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	<title>Kulturzeit-Blog</title>
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	<description>Blog der Kulturzeitredaktion</description>
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		<title>Andrang für Farhadi</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 12:35:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kulturzeit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cannes]]></category>

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		<description><![CDATA[von Peter Paul Huth Der Regen hat aufgehört, sonniges Frühlingswetter an der Croisette. Vor Beginn des neuen Films von Ashgar Farhadi &#8220;Le Passé&#8221; gab es Momente der Panik vor dem Festivalkino, als plötzlich niemand mehr in den Saal gelassen wurde. Aber dann fand sich doch Platz für (fast) alle. Dass der Film eines iranischen Regisseurs [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>von Peter Paul Huth</strong></p>
<p><a href="http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/files/2013/05/1705_farhadi_n.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2566" src="http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/files/2013/05/1705_farhadi_n-300x168.jpg" alt="" width="229" height="128" /></a>Der Regen hat aufgehört, sonniges Frühlingswetter an der Croisette.<br />
Vor Beginn des neuen Films von Ashgar Farhadi &#8220;Le Passé&#8221; gab es Momente der Panik vor dem Festivalkino, als plötzlich niemand mehr in den Saal gelassen wurde. Aber dann fand sich doch Platz für (fast) alle. Dass der Film eines iranischen Regisseurs einen solchen Andrang auslöst, passiert auch nicht alle Tage. Aber Ashgar Farhadi ist nicht irgendwer: Mit &#8220;Nader und Simin &#8211; eine Trennung&#8221; hat er 2011 den Goldenen Bären auf der Berlinale gewonnen und einen Oscar in Hollywood. Sein neuer Film erzählt wieder eine Trennungsgeschichte, aber diesmal an einem andern Ort und unteranderen Umständen.</p>
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		<title>&#8220;Jung &amp; schön&#8221; in Cannes</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 10:07:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kulturzeit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cannes]]></category>

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		<description><![CDATA[von Peter Paul Huth Unser Film des Tages ist &#8220;Jeune &#38; Jolie&#8221;, &#8220;Jung &#38; schön&#8221; von Francois Ozon. Der französische Regisseur, dessen Filme regelmäßig auch bei uns ins Kino kommen, erzählt die Geschichte einer 17-Jährigen, die sich prostituiert. Isabelle feiert ihren 17. Geburtstag, und verliert in den Ferien an der Cote d&#8217;Azur ihre Unschuld. Diese Erfahrung ist weniger [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>von Peter Paul Huth</strong></p>
<p><a href="http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/files/2013/05/1705_vacth2_n.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2563" src="http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/files/2013/05/1705_vacth2_n-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" /></a>Unser Film des Tages ist &#8220;Jeune &amp; Jolie&#8221;, &#8220;Jung &amp; schön&#8221; von Francois Ozon<strong>.</strong> Der französische Regisseur, dessen Filme regelmäßig auch bei uns ins Kino kommen, erzählt die Geschichte einer 17-Jährigen, die sich prostituiert.</p>
<p>Isabelle feiert ihren 17. Geburtstag, und verliert in den Ferien an der Cote d&#8217;Azur ihre Unschuld. Diese Erfahrung ist weniger aufregend und romantisch als sie gehofft hatte. Ihr deutscher Urlaubsflirt Felix entpuppt sich als schlechter Liebhaber &#8211; was kann man von einem Deutschen auch anderes erwarten? Zurück in Paris verabredet sie sich per Internet mit Männern, die sie für Sex bezahlen. Das mag spekulativ und voyeuristisch klingen, ist von Francois Ozon jedoch sinnlich und diskret in Szene gesetzt.</p>
<p>Isabelle wird gespielt von Marine Vacth, die als Model gerabeitet hat und sich in der Pressekonferenz als äußerst schüchterne junge Frau entpuppt. Umso eloquenter spricht Regisseur Francois Ozon, der auch das Drehbuch geschrieben hat, über den Film. Er wollte sich absetzen von einer Idealisierung der Jugend, eine Zeit, die in seiner Erfahrung schmerzhaft und verwirrend war.  &#8221;Es gibt keine Unschuld, wir sind alle schuldig und potentiell kriminell in unserer Fantasie,&#8221; sagt Ozon. Isabelle ist kein Mädchen, das seine Unschuld verliert, sondern eine Jugendliche, die ihre Fantasien auslebt. Warum sie das tut, warum sie mit Sex Geld verdient, bleibt im Film ihr Geheimnis. Ozon liebt es, mit Anspielungen zu arbeiten, seine Dialoge sind präzise und oft sehr komisch. Aber &#8220;Jeune &amp; Jolie&#8221; ist keine Komödie. Isabelles Mutter Marie &#8211; grandios: Geraldine Pailhas &#8211; ist schockiert und tief verletzt. Ihre Tochter, die ihr eben noch so vertraut war, steht ihr plötzlich als Fremde gegenüber. Der Stiefvater (Frederic Pierrot) reagiert nachsichtiger, spürt aber auch seine Hilflosigkeit. Der Einzige, der Isabelles Vertrauen hat, ist ihr kleiner Bruder. Die Szenen zwischen den Geschwistern besitzen einen großartigen, sehr lebensnahen Humor. Ozons Film besticht durch die Schärfe der Dialoge und die Eleganz der Inszenierung. Schwerelos gehen die Szenen ineinander über, untermalt von melancholischen Chansons der legendären Francoise Hardy aus den 1970er Jahren.</p>
<p>In der Pressekonferenz wird auch die Frage, warum es ein deutscher Liebhaber sein musste, endgültig geklärt. Im Drehbuch war es ein Engländer, aber Ozon lernte den deutschen Schauspieler kennen und besetzte ihn kurzerhand. Engländer und Französinnen oder umgekehrt, das war ihm zu klischeehaft. Dass die Deutschen kein Talent haben, &#8220;pour faire l&#8217;amour&#8221;, das braucht man einem internationalen Publikum wie in Cannes nicht zu erklären.</p>
<p>(Bildquelle: dpa)</p>
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		<title>Leonardo in town!</title>
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		<pubDate>Thu, 16 May 2013 10:45:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kulturzeit</dc:creator>
				<category><![CDATA[02. Vor Ort]]></category>
		<category><![CDATA[Cannes]]></category>

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		<description><![CDATA[von Peter Paul Huth Cannes in Aufruhr, Leonardo is in town! Vor der Pressekonferenz (PK) zu &#8220;The Great Gatsby&#8221;, dem Eröffnungsfilm des Festivals, kam es zu tumultartigen Szenen. Am Ende blieb die Hälfte der Journalisten draußen und musste sich die PK auf dem Monitor anschauen. Regisseur Baz Luhrmann erzählte, wie akribisch man die Szenerie der 1920er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>von Peter Paul Huth</strong></p>
<p>Cannes in Aufruhr, Leonardo is in town! Vor der Pressekonferenz (PK) zu &#8220;The Great Gatsby&#8221;, dem Eröffnungsfilm des Festivals, kam es zu tumultartigen Szenen. Am Ende blieb die Hälfte der Journalisten draußen und musste sich die PK auf dem Monitor anschauen.</p>
<p><a href="http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/files/2013/05/1605_dicaprio_n.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2536" src="http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/files/2013/05/1605_dicaprio_n-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" /></a>Regisseur Baz Luhrmann erzählte, wie akribisch man die Szenerie der 1920er Jahre rekonstruiert habe, waehrend Leonardo DiCaprio meinte, das Wichtigste sei es, &#8220;dem Buch gerecht&#8221; zu werden. So beginnt das Werk exakt mit den Sätzen, mit denen auch das Buch anfängt. Der Erzähler Nick Carraway spricht sie aus dem Off. Tobey Maguire spielt ihn als verwirrten jungen Mann, der ahnungslos in die Roaring Twenties hineinstolpert. Aber so ganz traut Baz Luhrmann dem Text von F. Scott Fitzgerald doch nicht. Die Parties sind wilder und orgiastischer als sie im Roman beschrieben werden, alles ist eine Nummer schriller und überdrehter. Der Champagner spritzt, das Konfetti regnet auf die Partygäste. Man trinkt bis zum Umfallen, tanzt auf den Tischen und springt in den Pool.</p>
<p>Leonardo DiCaprio macht sich nicht schlecht als sozialer Aufsteiger Jay Gatsby, der davon träumt, seine große Liebe Daisy zurückzugewinnen. Aber durch die 3D-Technik wirken die Charaktere wie Papp-Figuren aus einem Pop-Up-Buch. Sie stehen im Vordergrund, während hinten fabulöse Landsitze und New Yorker Silhouetten per Special Effects herbeigezaubert werden. Baz Luhrmann macht aus Fitzgeralds Gesellschaftsporträt ein Liebes- und Familiendrama. Gatsby liebt Daisy, aber die ist mit Tom verheiratet, der sie als seinen Besitz betrachtet und beim Showdown im Plaza Hotel Gatsbys Unterwelt-Kontakte gegen ihn ins Spiel bringt. Dass Gatsbys zwielichtiger Geschäftspartner Meyer Wolfsheim einer ethnisch-moralischen Säuberung zum Opfer fällt, ist ein besonders absurdes Detail des Films. Der jüdische Gangster wird mit einem indischen Schauspieler besetzt, was die &#8220;New York Times&#8221; als &#8220;Vermeiden antisemitischer Klischees&#8221; lobt. Aus Fitzgeralds großem Roman über die hedonistischen 1920er Jahre wird ein opulent ausgestattetes Stück Retro-Kitsch.</p>
