Können vor Lachen

Heute startet der dritte deutsche Beitrag in den Berlinale-Wettbewerb: In “Gnade” erzählt Regisseur Matthias Glasner die Geschichte eines nach Norwegen ausgewanderten deutschen Paares, das mit einer großen Schuld klarkommen muss. Jürgen Vogel, Birgit Minichmayr und die norwegische Eis- und Schneelandschaft spielen die Hauptrollen. Nach “Barbara” von Christian Petzold und “Was bleibt” von Hans Christian Schmid blickt auch “Gnade” auf ein sehr persönliches, sehr privates Schicksal. Wohlwollend aufgenommen wurden alle drei deutschen Filme, vielleicht gibt es einen Silbernen Bären für Nina Hoss, Birgit Minichmayr und/oder Jürgen Vogel?

Doch irgendwie bestätigen auch die deutschen Filme die Tendenz des Wettbewerbs: Er ist ein Kind von Traurigkeit, es gilt: Können vor Lachen. Gefangene im Urwald und in einem Kellerverschlag, Väter, die Selbstmord begehen und depressive Mütter, verzweifelt liebende Mönche und Nonnen, eine portugiesische Frau am Rande des Ruins und so weiter. Das Lustigste am Wettbewerb wäre, wenn die Giraffe aus “Postcards From The Zoo” mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet würde. “Giraffe bekommt Bären” wäre die Schlagzeile – und endlich dürften sich alle kringeln vor Lachen.

3 Kommentare | 16. Februar 2012 | 18:53 Uhr | Twittern | Facebook

3 Kommentare

  1. Tendenz??

    Seit Jahren gilt, unabhängig vom Genre, nur noch eine Maxime im Deutschen Film: Es muss menscheln. Plakativ trivial bis zum Anschlag und wieder zurück. Man könnte es auch die “37°”-isierung des Films nennen. Es muss, in bräsig-dröger Inszenierung tragisch bis erschütternd sein und zwar mit dem Holzhammer und der Axt.

    Bitte, nichts gegen solche Filme – doch die Monokultur fällt schon auf. Als ob, man verzeihe mir die aus der Not geborene Polemik, es nur noch drei Arten von Publikum gäbe: geistig Minderbemittelte, Damen aus allerersten Kreisen und pensionierte Lehrerinnen (die ich persönlich sehr schätze).

    Die wenigen Ausnahmen lassen sich an einer Hand abzählen und 3sat sei Dank, zwei liefen, zu meinem Erstaunen, dieser Tage hier im TV: “Im Schatten” und “Yella”.

    Beispiele, wie atmosphärisch und charakterlich Stimmige Begebenheiten/Plots filmisch umgesetzt werden können, ohne den Zuseher für akut unreif zu halten, wie das ansonsten (fast) ausnahmslos voraussetzend der Fall ist.

    Harald | 16. Februar 2012 | 20:59 | Antworten
  2. Wir können nur Real-Satire:
    http://mondverschwoerung.de/

    pazi | 28. Februar 2012 | 07:57 | Antworten

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