02. Vor Ort · Stammheim: Verena-Becker-Prozess
Anmerkung der Redaktion
Die Redaktion Kulturzeit hat Bundesanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung gebeten, der Öffentlichkeit ihre Schlussplädoyers im Prozess gegen Verena Becker zur Verfügung zu stellen. Michael Buback ist der Bitte nachgekommen. Hier können Sie das Plädoyer lesen (pdf)
9 Kommentare | 05. Juli 2012 | 15:02 Uhr |
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Danke! Das ist ein historisches Dokument. Es geht nicht um Verena Becker. Angeklagt ist die Bundesrepublik Deutschland.
Ich würde mir wünschen, daß auch Herr Hemberger und Frau Ritzert sich der historischen Tragweite ihres Handelns bewußt würden und ihr auftrumphendes, die Würde und Unfehlbarkeit des bloßgestellten Souveräns DEUTSCHLAND immer und immer wieder nur behauptendes Argumentieren der Geschichte zugänglich machen würden. Damit wir jetzt und später einmal vergleichen und sine ira et studio urteilen können.
Auf die Texte der Verteidiger kann ich verzichten, da steht nichts, was man nicht erwarten konnte, und was Hemberger und Ritzert nicht schon viel eifernder gesagt haben.
Danke an Michael Buback für die Bereitstellung des Schlussplädoyers.
Letztendlich wird sich u.U. noch lange Zeit mit der Problematik Schweigen, Aktensperrung, Passagen schwärzen, Aussageverweigerungen, Blockierung der Wahrheitsfindung auseinander gesetzt werden (müssen). Im Netz findet sich eine kurze Stellungnahme von mir, die natürlich nicht das Recht auf Vollständigkeit beansprucht, vielmehr eine Forderung beinhaltet, die aus meiner Sicht zuerst zu erfüllen wäre:
Auf der Startseite von http://www.todesnacht.com findet sich das PDF-Dokument.
Helge Lehmann
Danke an Michael Buback für diese 192 Seiten.
Ich habe die Berichte in KULTURZEIT von Anfang an verfolgt und habe auch alle TV-Berichte aufgezeichnet und archiviert. Wenn sich Michael Buback über die Praxis von “Geheimakten” wundert, dann sollte er mal nach “Geheimakte Solarjustiz” googeln. Der Irrsinn der Justiz ist noch um längen zu toppen. Michael Buback kann sich glücklich schätzen, dass er nicht – wegen seiner unnachgiebigen Recherchen – auf Basis einer Geheimakte juristisch verfolgt worden ist.
Michael Buback ist zu bewundern, mit welcher Entschlossenheit er die Wahrheit über den Mord an seinem Vater herausfinden will. Aber er kämpft gegen übermächtige Gegner, die mit Hilfe des Gerichts alles unternehmen, um nicht in das Verbrechen mit hineingezogen werden. Hatte man nicht Verena Becker als Agentin des Verfassungsschutzes eingesetzt, um die RAF-Mitglieder auszukundschaften, um ggfs. eine Intensivierung der RAF-Aktionen zu fördern und zu erreichen, um ggfs. mit Siegfried Buback einen unliebsamen Generalbundesanwalt zu beseitigen? Und war Kurt Rebmann nicht besonders scharf auf die Nachfolge? War da Verena Becker behilflich? Fragen über Fragen, aber eine Krähe hackt nun mal einer anderen kein Auge aus.
Es ist so grauenvoll und abgründig, wenn die “institutionalisierte Rechtspflege” nicht zur Aufklärung des Verbrechens eingesetzt, sondern zu gänzlich anderen Zwecken missbraucht wird !
Es ist unerträglich und abscheulich, wenn die Presse nicht ihre demokratische Kontrollfunktion wahrnimmt, sondern in schlimmer Weise als verlängerter Arm bestimmter Machtstrukturen dient und damit in keiner Weise über die schweren Defizite des nun abgeschlossenen “Verfahrens” berichtet !
Nur der kleine Kreis von geduldigen Lesern, der vollständig Michael Bubacks Buch “Der zweite Tod meines Vaters” und die 192 Seiten seines Plädoyers Zeile für Zeile liest, vermag vielleicht dem “universalen Verblendungszusammenhang” zu entkommen !