<p>Nach der Pressevorführung herrscht Ratlosigkeit und Schweigen. Niemand klatscht Beifall. So wenig Enthusiasmus erlebt man auch in Cannes nicht oft. Ganz anders die Stimmung bei der Pressekonferenz der Jury. Viel Beifall für Steven Spielberg, der den Vorsitz hat, und seine prominenten Mit-Juroren wie Ang Lee, Nicole Kidman, Daniel Auteuil und Christoph Waltz. Spielberg, ein freundlicher älterer Herr, freut sich darauf, endlich einmal in Ruhe Filme anzuschauen, anstatt eine Oscar-Kampagne wie zuletzt bei &#8220;Lincoln&#8221; zu absolvieren. Die Jury wirkt entspannt und gut gelaunt. Jetzt kann das Festival beginnen.</p>
<p>(Bildquelle: Reuters)</p>
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		<title>Hamburger Begegnung</title>
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		<pubDate>Thu, 16 May 2013 10:20:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kulturzeit</dc:creator>
				<category><![CDATA[02. Vor Ort]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburger Begegnung]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Wie und das Was, Stil und Stoff, Wissen und Suggestivkraft von Karl-Heinz Ott (gekürzte Fassung) Joseph Vogls &#8220;Das Gespenst des Kapitals&#8221; wurde vom Feuilleton hymnisch besprochen, und zwar durchweg. Dass ausgerechnet ein Literaturwissenschaftler die entfesselte Finanzwelt besser zu durchschauen scheint als jeder gelernte Ökonom, machte mächtig Eindruck. Tatsächlich liest sich Vogls Traktat wie ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Wie und das Was, Stil und Stoff, Wissen und Suggestivkraft</strong></p>
<p><strong>von Karl-Heinz Ott (gekürzte Fassung)</strong></p>
<p>Joseph Vogls &#8220;Das Gespenst des Kapitals&#8221; wurde vom Feuilleton hymnisch besprochen, und zwar durchweg. Dass ausgerechnet ein Literaturwissenschaftler die entfesselte Finanzwelt besser zu durchschauen scheint als jeder gelernte Ökonom, machte mächtig Eindruck. Tatsächlich liest sich Vogls Traktat wie ein höchst gescheiter Reiseführer durch die wirren Distrikte einer selbstherrlich gewordenen, durch nichts mehr zu bremsenden Finanzwelt, die jeden realwirtschaftlichen Boden verloren hat und in losgelösten Sphären ein irres Eigenleben führt. Weil Vogls Sprache mit allen Wassern der finanztechnischen Terminologie gewaschen zu sein scheint, war die Bewunderung groß, zumindest bei Leuten, die von Ökonomie so viel verstehen wie Banker von poetologischen Kategorien. Die Abwesenheit jeder moralischen Empörung, der nüchterne Ton, das diagnostisch wirkende Vokabular und der analytische Gestus sprechen von vornherein für dieses Buch. Vogl ist das Gegenteil eines Krawallmachers, und wenn seine Sprache an etwas leidet, dann keineswegs an expressivem Überschwang, sondern allenfalls an Anämie.</p>
<p>Und doch ist sie so nüchtern, wie es scheint, nicht. Auch theoretische Texte leben von rhetorischen Stilmitteln und dramaturgischen Kompositionsprinzipen, selbst dort, wo sie jeder literarischen Finesse entraten und keinerlei funkelnde Sprache besitzen. Dass selbst Abhandlungen, die sich analytisch geben und weitgehend im Abstrakten verharren, auf ein suggestives Vokabular nur schwer verzichten können und es meist auch gar nicht wollen, zeigt sich nirgends besser als an Vogls Buch. Allein auf den ersten anderthalb Seiten wird der Leser in jedem Satz mit folgenden Adjektiven und Substantiven bombardiert: &#8220;unsichtbar, Unheimlichkeit, gespenstisch, Rätselfiguren, undurchsichtig, erhaben, unvorstellbar, Spektakel, Unvernunft, verrückt, Verwicklungen, Entzifferung, unerhört, undurchschaubar, Gespenst&#8221;.</p>
<p>[...]</p>
<p>Vermutlich stimmt das alles auch, wir können es glauben oder nicht. Es hört sich in seiner Abenteuerlichkeit jedenfalls besser an als jede schulbuchmäßige Abhandlung, die den Aufklärungshungrigen vor allem mit Zahlen und Tabellen traktiert und ihm Statistiken vorsetzt, die ein Deutungswissen voraussetzen, über das die meisten von uns nicht verfügen. Mit seinem zwar begriffsstarren, jedoch durchaus lesbaren Text beschert Vogl uns eine kühne Geschichte über noch tollkühnere Finanzspektakel und -spekulationen, die keiner romanesken Akteure mehr bedürfen, sondern aus windigen Prozeduren bestehen, die bei aller Mikrologik jede Makrologik vermissen lassen. Mit solchen Diagnosen beschert Vogl all jenen, die sich lediglich in geisteswissenschaftlichen Gefilden bewegen, wieder einmal das Gefühl, den Wirtschaftsbossen, Finanzjongleuren und Ökonomen überlegen zu sein, und zwar allein durch das Wissen, dass alles viel chaotischer ist, als Insider und Spezialisten es sich eingestehen wollen.