. Man rechnet mit Ende April oder Anfang Mai.
Facebook peilt zunächst an, für 5 Mrd. Dollar Anteile an Investoren zu verkaufen. Bei entsprechender Nachfrage kann das aber auch mehr werden. Analysten nennen auch einen Erlös von 10 Mrd. Dollar. Den gesamten Unternehmenswert schätzen sie auf 80-100 Mrd. Dollar. Ein IPO-Preis am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne spült Facebook bzw. den Altinvestoren zwar weniger Geld in die Kasse, steigert aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse in den ersten Handelstagen schön steigen. Das macht sich immer gut.
Weniger ist mehr
Es ist übrigens eine neue Masche der Internet-Börsengänge, nur einen kleinen Teil der Anteile an der Börse zu listen – bei Facebook wären es gerade mal 5-10%. Das knappe Angebot treibt die Preise. Das war bei der Schnäppchenfirma Groupon nicht anders. Und führt zu aberwitzigen Bewertungen.Das erfolgreichste Jahr für Internet-IPOs war übrigens 2000. Es gab laut Bloomberg 101 Börsengänge im Volumen von 11,0 Mrd. Dollar. Kurz darauf platzte die Dotcom-Blase. Das Jahr 2011 kam zum ersten Mal wieder in diese Größenordnung: 19 IPOs im Umfang von 6,6 Mrd. Dollar.
Irre hoch
Das Business-Netzwerk und Xing-Konkurrent LinkedIn (IPO Mai 2011) wird heute mit 7,4 Mrd Dollar bewertet, etwa soviel wie die Lufthansa. Groupon (IPO November 2011) kostet 12,6 Mrd., kaum weniger als ThyssenKrupp, und die Social-gaming-Company Zynga (Farmville, Cityville, IPO Dezember 2011) bringt aktuell 7,3 Mrd. Dollar auf die Waage.Facebook wäre mit 100 Mrd. Dollar etwa zum 25-fachen seines Umsatzes und zum 100-fachen seines Gewinns bewertet. Zum Vergleich: Die ebenfalls stramm bewerteten Suchmaschinenkönige von Google bringen es “nur” auf den 6-fachen Umsatz und das 20-fache ihres Gewinns. Facebook darf sich in den nächsten fünf Jahren auf seinem rasanten Expansionskurs keinen Schwächeanfall erlauben, um einen 100-Milliarden-Vertrauensvorschuss zu rechtfertigen. Die Analystengemeinde wird kräftig dafür trommeln. Mit anderen Worten: Da ist viel Luft nach unten.
Kommentieren | makro | 31. Januar 2012 | 17:38 Uhr |
|
-
Jetzt auch die EZB?
Die Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und privaten Gläubigern sind festgefahren. Seit sich Europas Regierungschefs Ende letzten Jahres darauf geeinigt hatten, private Gläubiger griechischer Staatsanleihen zu einem freiwilligen Schuldenschnitt von 50% zu bewegen, schleppt sich der Streit ums Kleingedruckte hin.
Mittlerweile ist allen Beteiligten klar, dass ein Haircut von 50% nicht ausreicht. Von rund 350 Mrd. Euro griechischer Schulden liegen gut 200 Mrd. Euro in Händen privater Gläubiger, davon wiederum etwa 70 Mrd. Euro bei Pensions-, Staats- und Hedgefonds, 135 Mrd. bei Banken und Versicherungen.
Hedgefonds legen sich quer
Charles Dallara, Verhandlungsführer der privaten Gläubiger, hat sein (zunächst) letztes Angebot auf den Tisch gelegt: “freiwilliger” Verzicht auf 69% des Nennwertes und Umtausch in Anleihen mit durchschnittlich 4,25% über 30 Jahre. Europas Finanzminister wollen mehr, bzw. weniger: maximal 3,5% Verzinsung bis 2020, danach höchstens 4%.Liegt nicht allzu weit auseinander, sollte man meinen. Das Problem sind aber die Hedgefonds. Denn einige haben sich mit Kreditausfallversicherungen eingedeckt (Credit Default Swaps -CDS) und könnten fette Beute machen, wenn eine Einigung scheitert, Griechenland also offiziell Pleite geht. Dann bekämen sie denn Nennwert ihrer Anleihen zu 100% ausgezahlt.
EZB stellt sich stur
Vielleicht ist das Geschacher um 3,5% oder 4,25% aber auch unerheblich, denn die verbleibende Schuldenlast wäre für Griechenland immer noch zu hoch – weshalb sich die Blicke jetzt anderen Gläubigern zuwenden. Da ist zum Beispiel die EZB, die nach Angaben von Barclays Capital rund 36 Mrd. Euro Griechenland-Anleihen aufgekauft hat. Über die genaue Höhe schweigen die Zentralbanker und weigern sich kategorisch, an einem Forderungsverzicht teilzunehmen. Selbst an Verhandlungen.Am Ende ist davon auszugehen, dass auch die öffentliche Hand, sei es über die EZB oder die bisher ausgezahlten Kredittranchen der Rettungspakete, an der Griechenpleite beteiligt werden. Um das Gesicht zu wahren, ist denkbar, dass die EZB ihre Griechenland-Anleihen zu 80% des Nennwertes oder zu Einkaufskosten dem Rettungsfonds ESFS aufs Auge drückt, schreiben Dimitris Drakopoulos und Lefteris Farmakis von Nomura. Dann wäre die EZB endlich etwas los, was sie nie haben wollte und der Ball läge wieder dort, wo er hingehört: bei der Politik.
Wie auch immer. Am Ende ist der Steuerzahler dran.
Kommentieren | makro | 25. Januar 2012 | 18:04 Uhr |
|
-
Die Ware Tier – Reden Sie mit!
Der deutsche Verbraucher in seiner Eigenschaft als Fleischesser ist ein gutes Stück schizophren: Einerseits empört er sich über industrielle Massentierhaltung, andererseits will er billiges Fleisch. Oder sind wir alle Opfer einer skrupellosen Fleischmafia? Geht es auch anders? Und wenn ja – wie?
Im Anschluss an die Sendung steht unser Studiogast Albert Sundrum, Professor für Tiergesundheit und Tierernährung an der Universität Kassel, den Zuschauern Rede und Antwort hier in unserem Blog.
Stellen Sie Ihre Fragen oder schreiben Sie Ihre Meinung.
Hinweis: Es kann ein paar Minuten dauern, bis unser Studiogast nach der Sendung an einem Rechner sitzt und loslegen kann.
123 Kommentare | makro | 20. Januar 2012 | 19:22 Uhr |
|