Es gibt allerdings schon jetzt die Hoffnung, dass etliche Zeitgenossen nach der wochenlangen “NSU / staatliche Nachrichtendienste” – Lektüre bei den aktuellen Zeitungsartikeln zum Abschluss des “Stuttgarter Verfahrens” wenigstens ein bisschen nachdenklich werden !
Vielleicht können hier die folgenden Zeilen von Jean Paul (1763-1825) ein wenig weiterhelfen:
“Und auf dem Abendtore dieses Jahrhunderts steht: Hier geht der Weg zur Tugend und Weisheit; so wie auf dem Abendtor zu Cherson die erhabene Inschrift steht: Hier geht der Weg nach Byzanz. –
Unendliche Vorsicht, du wirst Tag werden lassen. -
Aber noch streitet die zwölfte Stunde der Nacht: die Nachtraubvögel ziehen; die Gespenster poltern; die Toten gaukeln; die Lebendigen träumen.”
(“Hesperus oder fünfundvierzig Hundposttage – eine Lebensbeschreibung” – “Vorrede, sieben Bitten und Beschluss”, veröff. 1795)
Es ist so grauenvoll und abgründig, wenn die “institutionalisierte Rechtspflege” nicht zur Aufklärung des Verbrechens eingesetzt, sondern zu gänzlich anderen Zwecken missbraucht wird !
Es ist unerträglich und abscheulich, wenn die Presse nicht ihre demokratische Kontrollfunktion wahrnimmt, sondern in schlimmer Weise als verlängerter Arm bestimmter Machtstrukturen dient und demzufolge in keiner Weise über die schweren Defizite des nun abgeschlossenen “Verfahrens” berichtet !
Nur der kleine Kreis von geduldigen Lesern, der Michael Bubacks Buch “Der zweite Tod meines Vaters” und die 192 Seiten seines Plädoyers Zeile für Zeile liest, vermag vielleicht dem “universalen Verblendungszusammenhang” zu entkommen !
Es gibt allerdings schon jetzt die Hoffnung, dass etliche Zeitgenossen nach der wochenlangen “NSU / staatliche Nachrichtendienst” – Lektüre bei den aktuellen Zeitungsartikeln zum Abschluss des Stuttgarter “Verfahrens” wenigstens ein bisschen nachdenklich werden !
Vielleicht können die folgenden Zeilen von Jean Paul (1763-1825) ein wenig weiterhelfen:
“Und auf dem Abendtore dieses Jahrhunderts steht: Hier geht der Weg zur Tugend und Weisheit; so wie auf dem Abendtor zu Cherson die erhabene Inschrift steht: Hier geht der Weg nach Byzanz. –
Unendliche Vorsicht, du wirst Tag werden lassen. -
Aber noch streitet die zwölfte Stunde der Nacht: die Nachtraubvögel ziehen; die Gespenster poltern; die Toten gaukeln; die Lebendigen träumen.”
(Jean Paul “Hesperus oder fünfundvierzig Hundposttage – eine Lebensbeschreibung” – “Vorrede, sieben Bitten und Beschluss”, Berlin 1795, veröff. bei Carl Matzdorf)
P.S.: Ich war letzten Freitag (6.7.2012) bei der “Urteilsverkündigung gegen Verena Christine Becker” dabei … und ich dachte an all die anderen, die zusammen mit ihr auf die Anklagebank gehören … deswegen noch eine Hommage an die:
“Nemesis: Sie ist wie die Parzen eine Tochter der Nacht; sie hemmt Stolz und Übermut, straft und belohnt nach gerechtem Maß und ahndet verborgenen Frevel.”
(Karl Philipp Moritz “Götterlehre oder mythologische Dichtungen der Alten”, Berlin 1795)
@ Christian Schmeiser,
schön, dass Sie so klar und engagiert Stellung nehmen! Und das mit Ihrem vollen Namen. Sie nehmen sich dabei in Ihrer AG überaus wichtiger Aspekte an.