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Was man als Leser oder Kritiker dennoch nicht übersehen und übergehen sollte, sind Stil und Form seines Werks. Immerhin weist Vogl uns sogar ausführlich auf das dichotomische Ideengeflecht hin, aus dem sein gedanklicher Schematismus sich speist. Schließlich ist ausdrücklich vom „Ökonomisch-Erhabenen“ die Rede, mit dem er die unfassbaren, nicht mehr darstellbaren, ins Monströse abgleitenden Finanzprozesse charakterisiert. Den marktwirtschaftlichen Glauben an Adam Smiths unsichtbare Hand weist er dagegen als eine Illusion aus, die irrerweise immer noch meint, dass der entfesselte Kapitalismus allgemeinen Wohlstand und damit sozialen Frieden erzeugt. Vogl bedient sich von Anfang bis Ende philosophischer Kategorien, die seit jeher nicht nur eine ästhetische, sondern auch politische Bedeutung besitzen und in den Werken Edmund Burkes und Kants ihre neuzeitliche Ausformung erhielten. Das Schöne wird dabei dem Erhabenen entgegengesetzt, wobei das eine fürs Harmonische und Geordnete steht, während man unter das Andere alles Maßlose, Unfassbare und Unbegreifliche subsumiert.</p>
<p>[...]</p>
<p>Auch Litaneien sind ein Stilmittel, freilich eines ohne großen Erkenntniswert. Was, wie gesagt, keineswegs heißt, dass Vogl mit seinen Behauptungen Unrecht hat. Dass die feuilletonistischen Hymniker auf seine Stilmittel allerdings überhaupt nicht geachtet und nur den sogenannten Inhalt bejubelt haben, ist insofern kaum verwunderlich, als ein nicht geringer Teil der heutigen Feuilletonkritik das Wie gegenüber dem Was nahezu ausblendet, und zwar durchgängig, auch bei Romanen. Stilistische und dramaturgische Gesichtspunkte scheinen dabei kaum noch eine Rolle zu spielen, obwohl eigentlich jeder halbwegs sprachempfindliche Leser wissen müsste, dass es keinen einzigen Gehalt ohne eine bestimmte Gestalt, keinen einzigen Inhalt ohne eine entsprechende Form, kein einziges Was ohne ein Wie gibt. Sprache besteht aus Sound, Atmosphäre und Klang. Wenn das Rezensionswesen sich, wie es immer mehr der Fall ist, nur noch aufs Nacherzählen konzentriert und damit nichts anderes als erweiterte Klappentexte produziert, denen ein Geschmacksurteil angehängt wird, muss man sich nicht darüber wundern, dass auch an Vogls Text nicht mehr seine Machart wahrgenommen wird, sondern nur noch das, was er scheinbar an Lehren bereithält.</p>
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		<title>Cannes 2013 &#8211; Wir sind gespannt</title>
		<link>http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/2013/05/15/cannes-2013/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 14:18:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kulturzeit</dc:creator>
				<category><![CDATA[01. Aktuell]]></category>

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		<description><![CDATA[von Peter Paul Huth Das Programm von Cannes sieht 2013 ziemlich spannend aus &#8211; zumindest auf dem Papier. Zunächst einmal geht es los mit Glamour und Starappeal: Leonardo DiCaprio als Jay Gatsby in Baz Luhrmans Neuverfilmung von F. Scott Fitzgeralds Kultroman aus den 1920er Jahren. Während die einen vom Eröffnungsfilm wenig erwarten, weil das Buch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>von Peter Paul Huth</strong></p>
<p><a href="http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/files/2013/05/1505_cannes_n.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2515" src="http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/files/2013/05/1505_cannes_n-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" /></a>Das Programm von Cannes sieht 2013 ziemlich spannend aus &#8211; zumindest auf dem Papier. Zunächst einmal geht es los mit Glamour und Starappeal: Leonardo DiCaprio als Jay Gatsby in Baz Luhrmans Neuverfilmung von F. Scott Fitzgeralds Kultroman aus den 1920er Jahren. Während die einen vom Eröffnungsfilm wenig erwarten, weil das Buch einfach zu gut ist, um es es adäquat auf die Leinwand zu bringen, meinen andere, wie A.O. Scott in der &#8220;New York Times&#8221;, der Roman sei gar nicht so eine große Nummer wie man allgemein annehme. Das wilde Partyleben in den digital rekonstruierten 20er Jahren sei Luhrman ganz gut gelungen. Ein Regisseur als Zirkusdirektor, der in Effekten und großen Gefühlen schwelgt &#8211; das sei genau der Richtige für den Literatur- und Kinomythos Gatsby. Morgen wissen wir mehr.</p>
<p>Wie gesagt, das Programm sieht vielversprechend aus. Festivalleiter Thierry Frémaux setzt auf internationales Autorenkino. Mit großer Spannung wird der neue Film von Asghar Farhadi erwartet. Der iranische Regisseur hat 2011 mit &#8220;Nader und Simin &#8211; eine Trennung&#8221; auf der Berlinale den Goldenen Bären gewonnen, in Hollywood den Oscar für den besten ausländischen Film und in Frankreich einen sensationellen Kinoerfolg mit mehr als einer Million Zuschauer. Sein Neuling, &#8220;Le Passe&#8221;, ist eine französisch-iranische Koproduktion mit Brenice Bejo (&#8220;The Artist&#8221;) und Tahar Rahim (&#8220;Ein Prophet&#8221;) in den Hauptrollen. Auch hier geht es um ein Paar im Trennugsprozess.</p>
