Hellas Hurra!

Von Jutta Heeß

In Halle 5.1, Gang D, steht ganz groß “Krise” – beige-weiße Schrift auf blauen Hintergrund. Okay, ist ein Lesefehler, ein Freudscher vielleicht, denn da steht bloß “Greece”. Aber ein bisschen falsch ausgesprochen wird der englische Name Griechenlands schnell zum deutschen Begriff dafür, worin die Griechen gerade knietief stecken. Die blauen Stellwände umrahmen den Gemeinschaftsstand der griechischen Verlage auf der Buchmesse. Auf Büchertischen werden die Werke präsentiert: Bildbände griechischer Inseln, Bücher über die griechische Küche, einige Romane, ein bisschen Philosophie, ein Kinderbuch. Wenn man genau hinschaut, sind viele Bücher etwas angestoßen, der Einband eingerissen – aber das ist auf der Messe, wo Massen von Menschen Massen von Büchern angrabbeln, sicher kein typisch griechisches Phänomen.

Griechische Tragödie?

Doch man ist natürlich sensibilisiert für die Krise der Griechen. So sieht der Stand ziemlich leer aus, die Verleger vor Ort wirken angespannt. Einbildung? Bestimmt. Der Umsatz der griechischen Verlage allerdings ist tatsächlich um etwa zehn Prozent zurückgegangen. Doch eine griechische Tragödie ist das sicher nicht. Eher eine Chance. Denn in schweren Zeiten besinnt sich der Mensch gerne auf seine Ursprünge – und das sind in Griechenland nun mal unter anderem Bücher mit schlauen Gedanken. Platon, Sokrates, Aristoteles und Kollegen lassen grüßen. Und auch das Schwerpunktland der Buchmesse macht es vor: Nach dem Finanzcrash haben die Isländer sich ganz auf ihre literarischen Qualitäten konzentriert. Und gelesen und geschrieben und Bücher gekauft und Bücher verkauft. Heute präsentiert sich eine waschechte Lesenation auf der Messe.

Diese Chance werden die Griechen vermutlich so schnell nicht mehr bekommen, waren sie doch erst im Jahr 2001 Schwerpunktland. Zehn Jahr später stehen sie wieder im Mittelpunkt des Interesses – diesmal allerdings als Schwerproblemland Europas. Doch, Hellas Hurra, jede Krise braucht neben einem Rettungsschirm auch eine Krisenbewältigung – und die vollzieht man doch am besten lesend und schreibend.

Kommentieren | 13. Oktober 2011 | 14:02 Uhr | Twittern | Facebook

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