Lassen Sie mich ein wenig auf ihren Exkurs in die Antike (Nemesis) eingehen:
Zu meinen Lieblingsautoren zählt Sophokles. In allen seinen erhaltenen Stücken kommen Täuschungsszenen vor. Mir scheint, dass in diesem Fakt bereits eine Botschaft steckt: Täuschung und Lüge sind quasi das Grundelement des Dramas. (Interessant, dass die Intrigen und Verlogenheiten in den alten Dramen bis heute oft selbst von Fachleuten übersehen werden. Die Menschen lassen sich anscheinend gerne etwas vormachen.) Für Intriganten wie z.B. Odysseus hat Sophokles keine Sympathien. Er sieht sie als Gegenspieler zu seinen Helden und Heldinnen, die offenbar sein Ideal repräsentieren: Menschen, die sich durch Aufrichtigkeit, Geradlinigkeit, Selbstlosigkeit und Wahrheitsliebe auszeichnen. Sophokles scheint in allen seinen Stücken sehr präzise Botschaften an seine Mitbürger zu aktuellen politischen Themen zu formulieren. Er will dabei offensichtlich zu einem fairen, offenen Umgang miteinander aufzurufen.
Wohl kein Zufall, dass die wunderbar entlarvenden griechischen Intrigen-Dramen von einem Autor bis zur Unkenntlichkeit umgeschrieben wurden, der sich quasi als Propagandaminister an einem Tyrannenhof betätigt hat: Lucius Annaeus Seneca. So, wie er das menschengemachte Unheil aus seinen Vorlagen (den griechischen Dramen von Sophokles und Euripides) auf ein diffuses Wirken des Schicksals reduziert, die Drahtzieher des Verhängnisses dabei in einem diffusen Nebel verschwinden lässt, so propagiert er auch in seiner Philosophie hehre Wertvorstellungen, die er in seinem praktischen Leben mit den Füßen tritt. (Etwa vergleichbar den Strategen von heute, die mit dem Schlachtruf von Demokratie und Menschenrechten den Betroffenen Elend und Verderben bringen.)
So, wie Sie offensichtlich auch, sehe ich im 11. September 2001 ein Schlüsselthema. Die rationale Auseinandersetzung damit, die gründliche Analyse der ganzen Zusammenhänge werden im Internet an vielen Stellen immer wieder gut beleuchtet, wie z.B. unter http://www.youtube.com/watch?v=MzBdcrEamI0&feature=bf_prev&list=FLruthIjRNOL9lnIhfcBjvFQ. Dieses Ereignis mit seinen so offensichtlichen Unstimmigkeiten sollte eigentlich vielen Menschen die Augen öffnen können über das ganze Ausmaß an Bereitschaft der Mächtigen, für Ihre Eigeninteressen skrupellos Menschenleben zu vernichten. Wie weit müssen sich die Mächtigen bedrängt fühlen, dass sie solche Skrupellosigkeit zeigen? Wie weit fühlen sie sich der Massenmedien sicher, dass sie so ungeniert friedliche Menschen in die Luft sprengen und den kritischen Widerspruch von tausenden von Wissenschaftlern in Kauf nehmen?
Diejenigen, die sich ernsthaft mit diesen Geschichten auseinandersetzt – bei denen die Karlsruher Morde, Bologna, Gladio, die Morde in Stammheim u.s.w. sich lückenlos in die Gesamtstrategie einpassen –, müssen wohl mit Erschrecken feststellen, dass wir es mit einem System zu tun haben, das mit seiner gnadenlosen Verfolgung von sehr spezifischen Einzelinteressen einer Ideologie des sog. „3. Reiches“ in überhaupt nichts nachsteht, sich sogar anschickt, sehr viel erfolgreicher als dieses seinen “Lebens-” und “Interesen-Raum” im Osten wie im Westen, im Norden wie im Süden sich zu unterwerfen. Wäre schön, dieser letztlich auch brutal rassistischen Ideologie Einhalt gebieten zu können. Selbst wenn Presse und Medien hier – bis auf wenige Ausnahmen – eine widerwärtige Steigbügelhalter-Rolle spielen.