<p>Hoch gehandelt wird auch der Italiener Paolo Sorrentino, der vor einigen Jahren in Cannes mit seiner grandiosen Politsatire &#8220;Il Divo&#8221; den Großen Preis der Jury gewonnen hat. In &#8220;La grande belleza&#8221; spielt Toni Servillo einen zynischen, abgehalfterten Society-Reporter im Rom von heute &#8211; ein moderner Doppelgänger von Marcello Mastroiannis Figur in &#8220;La Dolce Vita&#8221;.</p>
<p>Frankreich ist mit Francois Ozons &#8220;Jeune &amp; Jolie&#8221;, Arnaud Desplechins &#8220;Jimmy P. (Psychotherapy of a Plains Indian)&#8221;, Valeria Bruni Tedeschis &#8220;Un Chateau En Italie&#8221; und Abdellatif Kechiches &#8221; La Vie D&#8217;Adele &#8211; Chapitre 1 &amp; 2&#8243; stark vertreten. Dazu kommen Roman Polanskis &#8216;La Venus Au Fourrure&#8221;, frei nach dem Roman von Sacher-Masoch und Arnaud des Pallieres, der die Kleist-Novelle &#8220;Michael Kohlhaas&#8221; in die Cevennen des 17. Jahrhunderts verlegt.</p>
<p>Interessant sein dürften auch die großen Namen des US-amerikanischen Independent-Kinos, etwa die Coen-Brueder, die in &#8220;Inside Llewyn Davis&#8221; von einem Folksinger im Greenwich Village der 1960er Jahre erzählen. Wer dabei an den frühen Bob Dylan denkt, dürfte nicht ganz falsch liegen. James Gray taucht mit &#8220;The Immigrant&#8221; in das Milieu osteuropäischer Einwanderer um die Jahrhundertwende ein und Alexander Payne lässt seine Protagonisten nach &#8220;Nebraska&#8221; reisen, wo er selbst aufgewachsen ist. Nach &#8220;Driver&#8221;  für den er 2011 den Regiepreis gewann, ist Nicolas Winding Refn mit dem Rache-Thriller &#8220;Only God Forgives&#8221; zurück in Cannes, wieder mit dem coolen Ryan Gosling in der Hauptrolle. Steven Soderbergh verschiebt seinen Abschied vom Kino und präsentiert &#8220;Behind The Candelabra&#8221;, eine biografische Annäherung an den schrillen Pianisten Liberace, dem US-amerikanischen Vorläufer von Freddie Mercury, gespielt von Michael Douglas.</p>
<p>Außerdem gibt es neue Filme von Jia Zhangke aus China, Kore-Eda und Takashi Miike aus Japan. Nur die Deutschen sind wieder einmal nicht dabei. Jedenfalls nicht im Wettbewerb. In der Reihe &#8220;Un Certain Regard&#8221; ist in letzter Minute der Abschlussfilm der Hamburger Regisseurin Katrin Gebbe &#8220;Tore tanzt&#8221; nachnominiert worden. Wie gesagt, eine starke Auswahl. Wir sind gespannt.</p>
<p>(Bildquelle: reuters)</p>
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		<item>
		<title>Hamburger Begegnung &#8211; Ein Kommentar</title>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 12:40:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kulturzeit</dc:creator>
				<category><![CDATA[02. Vor Ort]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburger Begegnung]]></category>

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		<description><![CDATA[Gründe, warum es die zeitgenössische Literatur mit der Kapitalismuskritik schwer hat (und warum sie trotzdem nicht aufgeben darf) von Gregor Dotzauer, 7. Mai 2013 Theoretische Analyse und literarische Erzählbarkeit haben sich in dem Maß entkoppelt, in dem die Konsumgesellschaften das Gros der Verelendungsprognosen Lügen gestraft haben. Friedrich Engels‘ Studie zur &#8220;Lage der arbeitenden Klasse in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Gründe, warum es die zeitgenössische Literatur mit der Kapitalismuskritik schwer hat (und warum sie trotzdem nicht aufgeben darf)</strong></p>
<p><strong>von Gregor Dotzauer, 7. Mai 2013</strong></p>
<p><a href="http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/files/2013/05/24_kapitalismus5_n.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2507" src="http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/files/2013/05/24_kapitalismus5_n-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" /></a>Theoretische Analyse und literarische Erzählbarkeit haben sich in dem Maß entkoppelt, in dem die Konsumgesellschaften das Gros der Verelendungsprognosen Lügen gestraft haben. Friedrich Engels‘ Studie zur &#8220;Lage der arbeitenden Klasse in England&#8221; (1845) und Karl Marxens &#8220;Kapital&#8221; (1867) und sind noch in derselben Welt angesiedelt wie Upton Sinclairs Roman &#8220;Der Dschungel&#8221; (1904/05) über die Schlachthöfe von Chicago. Die biopolitische Wende der Kapitalismuskritik (Michel Foucault) hat nur in sehr begrenztem Umfang Erzählweisen hervorgebracht, die sich direkt darauf beziehen lassen. Die Kolonialisierung der Seele durch den Markenartikel hat am ehesten Eingang in die Popliteratur gefunden.</p>
