Der Poetry-Pauker
Von Jutta Heeß
„Ludwig liebte Lottes Lüsternheit,
Lockender Locken Liebenswürdigkeit
Lotte liebte Ludwig leichtberitten
Ludwigs Lagerstättes Latten litten.”
Beschwingt trägt Alex Dreppec eines seiner Alliterationsgedichte vor. Er ist Slam-Poet und tritt auf der Leipziger Buchmesse auf. Und zwar am Stand des Bundesverbands für Alphabetisierung. Rund 7,5 Millionen Erwachse in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben – die mündlich vorgetragene Poesie hilft dem einen oder anderen vielleicht, auch mit nur eingeschränkter Lese- und Schreibfähigkeit sich der Sprache spielerisch zu nähern. Den erzieherischen Aspekt der Spoken Word-Literatur hat Alex Dreppec auch in einem anderen Zusammenhang entdeckt: Seit 2003 veranstaltet er Schreibwerkstätten an Schulen und bringt Kindern und Jugendlichen die Kunst des Slammens nahe. Das Ergebnis ist beeindruckend: “Schüler, die vorher eher unauffällig im Deutschunterricht waren, überraschten plötzlich mit einer erstaunlichen Ausdrucksfähigkeit”, sagt Dreppec. Und da nicht nur das Verfassen von Texten, sondern auch das Vortragen vor Publikum geübt werde, stärke das natürlich auch das Selbstbewusstsein der jungen Menschen. “Rechtschreibung spielt hier keine Rolle”, erklärt Dreppec, “sondern einzig Kreativität.” Und auch Sprachschwierigkeiten von Nicht-Muttersprachlern können durch den lockeren Umgang mit Wörtern behoben werden. “Andere Sprachen, Jugendsprache – alles fließt in die Slam Poesie ein”, sagt Dreppec. Und so mancher Schüler werde durch die positive Erfahrung, die er in der Schreibwerkstatt macht, insgesamt zu besseren schulischen Leistungen angespornt.
Doch nicht nur für die Schüler sind Dreppecs Schreibwerkstätten wegweisend: Eines Tage habe ein Schüler gefragt, ob Dreppec nicht ihr Lehrer werden könne. Das hat sich die Direktorin einer Darmstädter Schule zu Herzen genommen. Dreppec macht im Mai 2011 sein zweites Staatsexamen und unterrichtet bereits an einer Fachoberschule in Darmstadt. “Gerade nehme ich mit einer Klasse Goethes ‘Faust’ durch”, sagt er. “Auch dabei setze ich Slam-Methoden ein.” Zum Beispiel sollen die Schüler Verse und Szenen in ihrer eigenen Sprache umdichten.
In einer Zeit, in der Frontalunterricht an Schulen mehr und mehr passé ist, fällt die Idee Kindern und Jugendlichen über Performance-Poesie Sprache und Literatur näher zu bringen, auf fruchtbaren Boden. Alex Dreppec, der heute selbst nicht mehr so oft auf der Bühne steht, arbeitet an einem Konzept, Slam-Schreibwerkstätten auch an Grundschulen und bildgestützt sogar an Kitas durchzuführen. Sinnvoller kann Reimen kaum sein.
2 Kommentare | 19. März 2011 | 17:03 Uhr |
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Schauen sie sich doch mal dieses Projekt an. Auch sehr beeindruckend:
http://www.wortgewimmel.de
Eine wundervolle Idee! Auch in Berlin denkbar..
LG,
Berlinspires
( http://berlinspiriert.de )