@ Christian Schmeiser,
schön, dass Sie so klar und engagiert Stellung nehmen! Und das mit Ihrem vollen Namen. Sie nehmen sich dabei in Ihrer AG überaus wichtiger Aspekte an.
Lassen Sie mich ein wenig auf ihren Exkurs in die Antike (Nemesis) eingehen:
Zu meinen Lieblingsautoren zählt Sophokles. In allen seinen erhaltenen Stücken kommen Täuschungsszenen vor. Mir scheint, dass in diesem Fakt bereits eine Botschaft steckt: Täuschung und Lüge sind quasi das Grundelement des Dramas. (Interessant, dass die Intrigen und Verlogenheiten in den alten Dramen bis heute oft selbst von Fachleuten übersehen werden. Die Menschen lassen sich anscheinend gerne etwas vormachen.) Für Intriganten wie z.B. Odysseus hat Sophokles keine Sympathien. Er sieht sie als Gegenspieler zu seinen Helden und Heldinnen, die offenbar sein Ideal repräsentieren: Menschen, die sich durch Aufrichtigkeit, Geradlinigkeit, Selbstlosigkeit und Wahrheitsliebe auszeichnen. Sophokles scheint in allen seinen Stücken sehr präzise Botschaften an seine Mitbürger zu aktuellen politischen Themen zu formulieren. Er will dabei offensichtlich zu einem fairen, offenen Umgang miteinander aufzurufen.
Wohl kein Zufall, dass die wunderbar entlarvenden griechischen Intrigen-Dramen von einem Autor bis zur Unkenntlichkeit umgeschrieben wurden, der sich quasi als Propagandaminister an einem Tyrannenhof betätigt hat: Lucius Annaeus Seneca. So, wie er das menschengemachte Unheil aus seinen Vorlagen (den griechischen Dramen von Sophokles und Euripides) auf ein diffuses Wirken des Schicksals reduziert, die Drahtzieher des Verhängnisses dabei in einem diffusen Nebel verschwinden lässt, so propagiert er auch in seiner Philosophie hehre Wertvorstellungen, die er in seinem praktischen Leben mit den Füßen tritt. (Etwa vergleichbar den Strategen von heute, die mit dem Schlachtruf von Demokratie und Menschenrechten den Betroffenen Elend und Verderben bringen.)
So, wie Sie offensichtlich auch, sehe ich im 11. September 2001 ein Schlüsselthema. Die rationale Auseinandersetzung damit, die gründliche Analyse der ganzen Zusammenhänge werden im Internet an vielen Stellen immer wieder gut beleuchtet. Dieses Ereignis mit seinen so offensichtlichen Unstimmigkeiten sollte eigentlich vielen Menschen die Augen öffnen können über das ganze Ausmaß an Bereitschaft der Mächtigen, für Ihre Eigeninteressen skrupellos Menschenleben zu vernichten. Wie weit müssen sich die Mächtigen bedrängt fühlen, dass sie solche Skrupellosigkeit zeigen? Wie weit fühlen sie sich der Massenmedien sicher, dass sie so ungeniert friedliche Menschen in die Luft sprengen und den kritischen Widerspruch von tausenden von Wissenschaftlern in Kauf nehmen?
Diejenigen, die sich ernsthaft mit diesen Geschichten auseinandersetzt – bei denen die Karlsruher Morde, Bologna, Gladio, die Morde in Stammheim u.s.w. sich lückenlos in die Gesamtstrategie einpassen –, müssen wohl mit Erschrecken feststellen, dass wir es mit einem System zu tun haben, das mit seiner gnadenlosen Verfolgung von sehr spezifischen Einzelinteressen einer Ideologie des sog. „3. Reiches“ in überhaupt nichts nachsteht, sich sogar anschickt, sehr viel erfolgreicher als dieses seinen “Lebens-” und “Interesen-Raum” im Osten wie im Westen, im Norden wie im Süden sich zu unterwerfen. Wäre schön, dieser letztlich auch brutal rassistischen Ideologie Einhalt gebieten zu können. Selbst wenn Presse und Medien hier – bis auf wenige Ausnahmen – eine widerwärtige Steigbügelhalter-Rolle spielen.