<p>Literatur entsteht zumeist lokal und wird, wo sie gelingt, universal. Darin unterscheidet sie sich von aller Theorie. Denn sie verschleiert in der Regel ihre Verankerung in partikularen Lebenswelten und steuert gleich aufs Ganze zu. Theoretisch fragwürdig ist schon die Annahme, dass die Finanzkrise von 2007/08 die Irrationalität des Kapitalismus wie kein zweites Ereignis offenbart habe. Es heißt nicht, Joseph Vogls Essay in Frage zu stellen, wenn man dagegen Chandran Nair Buch &#8220;Consumptionomics&#8221; (&#8220;Der große Verbrauch&#8221;) setzt. Darin behauptet Nair, dass der wirtschaftliche Aufschwung Asiens in den letzten zehn Jahren weitaus dramatischere Folgen für die Zukunft des Planeten haben wird.</p>
<p>Theorie muss Schlüsse ziehen. Die Literatur ist besser beraten, es nicht zu tun. Das in seiner feldstudienhaften Genauigkeit beeindruckendste Buch, das ich in letzter Zeit gelesen habe, ist Katherine Boos Dokumentarroman &#8220;Annawadi&#8221; über einen Slum vor den Toren von Mumbai. Die romanhafte Illusion, autonom handelnden Figuren zu begegnen, wird in Schach gehalten vom Wissen, dass sie alle nur auf einem stark beschränkten Feld von Möglichkeiten agieren. Für eine starke dokumentarische Literatur zu votieren, heißt nicht, sie als Ideal hinzustellen. Sowohl für Herbert Marcuse (&#8220;Der eindimensionale Mensch&#8221;) wie für Gilles Deleuze und Félix Guattari lag das Widerstandspotenzial nicht im vordergründig Stofflichen und Kritischen. Ihnen ging es um eine gestische Rebellion. Dafür stehen Franz Kafka, Herman Melville, André Breton, Samuel Beckett. Nur: Wo wäre diese Geste heute nicht aufgebraucht?<em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Wir sind über den Diskurs eines sich ständig perfektionierenden Verblendungszusammenhangs seit Horkheimer/Adornos &#8220;Dialektik der Aufklärung&#8221; nicht hinausgekommen, und die Unentrinnbarkeit des Massenkonsums wird noch immer mit den Mitteln von Marcuse beschworen. Immer noch liegt in der Grundversorgung der Bedürfnisse kein Privileg, sondern nur eine systemische Verschwörung. Attackiert wird eine pervertierte Freiheit, eine pervertierte Flexibilität (Richard Sennett), eine pervertierte Kreativität. Doch wo wäre das Authentische?</p>
<p>(Bildquelle: dpa)</p>
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		<title>Hamburger Begegnung &#8211; Ein Résumé</title>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 12:22:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kulturzeit</dc:creator>
				<category><![CDATA[02. Vor Ort]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburger Begegnung]]></category>

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		<description><![CDATA[Matt oder nicht matt, das ist hier die Frage … von Michael Schmitt Es blieb Peter Hamm überlassen, daran zu erinnern, dass in revolutionärer gesonnenen Zeiten als den gegenwärtigen, also 1968, einmal die Forderung nach der Abschaffung der Literatur erhoben worden war.  Wie ernst das seinerzeit tatsächlich gemeint war, ist bis heute umstritten &#8211; Peter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Matt oder nicht matt, das ist hier die Frage …</strong></p>
<p><strong>von Michael Schmitt<br />
</strong></p>
<p>Es blieb Peter Hamm überlassen, daran zu erinnern, dass in revolutionärer gesonnenen Zeiten als den gegenwärtigen, also 1968, einmal die Forderung nach der Abschaffung der Literatur erhoben worden war.  Wie ernst das seinerzeit tatsächlich gemeint war, ist bis heute umstritten &#8211; Peter Hamm bekannte sich jedenfalls dazu, damals mit dabei gewesen zu sein, und zeigte zugleich auf, welcher Wandel seither eingetreten ist, wenn er im Jahr 2013 von der Kunst stattdessen einen Moment der Ruhe erhofft, wenn er in ihr einen Notbremse sieht, die den Weltenlauf für einen Augenblick unterbrechen kann.</p>
<p>Ideologie war bei der <a href="http://www.literaturhaus-hamburg.de/lit/home/index.html">&#8220;4. Hamburger Begegnung&#8221;</a> nicht gefragt, wenn darüber diskutiert wurde, wie und ob die Literatur das Gespenst des Kapitals bannen könnte. Mit Joseph Vogls Untersuchungen zur Ideengeschichte des neoliberalen Denkens und der Finanzmärkte war zwar eine traditionell ideologiekritische Folie für diese Gespräche gewählt worden &#8211; aber radikale Erzählhaltungen, wie sie etwa <a href="http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/2013/05/08/hamburger-begegnung-iv/">Feridun Zaimoglu für sich beansprucht, wenn er von &#8220;Schweinekapitalismus&#8221; spricht</a>, scheinen mittlerweile sehr isoliert. Ein bisschen überrascht stellte Meike Fessmann am zweiten Tag fest, wie weit entfernt diese Positionen von den Ideen oder programmatischen Skizzen aller anderer Teilnehmer sei. Das &#8220;Wissen der Literatur, das kein Sachwissen&#8221; sei, wie Lothar Müller ausführte, interessierte die Beteiligten mehr, aber was das im Einzelnen ist und wie es sich in neuen Texten ausdrücken könnte, blieb &#8211; wie könnte es anders sein &#8211; offen.</p>
