“Moonshining” mit Lemke

Von Kara Wolf

Low-Budget Regisseur Klaus Lemke will demonstrieren. Gegen die Berlinale, gegen Kosslick, Förderungen und die fett gewordene deutsche Filmindustrie. Lautstark und medienwirksam wird die Protestaktion “Toter Teppich” angekündigt: der Berlinale den nackten Hintern zeigen und dabei bestenfalls verhaftet werden - “Moonshining” nennt er das und was Lemke will, ist Aufmerksamkeit. Und eigentlich will auch er seine Filme bei der Berlinale sehen - Kosslick aber weigert sich. Kosslick&Co ab in die Pfeffermühle, “Berlin für Helden” von Lemke in den Wettbewerb?

Es ist Eröffnungsabend der Berlinale. Treffen vorm Hyatt. Und nicht nur wir sind auf der Jagd nach Popo-Bildern. Alle wollen die nackten Hintern. Die Flashmob-Ankündigung zeigt Wirkung. 18.45Uhr: Lemke ist pünktlich, Protest will organisiert sein. Schnell sammelt sich eine Traube von Journalisten um ihn und seine Begleiter. Es ist ein Akt purer Selbstinszenierung: Zigarre im Mundwinkel und mit Sonnenbrille schimpft Lemke über das dreckige Berlin und Kosslicks “Obrigkeitskino”.

Der junge Typ neben ihm trägt weniger als Diane Kruger auf dem roten Teppich –  Pelzmantel, Boxhandschuhe und sonst fast nix. Occupy Berlinale schließt sich an, mit Trillerpfeifen und Transparenten sorgen die Aktivisten für ein Polizeiaufgebot. Anti und Dagegen – eure Armut kotzt mich an! Kosslick raus – Helden rein! Hauptsache Protest.

Dann zwei nackte Hintern, ganz kurz in die Kameras. Mehr um das Versprechen einzulösen, denn die Aufmerksamkeit hatte man sich ja schon längst gesichert. Dass man den Anarcho des deutschen Kinos plus Anhang kurz darauf in der Raucherlounge des elitären Hyatt trifft, tut dem Protest keinen Abbruch. Auch nicht, dass sich die Truppe später per Taxi aufmacht zur nächsten Station des Abends: Cocktailbar “Würgeengel” in Kreuzberg. Denn Pelz und U-Bahn passen ebenso wenig zusammen, wie nackte Haut und Berlins Winterkälte. Am nächsten morgen eine SMS: “Danke. Lemke.”

Bitte Herr Lemke, haben wir gerne gemacht!

Kommentieren | 11. Februar 2012 | 18:05 Uhr | Twittern | Facebook

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