Kinderbuch 3.0

Die Halle 3.0 der Frankfurter Buchmesse steht 2012 ganz im Zeichen des Kinderbuchs. So viel Raum hatten die bunten Bücher hier selten. Aber auch der zweite Schwerpunkt der Messe – E-Books und die Frage nach der digitalen Zukunft – ist für die Kinderbuchbranche besonders wichtig. Sind doch die interaktiven Möglichkeiten – zum Beispiel mit Apps und Spielen – für Kinder besonders attraktiv. Im Forum Kinder und Jugendmedien diskutierten Verleger und ein Autor bei einer Veranstaltung über den “Kinderbuchverlag 3.0″.

Dabei gingen die Meinungen über die digitalen Möglichkeiten für Kindermedien durchaus auseinander. “Für mich zählen nur gute Geschichten”, sagte Till Weitendorf, Geschäftsführer von Oetinger und der Jüngste der Runde. Er frage sich eher: Was passt in welchen Inhalt? Ob der dann zwischen Buchdeckeln, als App oder Spiel realisiert werde, sei letztlich egal. Ähnlich sieht das Ralph Möllers von Möllers + Bellinghausen. Er verlegt seit 1991 digital, erst CD-Roms, heute E-Books, Spiele und Apps. Verlage müssten verschiedene Plattformen bieten und mitdenken, was aus einem Stoff wird, so Möllers. Viele Verlage hätten da immer noch eine Verweigerungshaltung.

Vorsichtiger mit den neuen Formaten für Kinder ist da Ulrich Störiko-Blume vom Carl-Hanser-Verlag. “Pappe muss bleiben”, sagt er und sieht das auch aus pädagogischer Sicht. Kleine Kinder sollten nicht zu viel mit elektronischen Medien konfrontiert werden. Eine andere Sicht auf die Branche hat der Fernsehfilm-Regisseur und Autor Daniel Acht, der eines der bekannten “Wimmelbücher” als App animiert. In der “Wimmelburg” für iPad und iPhone können Kinder spielerisch Charaktere aus der Märchenwelt entdecken. Für Acht stand die App an vorderster Stelle, nicht die Geschichte. Apps sind für ihn eine neue Kunstform, nicht Zweitverwertungsprodukt. Aber auch ein Verlag wie Oetinger, wo Till Weitendorf sich mit Verve für die digitalen Formate einsetzt, hat erst sechs Apps im Angebot. App-Entwicklung ist für die Verlage teuer, und eine App darf nicht mehr kosten als ein Buch – ein noch wenig rentables Geschäft. Wie wird der Kinderbuchmarkt 2017 also aussehen? Zumindest da sind sich alle Teilnehmer der Diskussion einig: Die Strukturen ändern sich, aber die Werte, die Kinder vermittelt werden, sollten die gleichen sein. Und Qualität sollte in allen Buchformaten das Wichtigste bleiben.

1 Kommentar | 11. Oktober 2012 | 16:37 Uhr | Twittern | Facebook

Ein Kommentar

  1. Die Kinder auf dem Foto sehen nicht begeistert aus. Ich kenne die 3D Brille Funktion und sie unterstützt das räumliche Denken. In meiner Funktion als Lehrer habe ich einige Tierbücher, die man auch mit einer zusätzlichen Brille anschauen kann.

    Es ist gut dass Kinder lesen lernen. Meine Verwandschaft versteht ja bis heute nicht dass ich Zeitung und Zeitschrift am Kiosk kaufe anstatt dies am Bildschirm zu konsumieren.

    Auch Kreuzworträtsel löse ich wie meine Oma

    Herzfeld | 12. Oktober 2012 | 11:41 | Antworten

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