<p>Denn natürlich gibt es die Fraktionen derer, die keine Familienromane über Industriellendynastien mehr lesen möchten, genauso wie die Gegenpartei, die zentrale Probleme der globalkapitalistisch verfassten Gegenwart durchaus am Beispiel einzelner Menschen, in den kleinen Details des Alltags verankert sehen möchten. Und Gregor Dotzauer plädierte eindringlich dafür, den Blick für Fragen zu öffnen, die sich in fernen Weltregionen stellen, die deutschsprachigen Schriftstellern nicht unbedingt leicht zugänglich sind. Er brach eine Lanze für Dokumentarliteratur und mahnte ein Bewusstsein dafür an, dass die Probleme einer westlichen  Wohlstandsgesellschaft sehr bald durch die Umbrüche in Asien oder Südamerika zu peripheren Angelegenheiten herabgestuft werden könnten. Auch darüber werden durchaus schon Romane geschrieben &#8211; aber erreicht das die hiesigen Debatten?</p>
<p>Der Platz und die Rolle, die Schriftsteller und Kritiker derzeit einnehmen, sind also aus vielen Gründen prekär &#8211; und darüber wird vielleicht am meisten nachzudenken sein. Prekär bedeutet ja nicht nur &#8220;unsicher&#8221; im wirtschaftlichen Sinne als Teil einer Medienindustrie, die reflexartig mit Abscheu betrachtet wird. Prekär heißt auch, den Wandel, den Peter Hamm so knapp und präzise markiert hatte, als Veränderung jedes Einzelnen zu deuten, den expliziten oder unterschwelligen Einfluss auf die individuellen Haltungen präziser als in Hamburg zu befragen. In alten Worten gesagt: &#8220;Erkenntnis und Interesse&#8221;“ genauer zu bestimmen.  Annett Gröschner wies darauf hin &#8211; blieb damit aber auch weitgehend allein.</p>
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		<title>Hamburger Begegnung &#8211; Ein Fragenkatalog</title>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 11:44:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kulturzeit</dc:creator>
				<category><![CDATA[02. Vor Ort]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburger Begegnung]]></category>

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		<description><![CDATA[von Ina Hartwig Das Gespenst des Antikapitalismus ist natürlich der Antisemitismus, deshalb ist Antikapitalismus oft sentimental und immer ein bisschen gefährlich gefährlich. Unseren Sozialstaat und unsere Demokratie als &#8220;Kapitalismus&#8221; zu bezeichnen, ist irreführend, aber verbreitet. Es liegt etwas Verwöhntes, Undankbares darin. Was früher einmal Gesellschaftskritik hieß, hat sich verwandelt in Kaptitalismuskritik. Literatur, und also auch Literaturkritik, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p><strong>von Ina Hartwig</strong></p>
<ul>
<li>Das Gespenst des  Antikapitalismus ist natürlich der Antisemitismus, deshalb ist Antikapitalismus  oft sentimental und immer ein bisschen gefährlich  gefährlich.</li>
</ul>
</div>
<div>
<ul>
<li>Unseren  Sozialstaat und unsere Demokratie als &#8220;Kapitalismus&#8221; zu bezeichnen, ist  irreführend, aber verbreitet. Es liegt etwas Verwöhntes, Undankbares  darin.</li>
</ul>
</div>
<div>
<ul>
<li>Was früher einmal  Gesellschaftskritik hieß, hat sich verwandelt in Kaptitalismuskritik. Literatur,  und also auch Literaturkritik, als Kapitalismuskritik &#8211; geht das  überhaupt?</li>
</ul>
</div>
<div>
<ul>
<li>Wenn Kapitalismus  bedeutet, mit Fiktionen zu spekulieren, die wiederum durch Fiktionen gedeckt  sind, was bedeutet das für das Geschäft des Fiktiven, für die  Literatur?</li>
</ul>
</div>
<div>
<ul>
<li>Warenkritik ist  durch Alltags-Hedonismus und intellektuelle Popkultur obsolet geworden. Nicht  aber der Hass auf die Banker, die stellvertretend für den Sündenfall &#8220;des  Systems&#8221; stehen. Der Kapitalismus frisst seine Kinder. Mich stört die Angstlust  daran.</li>
</ul>
</div>
<div>
<ul>
<li>Wir, die wir durch  unsere Lehrer, durch Hochschullehrer und frühe Vorbilder mit  gesellschaftskritischem Geist überfüttert worden sind, was wollen  wir?</li>
</ul>
</div>
<div>
<ul>
<li>Ein Modewort, oder  besser Plazebo-Wort, scheint symptomatisch für die Rhetorik der postkritischen  Kritik zu sein: das Wort &#8220;funktionieren&#8221;. Warum dieses Verb wohl so beliebt ist?  Bei Joseph Vogl &#8220;funktioniert&#8221; ständig etwas. Der Satz &#8220;Finanzmärkte  funktionieren als fortlaufender Abstimmungsprozess, in ihnen herrscht der Druck  von Konformität&#8221; wäre ein Beispiel. Ist das nun rein deskriptiv oder kritisch  gemeint oder beides zugleich oder keines von beiden?</li>
</ul>
</div>
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		<title>Hamburger Begegnung &#8211; Ein Kommentar</title>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 10:56:35 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[02. Vor Ort]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburger Begegnung]]></category>

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		<description><![CDATA[von Feridun Zaimoglu Der Schweinekapitalist: ein Reicher, vergnügt ob seines perversen Drangs, mehr Geld und mehr Wert zu besitzen. Ein geistloser Mammonknecht, der in seinem eigenen Himmelreich gebietet. Er begehrt, er verwüstet, er zerstört. Um das Elend schert er sich nicht. Alte Welt nennt er alles, was ihm im Wege steht. Mensch und Material will [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>von Feridun Zaimoglu</strong></p>
<p>Der Schweinekapitalist: ein Reicher, vergnügt ob seines perversen Drangs, mehr Geld und mehr Wert zu besitzen. Ein geistloser Mammonknecht, der in seinem eigenen Himmelreich gebietet. Er begehrt, er verwüstet, er zerstört. Um das Elend schert er sich nicht. Alte Welt nennt er alles, was ihm im Wege steht. Mensch und Material will er überdauern. Wir lehnen ihn ab. Unversöhnlich stehen wir ihm gegenüber. Wir rufen: Du bist das hassenswerte Geschöpf deines Geldes. Die Kraft, die dich erschöpft, loben wir. Dein Geld wird vergehen.</p>
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		<title>Hamburger Begegnung &#8211; Ein Zwischenstand</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 09:34:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kulturzeit</dc:creator>
				<category><![CDATA[02. Vor Ort]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburger Begegnung]]></category>

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		<description><![CDATA[von Michael Schmitt &#8220;Das Kapital ist kein Gespenst&#8221;, erklärt der Schriftsteller Ulrich Peltzer, aber nur wenige der anwesenden Kritiker und Schriftsteller teilen diese Meinung. Dieses Bild sei schließlich schon seit dem &#8220;Kommunistischen Manifest&#8221;, damals, 1848, noch  als &#8220;Gespenst des Kommunismus&#8221; bestens eingeführt. &#8220;Es ist etwas anderes, in einem Mietshaus zu wohnen als in einem Spekulationsobjekt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>von Michael Schmitt</strong></p>
<div dir="ltr"><span style="font-family: tahoma">&#8220;Das Kapital ist kein Gespenst&#8221;, erklärt der  Schriftsteller Ulrich Peltzer, aber nur wenige der anwesenden Kritiker und  Schriftsteller teilen diese Meinung. Dieses Bild sei schließlich schon seit dem  &#8220;Kommunistischen Manifest&#8221;, damals, 1848, noch  als &#8220;Gespenst des Kommunismus&#8221;  bestens eingeführt. &#8220;Es ist etwas anderes, in einem Mietshaus zu wohnen als in  einem Spekulationsobjekt, sagt später Jan Peter Bremer, knüpft damit an das  Thema seines Erfolgsromans &#8220;Der amerikanische Investor&#8221; an und benennt den  schwer zu bestimmenden  Punkt, an dem eine Wirtschaftsform, die so etwas wie  Sozialbindung des Eigentums noch kannte, umgeschlagen ist in eine andere, die  derzeit meist nur mit Begriffen wie &#8220;Profit&#8221; oder &#8220;Gier&#8221; charakterisiert wird.  Dass vergleichbare Prozesse flächendeckend vorkommen, ist unbestreitbar. Wie die  Literatur davon erzählen könnte, ist weit weniger klar. Und es ist nicht nur  eine Frage des Temperaments der Anwesenden, wenn in Hamburg die Meinungen  darüber weit auseinandergehen. </span></div>
<div dir="ltr"><span style="font-family: tahoma"><br />
</span></div>
<div dir="ltr"><strong><span style="font-family: tahoma">Literatur und Finanzmarkt &#8211; wie geht das zusammen? </span></strong></div>
<div dir="ltr"><span style="font-family: tahoma">Ist die Literatur überhaupt in der Lage, die  Komplexität von Finanzmarktoperationen angemessen zu beschreiben, fragt etwa  die Journalistin und Schriftstellerin Elke Schmitter. Literaturkritiker Hubert Winkels betont, die Darstellbarkeit des  Nichtdarstellbaren, also der nicht greifbaren Zeichensystem der Zahlen und  Grafiken sei die Herausforderung. Und alle treibt die Frage um, ob nicht jedes  Erzählwerk zum Thema &#8220;Ökonomie&#8221;  immer schon von der Wirklichkeit überholt sein  wird, wenn Nanosekunden über Profit oder Verlust entscheiden. </span></div>
<div dir="ltr"><span style="font-family: tahoma"><br />
</span></div>
<div dir="ltr"><span style="font-family: tahoma">Wirtschaftsromane gebe es zur Genüge &#8211; auch das  wird gesagt. Aber ob sie den Anforderungen oder Geschmäckern genügen, ist nicht  ganz so klar. Noch rätselhafter ist möglicherweise nur der Ort des Einzelnen in  diesem Prozess, der Ort jener Schriftsteller und Kritiker, die solche Vorgänge  verstehen und fassen wollen. </span></div>
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